18 April 2012, 11:26
Habemus Papam qui sibi nomen imposuit: BENEDICTI!
 
Hildegard13
 
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Zum siebten Jahrestag der Wahl eine Erinnerung aus den ersten Stunden des Pontifikats Benedikts XVI. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Dieser Artikel wurde einen Tag nach der Wahl Benedikts XVI., am 20. April 2005, geschrieben; passend zum siebten Jahrestag der Wahl am 19. April veröffentlichen wir den Beitrag heute erneut.

Es ist doch eine Freude, katholisch zu sein. Jedenfalls demonstrierten dies die Hunderttausende, die gestern am Petersplatz den weißen Rauch aufsteigen sahen. Bei der ersten Schwingung der großen Glocke brach dann diese Freude endgültig in einem einzigen Aufschrei aus. Der Bischof von Rom, der Nachfolger des Apostels Petrus, der Stellvertreter Christi auf Erden ist gewählt, die Sorge um den leeren Stuhl Petri beendet. Die Zeit der hoffnungsvollen Erwartungen, die dem neu gewählten Pontifex entgegenkommen, hat begonnen.

Aber jetzt ist die Freude wichtig. Katholisch sein heißt auch gerade dies: sich freuen zu können. An Weihnachten den fleischgewordenen Sohn Gottes zu feiern, an Ostern den Auferstandenen anzubeten. Eine Freude, die lacht und nicht nur grinst im Bewusstsein, dass nach der Freude dann die harte Arbeit beginnt oder weitergeht. Eine Freude, die einen sich umarmen lässt.

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Benedikt heißt der neue Papst, der vor das in Rom versammelte Volk und die Völker der Welt getreten ist. Benedictus – gebenedeit – „vom Guten her gesagt“. In seinem gewählten Namen stellt der neue Papst das Gute ins Zentrum seines Seins und seines Pontifikats. Das Gute, zu dem zu streben ist, das es zu erringen gilt, das der Auftrag für das wesentliche Menschsein jenseits von Bedingungen, Einschränkungen und gewaltvoller Unterdrückung ist – dieses Gute, das sich sagt, ankündigt und mit Kraft und Entschlossenheit verkündet werden muss, ist das ausdrückliche Zentrum der Person und des Pontifikats Benedikts XVI. Zu diesem Guten kann dann gestrebt werden, wenn dessen Quelle in ihrer absoluten Wahrheit, das heißt in der Offenbarung Gottes in der Schöpfung, im Heilsgeschehen der Fleischwerdung seiner in Christus und durch dessen Vermittlung in der Kirche in radikaler Glaubwürdigkeit, ohne Bangen und entschieden, zum „Programm“ eines sich erneuernden Menschseins wird.

Gerade deshalb ist Benedikt auch der Name eines Papstes, der den Frieden als oberste Aufgabe für die Menschen sieht. Wer erinnert sich nicht an den leidenden Kampf seines Vorgängers Benedikts XV. gegen die zerstörenden Mächte, die sich im Ersten Weltkrieg, dem letzten Krieg der alten und dem ersten Krieg unserer modernen Zeit, entfesselten? Heute wie vor fast 90 Jahren ist der Frieden höchstes Gebot.

Der heilige Benedikt von Nursia ist aber auch der Heilige Patron Europas, des Abendlandes, der Wiege der katholischen Kirche. So gebietet der heilige Benedikt, im betenden Arbeiten die Welt Gott zu nähern. Papst Benedikt XVI., oder wie er sich selbst auf dem Balkon des Petersdoms bezeichnet hat, „der demütige Arbeiter im Weinberg des Herrn“, zeichnet sich durch jene betende Tiefe aus, die aus der abgründigen Nähe zu diesem Gott heraus in Einheit von Vernunft und Glauben auf alle Menschen zugeht und in den leidenschaftlichen Strom des Gottesgeschehens hineinzieht. Im Blick des neuen Heiligen Vaters lebt der Geschmack Gottes und die unerschütterliche Wirklichkeit der Gabe, der „gratia“ des Glaubens. In Kontinuität mit seinem Vorgänger und geliebten und geachteten Freund Johannes Paul II. ist er wahrer „servus servorum Dei“. Wie Joseph Ratzinger noch am Montag sagte: „Wir sind Priester, um den anderen zu dienen“, „pro hominibus constituti“, für die Menschen bestellt.

Es ist gerade das dem heiligen Benedikt anvertraute Abendland, das sich immer mehr mit seiner Identität auseinanderzusetzen hat. So stellte Joseph Ratzinger im November 2004 fest: „Wir sind von einer christlichen Kultur zu einem aggressiven und teilweise sogar intoleranten Säkularismus übergegangen. Nichtsdestoweniger jedoch, obwohl die Kirchen sich leeren und viele nicht mehr glauben können, ist der Glaube nicht tot. Ich bin sicher, dass auch im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft mit ihren großen Auseinandersetzungen der christliche Glaube ein wichtiger Faktor bleibt, der in der Lage ist, dem Kontinent eine moralische und kulturelle Kraft zu verleihen.“ Das Abendland hat einen gewissen „fast pathologischen Hass gegen sich selbst zu überwinden“, um wieder in der Lage zu sein, das wirklich Große, Wichtige und Reine zu erkenne, ohne sich in den Verzweigungen der Nichtigkeiten, der Verlassenheit und der Selbstvergessenheit zu verlieren.

Dem Heiligen Vater ist die Sorge um Europa und das Abendland wichtig, aber nicht einfach gegen andere weltkirchliche Situationen und Problematiken, sondern gerade im Bewusstsein, dass diese Situationen für das Selbstbewusstsein des Abendlandes eine große Herausforderung darstellen. Aus dieser Herausforderung heraus erwächst eine Pflicht der Reflexion, um den Sinn der wahren Katholizität des Glaubens und der Kirche neue erstehen lassen zu können. Benedikt XVI. sieht sich in das Erbe Johannes Pauls II. gestellt, insofern „katholisch“ heute kein Gegensatzbegriff zu anderem mehr ist, sondern sich in der Tat als „universal“ und allumfassend darstellt. Das Katholische betrifft das allgemein Menschliche, im Ausgang von der glaubensmäßigen Integrierung in die Gestalt der Kirche, die sich von ihrer göttlichen Herkunft her bestimmt und so wahres und gutes Leben verwirklichen soll und will. Dies ist ein Auftrag, gerade in einer „verweltlichten“ Welt, die aus ihrer Lethargie, ihrem Vermeinen und ihrer Relativität herauszuzerren ist.

So sagt Joseph Ratzinger einst: „Ich unterscheide zwischen Säkularismus und säkularem Sein. Wenn dem so ist, so ist es für mich sehr wichtig, einen individualistisch missverstandenen Begriff der Freiheit zu überwinden. Es gibt da einen Freiheitsbegriff, für den als Träger der Freiheit nur das Subjekt, das Individuum existiert. Es ist dies der alte Traum, wie Gott zu sein. Dies ist jedoch von einem anthropologischen Gesichtspunkt her falsch, da der Mensch ein endliches Wesen ist, geschaffen, um mit anderen zusammenzuleben. Seine Freiheit ist somit notwendig eine mit anderen geteilte Freiheit, die die Freiheit für alle garantiert und also auf die Verabsolutierung des Ich verzichtet. Wieder lernen, dass Freiheit anthropologisch und soziologisch nur als mit anderen geteilte Freiheit definiert ist, schließt das allgemeine Recht, die Autorität ein. Es gibt den großen Irrtum, Freiheit in Kontrast zur Autorität zu sehen.“

Es ist lange her, dass ein Deutscher zum Mittelpunkt der großen Hoffnungen der ganzen Welt geworden ist. Und vielleicht ist es deshalb auch an der Zeit, dass sich gerade die Deutschen wieder an die Notwendigkeit der Tiefe und der unverfälschten Eigentlichkeit erinnern. Es ist ein Zeichen der Wirksamkeit des Heiligen Geistes, dass aus dem Land der weltlichen und kirchlichen Trennungen und Spaltungen, aus dem Kernland der Modernität mit ihren nur all zu oft katastrophalen Folgen, aus dem Land der Indifferenz, der theologischen und praktischen Verwässerung des Glaubens sowie der Lehre der Kirche die große Gestalt Papst Benedikts XVI. hervorgehen durfte. Am Montag, den 18. April 2005, bat Joseph Ratzinger mit Eindringlichkeit den Herrn darum, „dass er uns nach dem großen Geschenk Papst Johannes Pauls II. wieder einen Hirten nach seinem Herzen schenke, einen Hirten, der uns zur Erkenntnis Christi, zu seiner Liebe, zur wahren Freude führt“. Dieser betende und sorgende Hirt ist nun da.

Benedikt XVI. wird die Kirche und die Welt vor große Herausforderungen stellen und es nicht zulassen, sich mit leicht begehbaren Hintertreppen zu begnügen. Er wird der Christenheit intellektuelle Redlichkeit und Aufrichtigkeit in Ehrlichkeit und Kohärenz abfordern. Diese sind eingebettet im wahren Leben der göttlichen Liebe, die den ganzen Menschen in all seinem Sein betrifft und provoziert. Ein Leben, das nicht verzweifelt, das die Zukunft nicht als Becken der Möglichkeiten erleidet, sondern sie vor dem göttlichen Willen gestalten will.

Die Predigt zur Eröffnung des Konklaves hat in dieser Hinsicht programmatischen Wert, nein, mehr noch: sie ist Kern eines theologischen, philosophischen und spirituellen Programms.

Die „päpstliche Revolution“ ist im Rollen.

kathTube: Die ersten Worte als Video





Foto: (c) SIR, 19. April 2005






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