09 Juli 2012, 13:00
Im Bereich der Beichte gibt es geradezu absurde Irrtümer
 
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Und diese Irrtümer sind nicht harmlos, wenn Menschen unter ihnen leiden, unnötige Lasten tragen. Ein kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Ich war noch ein sehr junger Priester und hörte im Rahmen einer Aushilfe im Ausland Beichte. Eine ältere, sehr einfache Frau kam und beichte irgendetwas von einem Geschlechtsverkehr. Irgendwie kam mir das „Bekenntnis“ eigenartig vor und daher fragte ich so behutsam als möglich zurück, ob sie verheiratet sei und „wer“ der Partner gewesen sei. Mit einem Anflug von Entrüstung antwortete sie: „Natürlich mein Mann“, aber, und das schien ihr sündhaft, ohne Kinderwunsch! Daraufhin versuchte ich, so gut es in der Beicht-Situation möglich ist, ihr zu erklären, dass sie doch keine Sünde begangen habe, sondern dass sie, im Gegenteil, die Gemeinschaft mit ihrem Mann pflegen sollte! Sie verließ, mir schien, erleichtert den Beichtstuhl, und ich blieb zurück mit der Frage im Herzen: „Wer hat diese Frau religiös so verbildet, wie war ihr Religionsunterricht, warum hat ihr noch niemand gesagt, was doch selbstverständliche Lehre der Kirche ist, und ihr diese völlig unnötige Last abgenommen?“

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Ich dachte, schuld sei wohl die „vor meiner Zeit“ noch herrschende Häresie der Prüderie, und beruhigte mich mit dem Gedanken, dass sich ein „solcher Fall“ nach dem Konzil und nach Papst Johannes Paul II. unmöglich werde wiederholen können.

Irrtum, geradezu absurde Irrtümer gibt es im Bereich der Beichte, sicher auch in anderer Hinsicht, immer noch. Und sie sind nicht harmlos, wenn Menschen unter ihnen leiden, unnötige Lasten tragen.

Erst vor Tagen wandte sich eine Frau an mich und schilderte mir ihre Lage und ihre Gewissens-Belastung so: Nach dem dritten Kind hatte sich ihr Mann in Absprache mit ihr sterilisieren lassen. Damals kannte sie die Lehre der Kirche dazu noch nicht, aber jetzt kenne sie sie und habe einige Priester um Rat gefragt: Man habe ihr gesagt, und ich gebe die Antwort wieder, wie ich sie verstanden habe: „Sie dürfe nicht mehr zur hl. Kommunion gehen, sie dürfe keinen intimen Verkehr mit ihrem Mann leben, und im Übrigen sei diese Sünde unauslöschlich im „Lebensbuch“ festgeschrieben!

Wahr an dieser Antwort ist nur die Voraussetzung der „Antwort“: Die Kirche hält jede direkte Sterilisierung, vorübergehend oder endgültig, für objektiv sündhaft. Aber in allen übrigen Punkten ist die Antwort ein pastoraler Skandal, weil die befragten Priester der Frau eine Last auferlegten, die absolut nicht gottgewollt ist!

Natürlich bewirkt auch eine Beichte nicht, dass das, was getan wurde, „nicht wirklich geschehen“ wäre! Aber: Was die Schuld betrifft, löscht die Beichte den „Eintrag“ ins „Lebensbuch“ wirklich und endgültig!

Das ist geradezu das wunderbare, im Vergleich zum Umgang mit Sünde in allen anderen Religionen, einzigartige Wesen der Beichte: die Tilgung der Sünde als hätte sie sie nicht stattgefunden, auch dann, wenn ihre Folgen noch fortdauern sollten!

Es gilt für sie die Geschichte vom „verlorenen Sohn“ (Lk 15,11ff), es gilt für sie das drastische Wort von dem Rot der Sünde, das die Vergebung Gottes wieder weiß werden lässt wie Schnee (Jes 1,18), das schöne Bild von Gott, der die Sünde in die „Tiefe des Meeres“ wirft (Mich 7,19) oder sie „wegfegt“ wie Wolken und wie Nebel (Jes 44,21f).

Was soll Gott uns noch sagen, damit wir endlich glauben: Wenn wir zurückkehren und bereuen, löscht Gott die Sünde wirklich und sagt zum Sünder: „Heute noch wirst du bei mir im Paradies sein!“ (Lk 23,43)) Und das gilt jedem Sünder, auch wenn sich das „heute“ bei den Meisten verzögert!

Weil die Sünde eben wirklich gelöscht ist und sich die damals gewollte und herbeigeführte Sterilität nicht mehr rückgängig machen lässt, können die Frau und ebenso ihr Mann, unter den für jeden anderen Empfang der hl. Kommunion auch geforderten Voraussetzungen, den Leib des Herrn empfangen. Dasselbe gilt für die eheliche Vereinigung: Auch sie steht dem Ehepaar offen, wenn sie als Akt der Liebe - „andächtig“ wie die hl. Kommunion – vollzogen wird! Und die Beiden dürfen dieses Zusammensein dankbar genießen!

Ich bin unendlich froh, wenn ich der Frau und ihrem Mann diese Last abnehmen konnte. Ich füge hinzu: Vielleicht lag auch ein Missverständnis vor, die mir unbekannten Priester haben das Richtige gemeint und sich nur ungeschickt ausgedrückt oder die Frau hat einfach nur falsch verstanden, was hätte klar sein müssen.

Aber eine Folgerung für die Priester wäre zu ziehen: Priester sollten die Lehre der Kirche wirklich kennen, sie sollten sie zu formulieren geübt sein und sie sollten gerade auf dem Gebiet der sexuellen Intimität besonders diskret und behutsam sprechen! Sündigen kann der Priester nicht nur durch „liberale“ Ansichten, sondern auch durch Rigorismus, der nach einem Wort des hl. Alfons von Ligouri der Kirche im Lauf der Geschichte schon mehr geschadet hat als der Laxismus.

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