01 Juli 2012, 08:15
Medizin: Immer mehr Kinder leiden an Depressionen
 
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Experten nennen als Gründe fehlende familiäre Bindungen und religiöse Orientierung.

Neumarkt/Hollern (www.kath.net/ idea)
Immer häufiger leiden schon Kinder und Jugendliche unter Depressionen. Das haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Ärzte und Psychologen machen dafür Leistungsdruck und Werteverfall, aber auch eine zu frühe Fremdbetreuung der Kinder verantwortlich. Nach Angaben des Psychologen Thomas Schnelzer (Neumarkt/Oberpfalz) leiden mehr als fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland an einer schweren Depression. Etwa zehn Prozent zeigten laut Untersuchungsergebnissen deutliche depressive Symptome, so der Leiter der (katholischen) Caritas-Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Neumarkt. Während im Vor- und Grundschulalter depressive Symptome zu beobachten seien, aber nur in wenigen Fällen eine vollständige Diagnose möglich sei, nehme die Häufigkeit einer Depression ab dem 12. Lebensjahr zu.

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Bereits Fünfjährige erkranken an depressiven Störungen

Fachleute beobachteten einen deutlichen Anstieg dieses Störungsbildes, so der Psychologe. Noch vor 20 Jahren habe man Depressionen bei Kindern für unmöglich gehalten. Heute erkrankten bereits Fünf- oder Sechsjährige an depressiven Störungen. Fast die Hälfte aller 12- bis 17-Jährigen (42 Prozent) habe sich schon einmal mindestens zwei Wochen lang täglich traurig und niedergeschlagen gefühlt. Als Ursachen dafür nennt Schnelzer unter anderem fehlende familiäre Netzwerke, Leistungsdruck sowie einen Verlust an Werten und religiöser Orientierung. Eltern sollten sich Zeit für ihr Kind nehmen, Erfolgserlebnisse ermöglichen und zeigen, wie man mit Misserfolgen und Niederlagen umgeht. Ängste und Frustrationen gehörten zum Leben dazu und seien unausweichlich.

Therapeutin: Auch eine Folge der Krippen

Die Ärztin und Familientherapeutin Maria Steuer (Hollern bei Stade) sieht einen weiteren Grund für die Zunahme von Depressionen bei Kindern in der frühen Trennung vieler Kinder von ihren Eltern. Depressionen seien auch eine Form der Bindungsstörung, sagte sie gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. „Aber wie soll ein Kind ein Urvertrauen und eine Bindung zu seiner Mutter entwickeln, wenn es schon mit einem Jahr in die Krippe geschickt wird?“ Was in frühester Kindheit an Vertrauen und Lebensmut verloren gehe, könne später nur sehr schwer korrigiert werden, erklärte sie. Deshalb sollten Eltern die Verantwortung für ihre Kinder nicht auf andere abwälzen und besonders in den ersten Lebensjahren der Kinder die familiäre Einheit schützen. Den Staat forderte die Therapeutin auf, die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen, anstatt in den Ausbau von Kindertagesstätten zu investieren, um so Müttern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

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