
Köln (kath.net/KNA) Der Papstbotschafter in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, sieht im «Vatileaks»-Skandal eine Belastung für die diplomatische Arbeit. «Als Nuntius werde ich mir noch genauer überlegen müssen, was ich zu Papier bringe», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwoch). Schlimm an der der Affäre um durchgesickerte interne Dokumente aus dem Vatikan sei, «dass man selbst in unseren Kreisen kein Vertrauen mehr haben kann». Zugleich betonte der Erzbischof, dass es auch in der Kirche «menschle» und dort nicht alles dem Evangelium entspreche.
Perisset widersprach der Darstellung in «Vatileaks»-Dokumenten, dass der Papst ihn zu einem Protest gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert habe, nachdem diese 2009 Benedikt XVI. wegen seines Umgangs mit dem Bischof der traditionalistischen Piusbruderschaft und Holocaust-Leugner Richard Williamson kritisiert hatte. Es habe eine solche Anweisung des Papstes zu einem Protest nicht gegeben.
Zugleich verteidigte Perisset sein damaliges Vorgehen. Er habe die Kanzlerin nicht getadelt, sondern ihr lediglich erklärt, warum der Papst die Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft aufgehoben hatte. Damals sei dann kaum zur Kenntnis genommen worden, dass Merkel nur wenige Tage nach ihren kritischen Äußerungen den Papst angerufen und sich beim ihm entschuldigt habe. «Also, was war am Ende besser? Eine scharfe Protestnote, die Druck ausüben soll - oder die sorgsame Erklärung des Sachverhalts, die zu einer positiven Reaktion führt?», so der Nuntius.
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