17 Januar 2012, 12:26
Die ‚Suprema’ und ihr neuer Präfekt
 
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Die römische Gerüchteküche um die Nachfolge bei der Leitung eines der wichtigsten Dikasterien der Römischen Kurie. Kommt Bischof Gerhard Ludwig Müller nach Rom? Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) In der vatikanischen Gerüchteküche brodelt es. Gegenstand der Interesses: die Nachfolge des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, William Joseph Kardinal Levada. Levada hat am 15. Juni 2011 sein 75. Lebensjahr vollendet und damit entsprechend dem Kodex des Kanonischen Rechts dem Papst seinen Rücktritt angeboten, den dieser annehmen kann oder nicht. Wie schon seit einigen Monaten verlautet war, scheint der Kardinal den Papst gebeten zu haben, ihn seines Amtes zu entpflichten. Aus diesem Grund wurden immer wieder Namen für einen möglichen Nachfolger auf eine der höchsten Stellen der katholischen Kirche ins Spiel gebracht. Italienische Vatikanexperten konzentrierten sich dabei in den letzten Monaten vor allem auf den Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller.

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Neues Wasser auf die Mühlen des Präfekten-Totos goss am gestrigen 16. Januar der zumeist sehr gut informierte „Vaticanista“ der Turiner Tageszeitung „La Stampa“, Andrea Tornielli. Unter dem Titel „Sant’Uffizio: Drei Namen für einen Stuhl“ erinnerte Tornielli daran, dass in der kommenden Woche die Vollversammlung der Mitglieder der Kongregation für die Glaubenslehre zusammentreten wird. Viele hätten erwartet, dass in diesem Zusammenhang auch der Name des neuen Präfekten bekanntgegeben wird. Anscheinend jedoch sei es Absicht Benedikts XVI., der sich selbst um diese entscheidende Akte kümmere, alle bestehenden Hypothesen für einen Nachfolger Levadas aufmerksam abzuwägen.

Der Name des Regensburger Bischofs scheint nach wie vor in „pole position“ auf dem Schreibtisch des Papstes zu liegen, wie Tornielli zu verstehen gibt. Am vergangenen Mittwoch, 11. Januar, wurde der 64jährige Müller von Benedikt XVI. in Privataudienz empfangen. Thema der Gespräche soll die Zukunft Müllers in der Römischen Kurie gewesen sein. Sollte Müller nicht zum Präfekten der „Suprema“ ernannt werden, wäre der Posten des Archivars und Bibliothekars der Heiligen Römischen Kirche frei. Raffaele Kardinal Farina SDB, der das Amt seit 2007 inne hat, steht im 78. Lebensjahr. Das Amt des Archivars und Bibliothekars der Heiligen Römischen Kirche ist in der Regel mit dem Kardinalspurpur verbunden. Benedikt XVI. könnte somit Bischof Müller in einem kommenden Konsistorium zum Kardinal kreieren.

Neben Bischof Müller scheint auch der Erzbischof von Bordeaux, Jean-Pierre Ricard (67), in der näheren Wahl zu stehen. Wie Müller ist Ricard Mitglied der Kongregation. Beide wären somit mit dem Innenleben des Dikasteriums vertraut.

Eine weitere Möglichkeit besteht für Tornielli darin, die „Tradition“ eines englischsprachigen Präfekten fortzusetzen. Für diese Lösung spreche die seit der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ (2009) der Kongregation für Glaubenslehre zukommende Kompetenz für die errichteten und zu errichtenden Personalordinariate für Gemeinden von anglikanischen Christen, die nach der vollen Einheit mit Rom streben.

In diesem Zusammenhang wird der Name des amerikanischen Erzbischofs und jetzigen Sekretärs der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung Joseph Augustine Di Noia OP (68) genannt. Di Noia arbeitete von 2002 bis 2009 als Untersekretär der Kongregation für die Glaubenslehre und war somit für drei Jahre die „Nummer 3“ des von Kardinal Ratzinger geleiteten Dikasteriums. Doch auch weitere Namen aus dem englischsprachigen Raum sollen in nähere Erwägung gezogen werden.

Völlig unbegründet ist für Tornielli das in den letzen Wochen in den „Heiligen Palästen“ umgehende Gerücht, dass der heutige Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse sowie ehemalige Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, Angelo Kardinal Amato (74), wieder in das Sant’Uffizio umziehen soll.

Welche Suppe in der Gerüchteküche auch gekocht wird: die Nachfolge im Amt des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre ist nicht zuletzt auch im Hinblick auf das kommende „Jahr des Glaubens“ und den damit verbundenen Jubiläen (20 Jahre „Katechismus der Katholischen Kirche“, 50-Jahrfeier des Beginns des II. Vatikanischen Konzils) entscheidend.


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