26 März 2012, 11:02
Die neue Tochter Zion
 
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Zum Hochfest der Verkündigung des Herrn. Von Salvatore Perrella

Rom (kath.net/L´Osservatore Romano) In diesem Jahr feiert die Kirche mitten in der Fastenzeit das Hochfest der Verkündigung des Herrn. In der alten Kirche wurde seit dem 5. Jahrhundert das Ereignis der Menschwerdung des Gottessohnes in der Jungfrau Maria in der Weihnachtszeit gefeiert. Erst später wurde aus Gründen der chronologischen und theologischen Exaktheit das Datum auf den 25. März verlegt, neun Monate vor der Geburt des Erlösers in Bethlehem. Mit dem Hochfest der Verkündigung feiern wir den Beginn unserer Erlösung, im Mittelpunkt der Betrachtung stehen sowohl das Fiat des Logos wie auch das Fiat Marias, die beide möglich wurden durch den unergründlichen Willen Gottes, mit dem Ziel, die Menschheit zum Bund mit Gott zurückzuführen.

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In Maria hat der Heilige Geist die »neue Schöpfung« hervorgebracht, die dem Plan Gottes vollkommen entspricht. Die Gläubigen betrachten in der »Tota Pulchra« die höchste einem Geschöpf verliehene Würde und bringen in der Marienverehrung Lob und Dank der Kirche dar für diese außerordentlichen Gaben. Die Gottesmutter hat als neue »Tochter Zion« im bräutlichen Bund mit Gott dem Herrn ein bräutliches Herz geschenkt. Daher sagte Papst Johannes Paul II. 1996 in einer Katechese: »Maria ist als neue ›Tochter Zion‹ in der Tat besonders geeignet, den bräutlichen Bund mit Gott zu schließen. … Durch Maria ist die ›Tochter Zion‹ kein gemeinschaftliches Subjekt mehr, sondern eine Person, die die Menschheit vertritt und im Augenblick der Verkündigung auf das Angebot der göttlichen Liebe mit der eigenen bräutlichen Liebe antwortet.«

Auf den Spuren der Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils über Maria hat der Papst vor allem in der Enzyklika Redemptoris Mater die theologische Gestalt der Gottesmutter vertieft: zum Beispiel als erste Jüngerin ihres Sohnes, als dem Gottesknecht Jesus sehr ähnliche Dienerin, als an den Sohn Glaubende, die dem Gottesvolk auf dem Weg des Glaubens vorangeht. Die Beispielhaftigkeit der Jungfrau Maria wurzelt in der engen Verbindung zwischen Christus und seiner Mutter, die gestärkt wird »durch die einzigartige Übereinstimmung beider mit dem göttlichen Willen«, um es mit Johannes Paul II. zu sagen.

Das Fiat Mariens steht in vollkommener Übereinstimmung und Abhängigkeit vom Fiat des fleischgewordenen Wortes; indem Maria bewußt und frei ihre Zustimmung zum Willen Gottes zum Ausdruck bringt, macht sie sich die Haltung des menschgewordenen Gottessohnes zu eigen. Die Schönheit und Konkretheit Marias als freie und mutige Frau werden vor allem augenfällig in den zentralen Momenten. Bei der Verkündigung: »Als Maria ihr ganzes ›Ja‹ zum göttlichen Plan spricht, ist sie völlig frei vor Gott. Zugleich fühlt sie sich persönlich verantwortlich gegenüber der Menschheit, deren Zukunft von ihrer Antwort abhängt« (Johannes Paul II., 18. September 1996). Bei der Hochzeit von Kana, wo Jesus das erste messsianische Zeichen wirkt, übt die Mutter »einen unaufdringlichen, mütterlichen Einfluß aus« und ist »ihr Dabeisein letzen Endes entscheidend. Die Initiative der Jungfrau erscheint um so überraschender, wenn man die untergeordnete Stellung der Frau in der jüdischen Gesellschaft bedenkt. In Kana anerkennt Jesus in der Tat nicht nur die Würde und die Rolle des Genius der Frau, sondern gibt seiner Mutter durch die Aufnahme ihrer Anregung die Möglichkeit, an der messianischen Sendung mitzuwirken« (Johannes Paul II., 5. März 1997). Und schließlich unter dem Kreuz, wo Maria und die Frauen »standen«: »Mit dem Verb ›stehen‹, das eigentlich die aufrechte, gerade Haltung bezeichnet, will der Evangelist vielleicht die Würde und Stärke zum Ausdruck bringen, die im Schmerz Marias und der anderen Frauen zutage tritt. … Im Drama von Golgota wird Maria vom Glauben getragen, der an den Ereignissen ihrs Lebens, und vor allem des öffentlichen Lebens Jesu, stark geworden ist. … In diesem äußersten ›Ja‹ Marias leuchtet die zuversichtliche Hoffnung in die geheimnisvolle Zukunft auf… Die Hoffnung Marias unter dem Kreuz enthält ein Licht, das stärker ist als die in vielen Herzen herrschende Dunkelheit: Gegenüber dem Erlösungsopfer entsteht in Maria die Hoffnung der Kirche und der Menschheit« (Johannes Paul II., 11. April 1997).

In Maria, dem neuen Geschöpf durch die unwiderrufliche Liebe Gottes, ist die Verantwortlichkeit der ganzen Menschheit zusammengefaßt. Daß sie als Mutter, Dienerin und Jüngerin an der Seite ihres Sohnes »steht«, macht sie zum Vorbild der Verantwortlichkeit. Die Jahre im Anschluß an das Zweite Vatikanische Konzil haben in der Tat gezeigt, daß das Wort Gottes der natürliche Ort ist, um die Gegenwart und Bedeutung der Mutter Jesu für die Kirche in authentischer, kohärenter und immer aktueller Weise zu deuten. Die Muttergottes als »Frau des Ja« erinnert die Gläubigen und die Kirche daran, sich wie sie vom Wort Gottes durchdringen zu lassen und so aus Gnade das Licht widerzuspiegeln, das allein das Herz und das Leben erleuchtet. So sagte Benedikt XVI. in der Generalaudienz vom 14. März: »Maria lehrt uns die Notwendigkeit des Gebets und zeigt uns, daß wir nur durch eine ständige, innige, liebevolle Verbindung mit ihrem Sohn aus ›unserem Haus‹, aus uns selbst, mutig herauskommen können, um die Grenzen der Welt zu erreichen und überall Jesus, den Herrn, zu verkündigen, den Retter der Welt.« Er allein kann uns durch den Heiligen Geist fähig machen, wie Maria, seine Mutter, als Geschöpfe »Ja« zu sagen zum Plan Gottes.

kathTube-Foto: Mariä Verkündigung (Simone Martini, 14. Jahrhundert)








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