26 Juli 2012, 12:00
Den Papst zum 'öffentlichen Abschuss freigeben'?
 
Hildegard13
 
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Die „Zeit“: Vatileaks sei ein Ergebnis der vormodernen „öffentlichkeitsfeindlichen Politik“, welche sich in der globalen Mediengesellschaft nicht durchhalten lasse.

Rom (kath.net) „Jetzt aber muss sich zeigen, wie der Papst sich wehrt – ob er selber den Konflikt offen oder hinter verschlossenen Türen austrägt.“ Das postulierte die „Zeit“ über die aktuellen Vorgänge und Hintergründe des unter dem Namen „Vatileaks“ bekannt gewordenen Dokumentendiebstahls im Vatikan. Vatileaks zeige, dass sich die alte „öffentlichkeitsfeindliche Politik“ in der globalen Mediengesellschaft nicht durchhalten lasse, denn die Rolle der Presse im Interessenkonflikt der kirchlichen Parteien sei zu attraktiv. „Über die Öffentlichkeit und ihre Informationskanäle kann kein Vatikan verfügen.“ Doch das Spiel mit den geheimen Akten offenbare, „dass eine Kultur der Intransparenz für die Kirche gefährlich werden kann, gerade weil ihr Auftrag öffentlich ist. Gegen VatiLeaks hilft nur der Schritt in die offene Gesellschaft.“ Allerdings sähen im Vatikan zu viele ihre Macht bedroht, um diese Systemfrage zu stellen, „lieber geben sie den Papst zum öffentlichen Abschuss frei“, führte die „Zeit“ weiter aus.

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„Es geht nämlich nicht nur um eine strukturelle Krise der Kirchenleitung, sondern auch um einen persönlichen Angriff auf den Heiligen Vater“, führte die „Zeit“ aus, bereits im Februar seien sogar Gerüchte darüber an die Öffentlichkeit gelangt. Doch wer auf die Person des Papstes ziele, treffe automatisch die ganze Kirche, „zielt man auf den einen (den physischen), trifft man den anderen (den mystischen: die Kirche)“. Diese Regel bewahrheite sich „auch beim Geheimnisverrat“.

Im Zuge von Vatileaks dringe in den Vatikan das ein, was nach vormodernem, monarchischen Rechtsverständnis draußen zu bleiben habe: „die Öffentlichkeit“, der aber nach katholischem Verständnis „keine Rechtskontrolle“ zukäme. „Funktioniert die Kirche als geschlossene Gesellschaft?“, fragte die „Zeit“. Diese Frage sei es, die den laufenden Ereignissen ihre Sprengkraft gebe. Das alte Gesellschaftssystem der Kirche als „societas perfecta“, was die „Zeit“ als „Gesellschaft, die ihren Bestand aus sich selbst heraus garantiert“ erläuterte, habe die katholische Kirche „bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren“ bestimmt. „Damals versuchte der Vatikan eine vorsichtige Öffnung. Um die liberale Agenda des letzten Konzils tobt derzeit auch der Kampf. Nicht zuletzt hinter den Kulissen.“






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