23 Februar 2012, 14:04
Papst an den römischen Klerus: Gebt nicht den Meinungen der Welt nach!
 
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Benedikt XVI.: in der Kirche bedarf es der Demut, auch kleine Rollen zu akzeptieren. Demut ist die erste Tugend, die die Freiheit in Wahrheit schenkt. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Wie jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit ist Papst Benedikt XVI. am heutigen Donnerstag Vormittag mit dem Klerus seiner Diözese zusammengetroffen. Auch dieses Jahr fand die Begegnung in der Audienzaula „Paolo VI“ auf Wunsch der Priester und Diakone im Rahmen einer „lectio divina“ in freier Rede statt. Die „lectio“ inspirierte sich an einem Abschnitt aus dem Brief des heiligen Paulus an die Epheser (Eph 4,1-16):

„Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, 6 ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

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Aber jeder von uns empfing die Gnade in dem Maß, wie Christus sie ihm geschenkt hat.
Deshalb heißt es: Er stieg hinauf zur Höhe und erbeutete Gefangene, er gab den Menschen Geschenke. Wenn er aber hinaufstieg, was bedeutet dies anderes, als dass er auch zur Erde herabstieg? Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen bis zum höchsten Himmel, um das All zu beherrschen. Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.

So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen. Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk. Jedes trägt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und wird in Liebe aufgebaut“.

Das große Leiden, das die Kirche in Europa und im Abendland auszustehen habe, bestehe im Mangel an Berufungen, so Benedikt XVI. Der Herr jedoch rufe immer. Daher sei es notwendig, auf diesen Ruf zu hören. Wesenszug des Priesters sei es, demütig, mild und großherzig zu sein, denn: „Wenn ich demütig bin, so habe ich auch die Freiheit, mich dem herrschenden Denken zu widersetzen“. Diese Demut befähige den Priester zur Wahrheit. Daher sei es notwendig, in der Kirche auch kleine Rollen zu akzeptieren, die jedoch groß in den Augen Gottes seien.

„Ich muss meine kleine Stellung in der Kirche annehmen“, so der Papst. Die eitle Prahlerei dessen, der dies nicht tue, richte sich schließlich gegen ihn selbst und mache nicht glücklich. Die Demut dagegen führe dazu, nicht in Erscheinung treten zu wollen, sondern das zu tun, „was Gott für mich gedacht hat und was für mich Teil des christlichen Realismus ist“. Fehlende Demut dagegen führe zur Zerstörung der Einheit in der Kirche. Sich selbst und den anderen zu akzeptieren seien zwei Dinge, die zusammengehörten. Darin bestehe die „große Harmonie der Kirche und der Schöpfung: dass jeder anders ist als der Andere.“

Der demütige Mensch besitze die Freiheit, im Namen der Wahrheit auch in Kontrast mit einem ihm Verwandten zu treten. Das Gegenteil der Demut – der Stolz – sei hingegen die Wurzel aller Sünden, die darin bestehe, im Mittelpunkt der Welt stehen zu wollen. Christsein bedeute, dieser Urversuchung zu widersagen, da Demut vor allem anderen ein Leben in Wahrheit bedeute, welche laute: „Nur in meiner Kleinheit kann ich groß sein“.

Ein weiteres großes Problem für die Kirche der heutigen Zeit bestehe im „religiösen Analphabetismus“. Es sei geboten, den Inhalt des Glaubens wieder aufzunehmen, so die Mahnung des Papstes, dies jedoch nicht im Sinn eines „Pakets von Dogmen“. Vielmehr müsse alles getan werden, dass sich die Priester erneuern und es ermöglichen, Christus kennenlernen zu lassen.

Viele würden sich als „mündige Katholiken“ bezeichnen, insofern sie sich vom Lehramt der Kirche emanzipiert hätten. Tatsächlich jedoch sei dies nicht Ergebnis eines „mündigen Glaubens“, sondern einer Abhängigkeit von der Welt. Wahre Emanzipation bedeute vielmehr, so Benedikt XVI. eindringlich, „sich von dieser Diktatur der Meinungen zu befreien und an den Sohn Gottes zu glauben“. Nur auf diese Weise „ist man fähig, auf die Herausforderungen unserer Zeit eine Antwort zu finden“.

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