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Sanguis martyrum

31. Oktober 2012 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
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Alle fünf Minuten wird ein Christ umgebracht – doch die meisten Abscheulichkeiten im Umgang mit Christen sind der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. - Teil 1 - Ein Gastkommentar von Olaf Tannenberg.


Berlin (kath.net/Elsas Nacht(b)revier) In über fünfzig Ländern der Welt werden derzeit mehr als einhundert Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt, misshandelt, diskriminiert, vom Tod bedroht. Alle fünf Minuten wird ein Christ umgebracht. Neun von zehn aus Glaubensgründen verfolgte Menschen bekennen sich zum Christentum. Damit sind die Christen mit gewaltigem Abstand die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft weltweit. Mit Ausnahme Nordkoreas, Chinas und weniger anderer staatssozialistischer oder kommunistischer Länder, findet die Verfolgung von Christen hauptsächlich in muslimischen Staaten statt. Besonders die Bekämpfung des weltweiten islamistischen Terrorismus und der nordafrikanische ›Arabische Frühling‹ haben die ohnehin bittere Situation der Christen in vielen Ländern weiter verschärft. Überall dort, wo der Islam auf dem Vormarsch ist, wo religiöse und weltliche Macht zur Staatsgewalt miteinander verschmelzen, müssen die Christen mehr denn je bangen und fürchten - um die halbwegs gefahrlose Praktizierung ihres Glaubens ebenso, wie um ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Freiheit.

In Ländern wie Somalia oder Nigeria gilt die Ermordung eines Christen kaum als Verbrechen. Es wird sogar als Pflicht verstanden, bspw. einen zum Christentum konvertierten Ex-Muslim zu töten. Besonders Neu-Christen gelten dort - und anderswo - als ›Ungeziefer‹, das vernichtet werden muss, als ›Müll‹, der entsorgt werden muss. Oft verschwimmen die Grenzen zwischen staatlichem und privatem Handeln. Strafverfolgung in solchen Fällen? Gibt es nicht! Menschenrechte? Fehlanzeige! Religionsfreiheit? Unbekannt!


Zum Grundrecht auf die Freiheit der Religionsausübung sagte Karl Hafen, Geschäftsführer der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), während seines Vortrages im Rahmen des 12. Kongresses ›Freude am Glauben‹ des Forums Deutscher Katholiken im September 2012 in Aschaffenburg: »Religionsfreiheit ist nicht nur ein hohes persönliches Gut, sondern die Missachtung der Religionsfreiheit ist mitbestimmend für unsere Freiheit und das Leben und die Freiheit unserer Kinder. Die Achtung der Religionsfreiheit ist oft ein Prüfstein für unsere Toleranz, aber auch für Prinzipienstärke.«

Indes sind die meisten Abscheulichkeiten im Umgang mit den Christen der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Man muss gezielt nach einschlägigen Nachrichten suchen, um informiert zu sein. Meist finden sie sich auf Portalen im Internet. Und so geht wie ein düsterer Schatten neben der Verfolgung, Bedrängung und Diskriminierung von Christen in den christenfeindlichen Ländern und Gesellschaften die gedankenlose Verdrängung dieser Grausamkeiten innerhalb der westlichen Welt einher. Nur selten liest man in den meinungsbestimmenden Medien vom Leid der Christen auf dieser Welt, nur wenig wird ihr oft beklagenswertes Schicksal publiziert und den Menschen nahegebracht.

Das mangelnde Interesse der meisten deutschsprachigen Medien am Thema Christenverfolgung mag verschiedene Ursachen haben. Vielleicht möchte man die öffentliche Ruhe nicht durch das Erzürnen der gewaltbereiten Verfolger und ihrer hiesigen Anhängerschaft gefährden, oder man weiß es in den Redaktionsbüros einfach nicht besser, oder es wird Säkularismus für Neutralität gehalten, oder man hat ein generelles Problem mit dem Christentum.
Ich möchte an dieser Stelle nicht spekulieren. Interessant scheint mir allerdings die parteipolitische Verortung der einzelnen Beteiligten zu sein. Denn immerhin sieht sich gemäß einer Studie der Freien Universität Berlin vom Mai 2010 im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes und der Gesellschaft für Fachjournalistik [1] die Mehrheit der Politikjournalisten links der Mitte; mit 26,9 Prozent sind auffällig viele der Befragten Anhänger der Grünen.

Wie dem auch sei: Die Verfolgung von Christen existiert auch ohne größere mediale Aufmerksamkeit und darf nicht unter den Bettvorleger müder Medienmacher gefegt werden. Gegen das Verdrängen und Verschweigen soll nun hier die Stimme erhoben werden.
Die Serie ›Sanguis martyrum‹ wird Berichte über besonders markante Vorfälle enthalten und den bekannten, namenlosen und vergessenen Blutzeugen ein Gesicht geben bzw. wiedergeben. Daneben wird die Lage der Christen in einzelnen Staaten und Regionen näher betrachtet, es werden Hintergründe und Ursachen angesprochen und Entwicklungen analysiert.

Vor rund zweitausend Jahren sandte Christus seine Apostel aus, um der Welt das Evangelium zu bringen. Er sagte voraus, dass es Ablehnung, Anfeindungen und sogar Blutvergießen geben würde: »Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen« (Joh 15,20). Damit haben sich Christi Worte bewahrheitet. All jene wunderbaren Menschen, unsere Schwestern und Brüder vor dem Herrn, die ihr Blut vergossen, die ihr Leben und ihre Freiheit hingaben, die Drangsal und Not erlitten, bilden die wirkliche Elite der Kirche und dürfen nicht dem Vergessen preisgegeben werden. Denn, so sagte bereits im 3. Jahrhundert der altchristliche Apologet Tertullian:

»Sanguis martyrum est semen christianorum - Das Blut der Märtyrer ist der Samen für die Christen.«

Der Beitrag stammt aus dem Blog von Barbara Wenz: Elsas Nacht(b)revier)


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