21 Januar 2012, 08:54
Anonyme Geburt: 'Babyklappen' retten Leben
 
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Betreiber wehren sich gegen Kritik: Jedes Menschenleben zählt

Hannover/Braunschweig (kath.net/idea) Sogenannte „Babyklappen“, in denen verzweifelte Mütter ihr Neugeborenes anonym ablegen können, sind in die Kritik geraten. Die eigentliche Zielgruppe, etwa Prostituierte oder Drogenabhängige, werde nicht erreicht, bemängelt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (München), über die Medien berichten. Außerdem sei der Verbleib von jedem fünften der 973 Kinder, die bisher in Babyklappen abgelegt wurden, unklar. Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen (Köln), erneuerte die schon 2009 erhobene Forderung des Gremiums, Babyklappen zu schließen. Langjährige Betreiber solcher Einrichtungen weisen dieses Ansinnen entschieden zurück. Vor zehn Jahren wurde beispielsweise auf Initiative der damaligen hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann das „Netzwerk Mirjam“ ins Leben gerufen, das ein „Babykörbchen“ in Hannover unterhält. Zuletzt wurde dort am 23. Dezember ein wenige Tage altes Mädchen abgelegt. Insgesamt waren es neun Neugeborene. Vier Mütter haben ihre Kinder später wieder aufgenommen; fünf Kinder wachsen bei Adoptivfamilien auf. Im Jahr 2008 war ein Säugling tot vor dem Babykörbchen aufgefunden worden, weil der Mechanismus der Klappe nicht funktioniert hatte. Acht Wochen haben die Eltern Zeit, sich zu melden, bevor das Kind zur Adoption freigegeben wird. Heute nennt sich das Netzwerk für Schwangere „Notruf Mirjam“. Dazu gehören ein kostenloses und rund um die Uhr besetztes Notruftelefon (0800-6050040) sowie Beratungs-, Wohn- und Ausbildungsangebote. Das Angebot wird vom Landesverein für Innere Mission getragen.

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„Ein Babykörbchen ist besser als kein Babykörbchen“

Dessen Geschäftsführer, Pastor Heino Masemann (Hannover), weist die Kritik an Babyklappen zurück. Jedes Leben zähle; daher gebe es keinen Grund, diese Einrichtungen abzuschaffen, sagte er auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Masemann: „Ein Babykörbchen ist besser als kein Babykörbchen.“ Auch könne seine Einrichtung über den Verbleib jedes Kindes Auskunft erteilen. Auch werde die Zielgruppe erreicht. Masemann führt das Beispiel einer 20-jährigen bulgarischen Prostituierten an, die ihr viertes Kind erwarte; die übrigen drei seien in Bulgarien bei den Eltern der Mutter. Ihr jüngstes Kind werde in eine Adoptionsfamilie vermittelt.

Jede Mutter, die ihr Kind abgibt, will ihm eine Zukunft geben

Masemann warnt davor, Mütter, die ihr Kind abgeben, als verantwortungslos abzustempeln: „Jede Mutter, die ihr Kind anonym ablegt, sagt damit, dass sie dem Kind eine Zukunft geben will.“ Freilich könne ein Babykörbchen nur „Erste Hilfe“ leisten. Es sei ein Glied in einer Kette von Hilfsangeboten. Dazu gehörten beim Notruf Mirjam eine kostenlose und anonyme Telefonberatung, die auf ganz Niedersachsen ausgeweitet werden solle, sowie Unterkünfte, Babyausstattungen bis hin zu Bildungsangeboten und Adoptionsvermittlung.

„Letzter Ausweg“ ist besser als der Tod

Ähnlich äußert sich der Direktor des Evangelischen Marienstifts in Braunschweig, Burkhard Budde. Seit dort im Jahr 2001 ein Babykörbchen eingerichtet wurde, konnten vier Kinder gerettet werden. Für Budde gibt es keinen einsichtigen Grund, die Einrichtung zu schließen. Der „letzte Ausweg“ sei immer noch besser, als ein Kind auszusetzen oder zu töten, teilte er idea mit. Verzweifelte Frauen, die trotz Beratungs- und Hilfsangeboten keinen anderen Ausweg sähen, sollten weder strafrechtlich verfolgt, noch moralisch verurteilt werden. Budde nimmt auch zu der vom Ethikrat angeführten Problematik Stellung, dass anonyme Geburten das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft verletzen. Für Budde hat das Recht auf Leben Vorrang – „auch deshalb, weil nur der Lebende das Recht auf Kenntnis der Herkunft einfordern kann“.







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