03 Juli 2012, 13:00
Erzbischof Müller – ein Mosaikstein auf dem Weg der Erneuerung
 
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Kein ‚Glaubenswächter’, sondern Getriebe im Motor der Neuevangelisierung. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Mit der am gestrigen Montag bekanntgegebenen Ernennung von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre hat Papst Benedikt XVI. einen weiteren Stein auf dem Weg der inneren Erneuerung der Kirche gesetzt. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Papst an der geistlichen und theologischen Schaltstelle der Weltkirche einen Mann absoluten Vertrauens wollte, der seinen theologischen Blick auf die Realität des Glaubens kennt, sich in ihm bewegt und ihn in kreativer Weise umsetzt. Dass Müller beim Rahner-Schüler und Bischof von Mainz Karl Kardinal Lehmann zunächst promoviert und sich dann habilitiert hat, spricht angesichts seiner Geschichte als Theologe und Dogmatiker nicht gegen diese Sicht, sondern für sie, da auf diese Weise ein philosophisch-theologisches Spektrum – fest verankert im Boden der Lehre der Kirche – programmiert ist, das die Umsetzung und Vermittlung der Lehre Benedikts XVI. zu fördern und als wahre Seelsorge zu verwirklichen vermag.

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Mit Erzbischof Müller leitet ein künftiger Kardinal die „Suprema“, der eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Papst zu gewährleisten imstande ist, dies nicht zuletzt als Kenner des theologischen Schaffens Joseph Ratzingers. Dass Müller sich auch in Zukunft um die Herausgabe der „Opera Omnia“ Papst Ratzingers kümmern wird, ist nicht nur Zeichen eines äußeren Auftrags, den er als Person wahrgenommen hat. Es ist vielmehr Ausdruck der intimen Verbundenheit mit dem Denken und den Folgen des Denkens des vielleicht wichtigsten Theologen der Gegenwart, der gleichzeitig auf dem Stuhl Petri sitzt. Auf diese Weise ist der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre in besonderer Weise dazu befähigt und berufen, Petrus (und damit die Kirche, die auf diesem Fels errichtet ist) gegen die „Mächte der Unterwelt“, gegen die zerstörerische Macht des Bösen zu verteidigen (vgl. Benedikt XVI., Predigt am 29. Juni 2012).

Erzbischof Müller gehört zusammen mit den Kardinälen Marc Ouellet (Präfekt der Bischofskongregation) und Kurt Koch (Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen) zu den wichtigen Säulen des Pontifikats Benedikts XVI., die gleichzeitig von besonderer Bedeutung für die Zukunft der Kirche sind. Es ist wohl nicht übertrieben, von einer „Kerntruppe“ zu sprechen, die das volle Vertrauen des Papstes genießt und ihrerseits, jeder in seiner besonderen Verantwortung, den vom Papst abgesteckten Weg der Erneuerung nicht nur mitgeht, sondern ausgestaltet, dies auf dem Boden gemeinsamer und vielschichtiger theologischer Ausdrucksformen. Dass eine Ernennung wie die von Müller in Zeiten von „Vatileaks“ und inneren Problemen der Römischen Kurie auch Ausdruck der Entschlossenheit des Papstes zur Reinigung ist, wird in diesem Zusammenhang noch deutlicher.

Wie bereits vor sieben Jahren mit der Ernennung von Kardinal Levada zu erkennen war, liegt dem Papst daran, die pastorale Dimension des „dritthöchsten“ Amtes in der Weltkirche hervortreten zu lassen. Der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre ist kein Wachhund oder „Glaubenswächter“, wie dies gern in der Öffentlichkeit kolportiert wird. Seine Aufgabe ist es, den Glauben zu wahren, dies nicht im Sinn eines Verwahrens und Aufhebens von festgesetzten Inhalten, sondern eines Bewahrens in der produktiven Spannung von Vernunft und Tradition. Das Ziel ist, aus den inneren Widersprüchen eines verfließenden zeitgenössischen Vernunftkonzepts herauszukommen, das sich gern an Strukturen festmacht, ohne den Sinn von Tradition zu erfassen. In diesem Zusammenhang steht auch die Tatsache, dass der Präfekt der Glaubenskongregation gleichzeitig Präsident der Kommission „Ecclesia Dei“ ist, die für die Belange der sogenannten traditionalistischen Gruppen und nicht zuletzt der Priesterbruderschaft St. Pius X. zuständig ist. Ziel muss es sein, Verhärtungen zu überwinden, den Schatz der Tradition durchzudeklinieren und ihn in der einen Kirche in ihrer Vielfalt fruchtbar zu machen. Einheit und Aussöhnung sind keine Optionals. Das Bemühen um sie gehört zum Wesen des Papstamtes und ist somit dringender Auftrag der engsten Mitarbeiter des Nachfolgers Christi.

Am 11. Oktober wird das von Benedikt XVI. beschlossene „Jahr des Glaubens“ beginnen, das Jahr jener Tür, „die in das Leben der Gemeinschaft mit Gott führt und das Eintreten in seine Kirche erlaubt“ (vgl. Motu proprio Porta fidei, 1). Der stille Dienst der Kongregation für die Glaubenslehre stellt in diesem Zusammenhang das Getriebe im Motor der Neuevangelisierung dar. Somit wird Erzbischof Müller vom ersten Tag seines neuen Wirkens mit der Vorbereitung und Verwirklichung eines Kernanliegens des Papstes konfrontiert und betraut. Benedikt XVI. sieht, wie gerade in den Ländern alter Christianisierung das Licht des Glaubens immer schwächer wird und zu erlöschen droht: eine neue Form des Atheismus als Gleichgültigkeit, als Gewohnheit, der bis in die Kirche selbst hinein vorgedrungen ist. Dem will der Papst mit einer Neubesinnung und neuen Vermittlung des Glaubens als Erfahrung einer empfangenen Liebe und als Erfahrung von Gnade und Freude begegnen.

Dieser Glaube „macht fruchtbar, weil er das Herz in der Hoffnung weitet und befähigt, ein Zeugnis zu geben, das etwas zu bewirken vermag: Er öffnet nämlich Herz und Sinn der Zuhörer, damit sie die Einladung des Herrn, seinem Wort zuzustimmen und seine Jünger zu werden, annehmen. Die Gläubigen ‚werden stärker, indem sie glauben’, bezeugt der heilige Augustinus. Der heilige Bischof von Hippo hatte gute Gründe, sich so auszudrücken. Wie wir wissen, war sein Leben eine ständige Suche nach der Schönheit des Glaubens, bis sein Herz in Gott Ruhe fand. Seine zahlreichen Schriften, in denen die Bedeutung des Glaubensaktes und die Wahrheit des Glaubens erklärt werden, bleiben bis in unsere Tage ein Erbe unvergleichlichen Reichtums und ermöglichen immer noch vielen Menschen auf der Suche nach Gott, den rechten Weg zu finden, um zur ‚Tür des Glaubens’ zu gelangen“ (Porta fidei 7).

Was verbindet Müller und seinen Vorgänger Ratzinger? Nicht nur, dass sie Deutsche und als solche eine Zusammenfassung der „guten Theologie“ der letzten Jahrzehnte sind. Es verbindet sie der gemeinsame Wunsch, die Gunst der Stunde zu nutzen und mutig die „Tür des Glaubens“ wieder weit aufzustoßen. Es dürfte spannend werden zu sehen, wie dies nun geschieht.

Film des Bistums Regensburg über den Abschied







Bild: (c) Bistum Regensburg

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