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Kirchliche Stimmen uneins zum Ukraine-Boykott während der Euro

9. Juni 2012 in Chronik, keine Lesermeinung
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Rektor der Lemberger "Ukrainian Catholic University" dagegen, Bischof der Deutsch-Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine dafür


London-München (kath.net/KAP) Kirchliche Stimmen in der Ukraine sehen die Frage eines Boykotts der EURO 2012 wegen des als politisch motiviert und rechtsstaatwidrig kritisierten Prozesses gegen die Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko (siehe Foto) differenziert. In einem Interview für den englischsprachigen Dienst des Hilfswerks "Kirche in Not" sprach sich am Freitag der Rektor der Lemberger "Ukrainian Catholic University" (UCU), Borys Gudziak, gegen Boykottaufrufe aus.

"Die Regierung der Ukraine hat internationale Empörung hervorgerufen. Nicht weniger Empörung sollte aber über die Entwicklung in Russland erfolgen. Der Druck des dortigen Regimes gegen Journalisten, Bürgerrechtler, freie politische Meinungsäußerung und Religionsgemeinschaften ist viel größer als in der Ukraine. Aber wir hören dennoch nie etwas davon, dass Großveranstaltungen in Russland wie die Olympischen Spiele in Sotschi boykottiert werden sollen", so Gudziak.


Für gerechtfertigt hält hingegen der Bischof der Deutsch-Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine mit Sitz in Odessa, Uland Spahlinger, Boykotte. Es sei "peinlich und ärgerlich, wenn Sportfunktionäre uns glauben machen wollen, Sport und Politik hätten nichts miteinander zu tun", schreibt Spahlinger in einem Kommentar für das evangelische "Sonntagsblatt Bayern" (8. Juni): "Spätestens seit Berlin 1936 ist bekannt, dass das nicht so ist. Beunruhigend ist, was in manchen Internetforen zu lesen ist: Frau Timoschenko habe es ja nicht besser verdient; der Fall sei doch nur aufgebauscht; sie würde im umgekehrten Fall auch nicht anders handeln usw. Auch liest man Einlassungen, die im deutschen Meinungsaustausch die Handschrift von Parteigängern Präsident Janukowitschs tragen".

Julia Timoschenko sei sicher eine politische Reizfigur. "Gleichzeitig aber ist sie auch Symbol: Sie hat wie jeder Mensch Anspruch auf faire, transparente und menschenwürdige Behandlung. Die Justiz eines Landes muss frei sein von politischer Einflussnahme. Wenn Gerichte nicht unabhängig sind, dann ist das ein bedrohliches Signal für den Zustand eines Gemeinwesens", so Spahlinger.

Wer auf die Missstände aufmerksam machen will, könne sich für oder gegen Boykott entscheiden, betont der Bischof: "Manchmal muss man den Dialog mit dem Dialogunwilligen aussetzen. Die Entscheidung von Bundespräsident Joachim Gauck, einer Konferenz auf der Krim fernzubleiben, war ein wichtiges Signal." Zu wünschen sei, dass Gäste in die Ukraine "mit wachen Sinnen" kommen, "und warum nicht mit der EU-Menschenrechtskonvention, die auch die Ukraine unterzeichnet hat, im Handgepäck?" Es lohne sich, mit den Menschen das Gespräch darüber und über bürgerliche Rechte zu suchen.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: (c) Prime Minister of the Russian Federation


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