26 Februar 2012, 09:00
Fasten wie es Gott gefällt?
 
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Teil I: Wir sind in der Kreuzesnachfolge aufgerufen, das Joch der Sünde von uns nehmen zu lassen, doch das Kreuz selbst sollen wir nicht von uns werfen. Ein kath.net-Impuls zur Fastenzeit von Michaela Voss.

Linz (kath.net)
Was hat der liebe Gott davon, was hat die Welt und was habe ich davon, wenn ich faste? Was verändert sich durch Fasten und was sagt Gottes Wort dazu?

Im Buch Jesaja finden wir die beste Zusammenfassung für heiliges Fasten und auch den Ausblick auf die Wirkungen des Fastens. Der Prophet bekommt den Auftrag: "Rufe aus voller Kehle, halte dich nicht zurück! Lass deine Stimme ertönen wie eine Posaune! Halt meinem Volk seine Vergehen vor und dem Haus Jakob seine Sünden!" (Jes 58,1)

Gottes Klage und Aufruf sind erschütternd und wollen den Menschen wachrütteln, aufwecken. Was Jesaja in Gottes Namen damals laut hinaus rufen musste, ist aktuell bis in unsere Tage:
Nicht Niedergeschlagenheit, Plagerei und auch nicht äußere Zeichen oder Wirkungen sind das Wichtigste. Statt Geschäftemacherei und noch mehr Leistungsdruck, statt Zank, Streit und Gewalt zeigt Gott das wahre Fasten auf:

1. Die Fesseln des Unrechts lösen und die Stricke des Jochs zu entfernen

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2. Die Versklavten freilassen
3. Jedes Joch zerbrechen
4. Den Hungrigen "mein" Brot austeilen
5. Obdachlose ins Haus aufnehmen
6. Nackte, die man sieht, bekleiden
7. Sich den Verwandten nicht entziehen. (Jes 58,6-7)

Die Folgen eines solchen wahren Fastens sind wie eine Vision des Himmels und des Gottesreiches: "Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich." (Jes 58,8)

Was aber bedeutet das alles?

Heute ein kleiner Denkanstoß zum ersten Punkt (für die eigene Gewissenserforschung und ein persönliches erneuertes Fasten nach Gottes Wort).


1a) DIE FESSELN DES UNRECHTS LÖSEN

Fesseln sind Zeichen für Freiheitsberaubung.

Freiheit besteht nicht darin, alles wählen zu können - die wahre Freiheit besteht darin, das Gute wollen und wählen zu können. Erst wenn nicht die Willkür, die Umstände, die gebrochene Triebnatur, ... uns bestimmen, sondern wenn wir wahrhaft wählen können, was gut ist, dann sind wir frei und nicht mehr fremdbestimmt. Demgegenüber steht die "Fessel des Unrechts“: die Sünde.

- Alle Bindungen an sündhafte Gewohnheiten sind hier gemeint, die wir mit "menschlicher Schwäche" abtun wollen und darum auch nicht lösen und ändern.

- Alle ungeordneten menschlichen Bindungen sind gemeint, in denen wir Menschen vergötzen, uns in falscher Weise abhängig machen und Menschen auf den Thron heben, der Gott allein gehört ...


- Hier sind die Fesseln der Sünden gemeint, die schon "Wohnrecht" bei uns haben und sich als "menschliche Schwäche" tarnen, damit sie nicht so auffallen.

- Oder sind wir gefesselt an das Echo unserer Umwelt, an unseren Luxus, unsere Ansprüche, unsere Sucht nach Wohlfühlen, Anerkanntsein, ...?

- Sind wir gefesselt in Beziehungen, die gottwidrig und gegen die Gebote sind,

- Oder gefesselt an Unrecht, das an uns begangen wurde und das wir nicht vergeben - und uns auf diese Weise daran gekettet haben?

- Sind wir gefesselt an Unrecht, das wir an anderen begangen haben und für das wir nie um Vergebung gebeten haben,

- gefesselt an Zorn, an Rechthaberei, an Lügen und Ausreden, an Festlegungen und Schwüre, ...

- gefesselt an eine negative Einstellung, die uns immer die Gnaden-Sicht rauben, an Kritiksucht, an Gefallsucht, an Eitelkeiten oder Weltschmerz und Trübsinn, ...

Diese Fesseln des Unrechts können wir nicht selbst lösen! Jesus Christus ließ sich für uns binden, "festnageln" damit wir gelöst - erlöst sind und frei!

ER-löst! Gott löst uns im Sakrament der Versöhnung. Er zerbricht diese Ketten und löst unsere Fesseln des Unrechts, denn Unrecht ist Sünde und Sünde ist allein im Blut des Lammes Gottes erlöst.

1b) DIE STRICKE DES JOCHS ENTFERNEN

Das Joch wird z.B. bei den Ochsen mit Stricken befestigt und so können sie es nicht abschütteln.
Die Sünde bindet und fesselt nicht nur, sie legt uns in die „Schlingen ihrer Folgen“ und wir schleppen oft jahrelang das „Joch unserer Vergangenheit“, das „Joch alter Lasten“ mit uns herum.

Wenn dann aber erst einmal die Stricke des Jochs entfernt sind, dann braucht es nur einen Schritt, eine Bewegung und das Joch fällt herunter.

Gewohnheiten und Sünden können vergeben sein, aber dann kommt der Schritt, der uns von ihnen befreit und uns in ein Leben einüben will, das ohne diese Last laufen lernt.

So wie uns in der Reue und im Bekenntnis der Sünde durch die Beichte Lossprechung und Befreiung geschenkt werden, so ist z.B. der gute Vorsatz dann der erste Schritt, um diese neue Freiheit einzuüben und zu lernen, dauerhaft in ihr zu leben.

Jesus hat das Joch des Kreuzes freiwillig auf sich genommen.

Wir sind in der Kreuzesnachfolge aufgerufen, die Fesseln der Sünde von uns nehmen zu lassen, aber das Kreuz sollen wir nicht von uns werfen. Es soll ohne Stricke, ohne Gewalt, ohne Zwang ... von uns umarmt und auf die Schultern genommen werden, denn wenn wir das Sündenjoch abgeworfen haben, dürfen wir das heilige Joch der Liebe Gottes auf uns nehmen, das nicht drückt (vgl. Mt 11,30) An Gott, sein Gebot, seine Liebe sind wir nicht „gefesselt“, sondern wir dürfen uns freiwillig binden lassen, weil wir diese heilige Last ohne „Stricke von Zwang“ umfangen und tragen wollen, um Jesus ähnlich zu werden und ihm zu folgen - aus LIEBE! (vgl. Mk 8,34)

Das ist der erste Schritt des heiligen Fastens, das uns und unsere Umwelt verändert, denn wo wir frei werden, ändert sich unser Leben radikal hin zur Freude.

Wenn die Stricke und das Joch der Sünde nicht mehr an unserer Seele „scheuern“ und uns stets neu verletzen, dann wird bereits wahr, was Jesaja in Gottes Namen dem Fasten verheißt. Dann wird
„unser Licht wie die Morgenröte hervorbrechen und unsere Wunden werden schnell vernarben.“ (Jes 58,8)

Die Heiligen zeigen uns hier, wie kostbar ein Leben ohne die Fesseln der Sünde ist.
Heilige sind übrigens nicht Menschen ohne Fehler!
Heilige sind Sünder, die wissen, dass sie Sünder sind – aber die vor allem wissen, wohin sie mit ihrer Sünde gehen dürfen – zum ERLÖSER - und dies auch in Anspruch nehmen.

Fasten wirkt also befreiend, erlösend, heilsam und entlastend – in einem vielfältigen Sinn.

Ein gesegnetes Fasten, wie es Gott gefällt, wünsche ich allen,
Michaela Voss

Zu den Blogs von Michaela Voss:
www.evangelium-vom-tag
und
www.jahr-des-glaubens

kathTube-Foto: Michaela Voss: Die aber, die dem Herrrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler





Michaela Voss: Halte dein Herz in den Gnadenstrom der vergebenden Liebe Gottes!




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