14 April 2012, 11:00
Claus Hipp: Ich habe zu den Äußerungen des Papstes vollstes Vertrauen
 
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Benedikt schreibt „so, dass ich es verinnerlichen kann. So hilft der Heilige Vater meinem Glauben und steht ihm nicht im Wege“. Leseprobe 2 aus dem neuen Buch, das Georg Gänswein über „Benedikt XVI. – Prominente über den Papst“ herausgegeben hat.

Rom – Illertissen (kath.net) Auszug aus dem Beitrag von Claus Hipp:

Wenn ich, der ich viel unterwegs bin, in eine ferne oder ausländische katholische Kirche gehe, fühle ich mich gleich wie zu Hause. Meist vermittelt die Architektur der Gotteshäuser ein ähnlich ehrfürchtiges Gefühl wie in meinen heimatlichen Kirchen. Die Handlungen (wie Kreuzzeichen und Kniebeugen) und Abläufe (Liturgie) sind die gleichen. Sofort kann ich die Melodien der Lieder und den Rhythmus der Gebete erkennen. Besonders bewusst wird mir die große Gemeinschaft, die wir in der Kirche sind, wenn die heilige Messe auf Latein gelesen wird. Dann höre ich Vertrautes, das ich auch noch verstehe. Dieses Gefühl, dazuzugehören, zu Hause und geborgen zu sein, gibt vor allem in der Fremde unglaublich viel Kraft.

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Papst Benedikt XVI. eint die Gläubigen auch in der Art und Weise, wie er Glauben vermittelt. Als mir vor langer Zeit die Relativitätstheorie Einsteins erklärt wurde, konnte ich der Erklärung einigermaßen folgen. Wenn ich sie jetzt jemandem erklären sollte, dann gelänge mir das sicher nicht. Der einzelne Mensch kann nicht über die gesamte Erkenntnis der Menschheit verfügen. Das bedeutet, man muss sich oft auch auf das Wissen anderer verlassen. Wenn ich beispielsweise einen Wissenschaftler, der sich auf seine wissenschaftliche Arbeit versteht, menschlich als vertrauenswürdig einschätze, so vertraue ich ihm, auch wenn ich sein Spezialwissen fachlich nicht beurteilen kann. Wir alle kennen das von den Naturwissenschaften und der Medizin: Man steigt in ein Flugzeug im Vertrauen darauf, dass der Ingenieur es so konstruiert hat, dass es uns wieder heil auf den Boden zurückbringt. Wir nehmen ein Medikament im Vertrauen darauf, zu gesunden, auch wenn wir als Laien nicht genau sagen können, welche biologischen oder biochemischen Reaktionen nach der Einnahme in unserem Körper ablaufen.

Für mich gilt dieses Vertrauen in die Erkenntnis anderer auch in der Theologie. Papst Benedikt XVI. ist ein anerkannter Wissenschaftler der Theologie. So habe ich zu seinen Äußerungen, seinen Meinungen und Erkenntnissen vollstes Vertrauen. Was ihn ganz besonders auszeichnet, ist die Art, wie er sich äußert. Er schreibt und spricht so, dass ich es verinnerlichen kann. So hilft der Heilige Vater meinem Glauben und steht ihm nicht im Wege. Glauben heißt ja, etwas für wahr halten, das ich nicht unbedingt beweisen kann. Sonst wäre es ja Wissen. Glauben heißt aber auch Vertrauen, Vertrauen auf das Wort und die Aussage eines anderen. Glauben ist im Grunde etwas sehr Gerechtes, denn der Hochgebildete hat keine Vorteile dem weniger Gebildeten gegenüber. Es ist aber schon bezeichnend, dass die Spitzenkräfte der Wissenschaft oft sehr gläubig sind, zumal wenn sie an die Grenzen der Erkenntnis vorgedrungen sind. Solche, die nur über ein Teilwissen verfügen, fühlen sich dagegen oft zur Glaubenskritik berufen. Wir sollen ja wie die Kinder werden, um zu glauben.

Das ist das, was mich bei den Äußerungen Papst Benedikts XVI. immer wieder von Neuem begeistert: dass er bescheiden und mit einfachen Worten uns den Glauben näherbringt – ohne Argumente oder theoretische Abhandlungen, die in einer wahrscheinlich abgehobenen Sprache sowieso nur Wissenschaftlern verständlich wären. Er tritt bescheiden auf, ohne mit seinem Wissen beeindrucken zu wollen. Er tritt aber fest auf, sodass er mit seiner Erkenntnis überzeugt. Aus der eigenen Sicherheit kommt die Stärke, sein Wissen bei anderen auf fruchtbaren Boden fallen lassen zu können.

Es ist beeindruckend, wie Papst Benedikt XVI. gleichzeitig Wissenschaftler und Hirte sein kann, ohne das Verständnis für die einfachen Dinge des Lebens zu verlieren. Da der Heilige Vater früher einmal Münchner Erzbischof war, hatten viele aus meiner Umgebung und ich die Gelegenheit, ihn persönlich kennenzulernen. Damals habe ich die Erfahrung gemacht, dass der heutige Papst Benedikt XVI. sich nicht nur um die großen Aufgaben sorgt. Genauso liegen ihm die kleinen Probleme der Kirchengemeinde am Herzen. In seiner Münchner Zeit sagte er mir bei einem Treffen, ich solle mich weiter um die Wallfahrtskirche in Herrnrast bei Ilmmünster kümmern, um deren Renovation ich mich in den Siebzigerjahren angenommen hatte. Dies hat mich darin bestärkt und ich komme gern diesem Wunsche nach.

Auch meine längst verstorbene Tante Dora kannte Joseph Ratzinger persönlich. Er war der vierte Kardinal, für den sie tätig war. Als unser damaliger Erzbischof, Kardinal Ratzinger, nach Rom berufen wurde, um die Glaubenskongregation zu leiten, sagte die Tante: „Ihr werdet sehen, der wird noch mehr.“ Wir meinten: „Der ist doch schon so viel geworden.“ Aber die Tante sagte: „Wartet nur ab!“ Es hat dann zwar noch einige Jahre gedauert, bis sich die Vorhersage meiner Tante erfüllt hat. Aber sie hat recht behalten. Wie meistens.

kath.net-Lesetipp:
Benedikt XVI. – Prominente über den Papst.
Georg Gänswein (Herausgeber)
Media Maria, gebunden, 192 Seiten
ISBN: 978-3981444469
Preis: 20,95 Euro

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Pressekonferenz mit Prälat Georg Gänswein in München vom 15. März 2012










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