23 Oktober 2002, 10:20
Neues Dogma: Maria Miterlöserin?
 
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In einem Interview meint der Theologe Stefano de Fiores von der Internationalen Päpstlichen Marianischen Akademie: Derzeit nicht ratsam

Rom (kath.net/Zenit.org)
Nachdem von einigen Seiten die Erklärung des Dogmas Maria als Miterlöserin und Gnadenmittlerin gefordert wurde, hat nun Zenit den renommierten Mariologen Stefano de Fiores von der Gesellschaft Mariä interviewt.

Pater de Fiores ist Mitglied der Internationalen Päpstlichen Marianischen Akademie, die dem Papst in allen theologischen Fragen hinsichtlich Marias beratend zur Seite steht. Die Muttergottes als Miterlöserin hieße nicht, Maria auf die selbe Erlöserebene zu heben wie Christus, sondern ihr Mitwirken am Heil hervorzuheben.

FRAGE:- Man hat vorgeschlagen, Maria als Miterlöserin anzurufen, müsste dies eigens zum Dogma erklärt werden?

DE FIORES: Hinsichtlich des Konzils und der Ökumene wäre es sicher nicht ratsam, derzeit ein neues Dogma zu definieren. Die getrennten orthodoxen und protestantischen Brüder werfen uns ja gerade den Alleingang der letzten beiden Mariendogmen vor. Daher sollten sie bei einem künftigen Dogma unbedingt beteiligt sein. Zuerst müssen wir uns der Einheit oder zumindest einer gewissen Konvergenz untereinander nähern, dann können wir untersuchen, ob es angebracht ist, das Dogma von Maria als Miterlöserin zu verkünden.

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Diesen Titel Miterlöserin benutzt die Kirche seit Pius XII. nicht mehr. Man benutzt ihn deshalb nicht mehr, um keine Missverständnisse mit den Protestanten zu schaffen. Diese Miterlösung ist nichts neues, schon der Kirchenvater Irenäus spricht von Maria als "causa salutis" durch ihr "fiat".

FRAGE:- Wäre es nicht häretisch, die Jungfrau Maria fast auf die selbe Heilsebene mit Christus zu stellen?

DE FIORES: Es muss deutlich gesagt werden, dass es nicht darum geht, sie auf die selbe Stufe mit Jesus zu stellen. Der zentrale Charakter des Heilswerkes des Erlösers ist etwas selbstverständliches, und man betrachtet die Gottesmutter als eine Mitwirkerin an dieser Erlösung. Es geht nicht um eine Gleichstellung beim Erlöserwerk Jesu Christi, sondern um eine Teilnahme, eine Abhängigkeit bei der Erlösung, und das muss ganz klar sein.

FRAGE:- Der Katholizismus stellt heute die Erlöserrolle Mariens heraus. Warum?

DE FIORES: Es werden jährlich über 1000 theologische Artikel über Maria veröffentlicht, und die Mariologen bemühen sich, Maria nicht isoliert darzustellen. Daher geht man interdisziplinär vor. Es werden Artikel und Bücher veröffentlicht, welche die Mariologie mit anderen Bereichen der Theologie verbinden, auch mit der Soteriologie (Heilslehre).

Die Rolle Mariens bei der Erlösung wurde auch schon auf dem Zweiten Vatikanum erörtert. Man sprach von Maria innerhalb des Mysteriums Christi und der Kirche. Sie ist kein Kapitel für sich.

Auch die Kirchenväter haben den Heilsaspekt Mariens hervorgehoben. Heute sieht man das Christentum nicht so sehr auf das Heil zentriert, sondern viel mehr das Christentum in die Geschichte hineingestellt.

In diesem Sinne ist Maria die freie verantwortungsbewusste Frau, die den Hymnus der Freiheit anstimmt, das Magnifikat. Sie proklamiert die Freiheit, welche Christus in Zeit und Geschichte bringt. Maria wird so zum Vorbild und Paradigma des durch Christus erlösten Menschen.

In einer Welt wie der unsrigen, aufgeteilt in Blöcke, ist Maria diejenige, welche den anderen annimmt und seine Identität bewahrt. Es wird nicht so sehr betont, dass sie es ist, die Erlösung erlangt, sondern die daran mitwirkt.

FRAGE:- Welche Folgen hätte das in der Ökumene?

DE FIORES: Die Protestanten, und ich denke zum Beispiel an den Nachfolger von Karl Barth, Henrick Ott in Basel, würden sich unbehaglich fühlen mit der von Leo XIII. formulierten Darstellung Mariens als Miterlöserin. Natürlich begreifen sie schon, dass der Weg zu Jesus führt, aber eben über Maria. Mitunter meinen sie, wir stellten Maria dar, als stünde sie außerhalb der Vermittlung Christi. Die Lösung des Zweiten Vatikanums war: Die Vermittlung Mariens ist in Christus gegeben und nicht neben ihm. Sie rettet nicht nur, sondern ermöglicht auch die Rettung, und so ist es auch für alle annehmbar.

FRAGE:- Der Papst hat in seinem neuen Schreiben über den Rosenkranz eine marianische Geistesrevolution vorgeschlagen. Was will er erreichen?

DE FIORES: Das ist keine Revolution, sondern eine Entdeckung und Verbesserung in der Form. Der Rosenkranz ist praktisch seit 1569 gleichgeblieben, neben kleineren Veränderungen.

Der Papst schlägt einige Neuigkeiten durch diese fünf neuen Geheimnisse vor, wodurch der Rosenkranz mehr auf Christus konzentriert und noch meditativer, ja nicht mehr so mechanisch und eher reflexiv wird.

Die neuen Geheimnisse reagieren auf eine Erfordernis, welche besonders die Forscher in Italien und Frankreich bei verschiedenen Gelegenheiten aufgezeigt haben. zwischen dem letzten Geheimnis des freudenreichen und dem ersten des schmerzhaften Rosenkranzes gab es einen zu großen Sprung. Wichtige Episoden des öffentlichen Wirkens Jesu wurden übergangen. Es ist ja doch auch evident, dass der Rosenkranz eine Synthese ist und eben nicht alles enthalten kann.

FRAGE:- Wird der Rosenkranz auf diese Weise nicht so sehr mariologisch als viel mehr christologisch gedeutet?

DE FIORES: Johannes Paul II: betont die Zentralität Christi: das Avemaria ist zwar ein marianisches, aber auch ein christologisches Gebet. Im Mittelpunkt steht Jesus und sein Name. Daher wird die Klausel des Namens Jesu (Stoßgebet) eingefügt, welche dem Rosenkranz erst einen christologischen und daher auch ökumenischeren Charakter verleiht. Bereits 1300 hat eine Zisterzienserinnenabtei in Treveri (Italien) über 50 Klauseln an den Namen Jesus angehängt.

Das Beharren des Papstes ist auch bezeichnend gerade in Zeiten des Schweigens. Der Rosenkranz darf nicht mechanisch gebetet werden. Nachdem er auf das Schweigen, die biblische Verkündigung des Geheimnisses und anderen Neuigkeiten bestand, hat der Papst auch ein Schlussstoßgebet angefügt, nämlich die Bitte, dass die Gnade des Geheimnisses, dessen der den Rosenkranz betet, ihm auch gewährt wird. Das ist der Schritt vom Gebet zum Leben.

Der Rosenkranz ist das einzige Gebet, der das liturgisch begangene Geheimnis in persönliche Leben hineinträgt und ist daher sehr wichtig für den Frieden. Er spielte eine wichtige Rolle im Leben der Kirche seit der Schlacht von Lepanto (7. Oktober 1571), welche zur Niederlage der Türken führte. Damals entstand die Anrufung der Muttergottes vom Rosenkranz.

Doch ist Vorsicht geboten: der Rosenkranz darf nicht als Waffe betrachtet werden, das ist er nämlich nicht. Er ist ein friedliches Mittel zur Erlangung des Friedens. Angesichts der Gewalt und Insuffizienz der öffentlichen Mittel kann nur Gott Frieden schenken. Nur er kann den Herzen der Menschen die Gelassenheit eingeben, nicht auf dem Wege der Gewalt fortzuschreiten.

Diskussion über Maria-Miterlöserin hier
Diskussion über das Neue Rosenkranz-Dokument im Forum

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