07 Februar 2012, 08:47
Arabischer Frühling und christlicher Winter
 
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"Kirche in Not" begeht 9. Pater-Werenfried-Jahresgedenken – Matthias Matussek: Man brauche keinen neuen katholischen Sound, sondern die Kirche müsse sich wieder auf die Evangelien und deren Botschaft besinnen, da sie genug Sprengkraft besäßen.

Köln (kath.net/KIN) Eine Rückbesinnung auf die Botschaft des Evangeliums und Authentizität des christlichen Glaubens haben Journalisten säkularer und kirchlicher Medien auf einer Veranstaltung des weltweiten katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" in Köln gefordert. Im Rahmen des Jahresgedenkens an den 2003 verstorbenen Gründer des Hilfswerks, Pater Werenfried van Straaten, bedauerten die Teilnehmer eines Podiumsgesprächs mit dem Titel "Der Papst, die Neuevangelisierung und die Medien – sprechen wir dieselbe Sprache?", dass viele Menschen hierzulande nur noch wenig über Glaubensinhalte wüssten.

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Der Chefredakteur des deutschsprachigen Programms des christlichen Senders EWTN, Martin Rothweiler, sprach von einer "Analphabetisierung im Religiösen". Daher sei die authentische Weitergabe des Glaubens wichtig. Dieser Aussage stimmte der Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV, Michael Ragg, zu. Nach seiner Erfahrung wollten die Menschen kein "Herumgeeiere", sondern vielmehr ein Bekenntnis und authentisches Vorleben christlicher Werte.

Der SPIEGEL-Redakteur und Autor Matthias Matussek sagte, dass man "in ein Schwarzes Loch" spreche, weil Gott in der Gesellschaft keine Rolle mehr spiele. Man brauche aber keinen neuen katholischen Sound, sondern die Kirche müsse sich wieder auf die Evangelien und deren Botschaft besinnen, da sie genug Sprengkraft besäßen. Auch der Programmdirektor des katholischen Senders "Radio Horeb", Pfarrer Dr. Richard Kocher, wünscht sich eine neue Leidenschaft für Gott. Er bedauere, dass die Kirche sich oft auf Randthemen, wie Kirchensteuern oder Sexualmoral einlasse.

Im Mittelpunkt eines weiteren Podiumsgesprächs des Pater-Werenfried-Jahresgedenkens im voll besetzten Saal des Maternushauses in Köln standen Ursachen und Folgen des Arabischen Frühlings. Hauptgründe der Umbrüche in den Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas seien vor allem der Wunsch nach mehr Freiheit und Würde sowie einem Wechsel der Regime gewesen, die zum Teil seit 40 Jahren regiert hätten, erklärte der Erzbischof von Algier, Ghaleb Bader.

Gleichzeitig fürchteten die Christen in der Region, dass sich ihre Lage verschlechtere und sie nicht mehr in Sicherheit leben könnten. Das Beispiel der irakischen Christen mache allen Christen im Nahen Osten Angst, so Bader. Zu Hunderttausenden sind Christen aus dem Irak geflohen, da es bereits zahlreiche Attentate auf Kirchen und Christen im Land gegeben hat. Mit Blick auf die Gewalt gegen Demonstranten in Syrien sagte der maronitische Bischof Samir Mazloum aus dem Libanon, dass Minderheiten, die keine sunnitische Muslime seien, sich davor fürchten, was nach einem möglichen Ende des Assad-Regimes käme: Es könnte eine Regierung sein, die die Menschenrechte akzeptiere, aber ebenso gut ein politisch noch strengeres und religiös fundamentalistisches Regime.

Es sei nicht nur ein Arabischer Frühling, sondern auch ein christlicher Winter, fasste die CDU-Bundestagsabgeordnete Ute Granold die Lage der Christen in der Region zusammen. Die Leiterin des Stephanuskreises - ein Zusammenschluss von Politikern der CSU/CSU-Bundestagsfraktion, der sich für den Schutz der Religionsfreiheit einsetzt - sagte, dass Ägypten nach der Wahl "zu kippen" drohe. Es erfülle sie mit Sorge, dass die Muslimbruderschaft als Wahlsieger hervorgegangen sei und die radikal islamischen Salafisten stark im neuen Parlament vertreten seien. Pater Dr. Andrzej Halemba, Länderreferent für den Nahen Osten bei "Kirche in Not", berichtete von zunehmender Gewalt gegenüber Christen, vor allem im Irak. Gleichzeitig ist er dennoch überzeugt, dass der Arabische Frühling auch Hoffnung für die Christen in der Region bedeuten könne, denn es gebe viele moderate Muslime sowie Treffen und Kooperationen von muslimischen und christlichen Geistlichen.

Das Pater-Werenfried-Jahresgedenken am vergangenen Samstag begann mit einem Gottesdienst mit Joachim Kardinal Meisner im Kölner Dom, zu dem sich trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt rund 1000 Gläubige versammelt hatten. In seiner Predigt würdigte der Kölner Erzbischof die Verdienste seines Weggefährten Pater Werenfried van Straaten. Der Gründer von "Kirche in Not" habe nicht nur Geld und Gaben gesammelt, sondern vor allem auch die Anliegen und Sorgen der Menschen. Damit habe das Hilfswerk seinen Status quo und die "innere Schwungkraft", das Gebet, gefunden, die es auch in die Zukunft tragen werde.

www.kirche-in-not.de


Kardinal Joachim Meisner Predigt Kirche in Not Köln 4. Februar 2012





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