
Mailand (kath.net/KAP) Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone hat die Veröffentlichung von an den Papst adressierten Briefen als unmoralisch und schwerwiegend kritisiert. Dadurch sei das in der italienischen Verfassung festgeschriebene Recht auf das Briefgeheimnis verletzt worden, sagte Bertone im Interview mit der italienischen Wochenzeitschrift "Famiglia Cristiana". Dahinter stünden seiner Ansicht nach Versuche, die Kirche zu destabilisieren.
Das Bemühen des Papstes um "Klärung und Reinigung" innerhalb der Kirche "war und ist" manchem offenkundig unangenehm, betonte der "zweite Mann" im Vatikan. Beispielsweise hätte Benedikts XVI. Vorgehen gegen Pädophilie im Klerus gezeigt, dass die Kirche sich selbst erneuern könne, wie es andere Institutionen nicht könnten. Sie sei ein "Fels im Sturm", den man jedoch seiner Stabilität berauben wolle.
Als das "schmerzlichste Ereignis" in der "Vatileaks"-Affäre bezeichnete Bertone den Vertrauensbruch durch den Kammerdiener Benedikts XVI. "Der Papst hat sichtlich erschüttert nach einer Erklärung über die Gründe der Tat von Paolo Gabriele gefragt, der von ihm wie ein Sohn geliebt wurde". Behauptungen, nach denen es im Vatikan Intrigen und Kämpfe geben solle, wies Bertone als "Spiele von Journalisten", die den US-Bestsellerautor Dan Brown nachahmen wollten, zurück: "Ich persönlich kenne keine Anzeichen einer Beteiligung von Kardinälen oder von Kämpfen zwischen Geistlichen zur Eroberung einer imaginären Macht".
Im Staatsekretariat herrsche ein "außergewöhnliches Klima von Gemeinschaft", das im Gegensatz zur Darstellung der Massenmedien stehe. Natürlich gebe es unterschiedliche Meinungen, wenn bei Zusammenkünften im Vatikan diskutiert werde. Die "Dialektik der Konfrontation" sei jedoch eine Tradition der Kirche, die bis auf die Zeit der ersten Apostel zurückreiche.
Bertone betont in dem Interview, dass die Entlassung von Ettore Gotti Tedeschi als Chef der Vatikanbank IOR nichts mit "internen Zweifeln an dem Willen zur Transparenz" zu tun habe. Der Grund für die Entlassung Ende Mai sei eine "Verschlechterung der Beziehungen im Aufsichtsrat" aufgrund von Meinungsverschiedenheiten gewesen.
Der Kardinalstaatsekretär verteidigte das "Institut für die religiösen Werke" als Institution, die es der Kirche erlaube, auch in schwierigen Situationen zu helfen. Er sprach den Verantwortlichen des IOR sein "volles Vertrauen" aus.
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