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Ein ‚merkwürdiges’ Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre

10. Jänner 2012 in Aktuelles, 22 Lesermeinungen
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Das ‚Jahr des Glaubens’ ist Chefsache von absoluter Priorität. Die Häresie der ‚Hermeneutik des Bruchs“ ist zu überwinden. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Ein merkwürdiges Dokument: am Samstag, den 7. Januar 2012, veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre ein am Hochfest der Erscheinung des Herrn unterzeichnetes Schreiben mit dem Titel „Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens“. Diesem hatte die Kongregation bereits am 5. Januar eine „Presseerklärung“ vorangeschickt, mit der das relativ umfangreiche Dokument vorgestellt wurde. Die Kongregation bot somit eine Lesehilfe zu dem, was zurecht als „Gebrauchsanweisung für das ‚Jahr des Glaubens’“ bezeichnet werden kann. Kein Zweifel: es handelt sich um etwas sehr Dringliches.

Ja, merkwürdig und bemerkenswert zugleich ist die pastorale Note im wörtlichen Sinn. Papst Benedikt XVI. hatte am 21. September 2010 einen eigenen Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung eingerichtet. Es entspricht seiner Absicht, das „Jahr des Glaubens“ sowohl in den Kontext des 50. Jahrestages des Beginns des II. Vatikanischen Konzils und des 20. Jahrestages der Veröffentlichung des „Katechismus der Katholischen Kirche" zu stellen als auch unter der Vorgabe des Auftrages zur Neuevangelisierung zu sehen. Denn gerade der Neuevangelisierung wird die ordentliche Versammlung der Bischofssynode im Oktober 2012 gewidmet sein.

Dennoch ist es die Kongregation für die Glaubenslehre, die sich um den glühenden Mittelpunkt des „Jahrs des Glaubens“ kümmert, das somit zur Anstoßwelle für die große Bewegung der Neuevangelisierung werden soll. Die grundlegende „Substanz“ wird damit der „Suprema“ vorbehalten, während dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung die Funktion der Kommunikation und Koordinierung der verschiedenen Initiativen zum Jahr des Glaubens zugewiesen wird, „die von den Dikasterien des Heiligen Stuhls ausgehen oder jedenfalls für die universale Kirche von Bedeutung sind“.


Mit einem Wort: die „merkwürdige“ pastorale Note macht deutlich: Das „Jahr des Glaubens“ ist „Chefsache“ von absoluter Priorität, um das sich der „Boss“ durch den ihm sehr vertrauten Arm der Kongregation für die Glaubenslehre selbst kümmert und für das er eine eigene „Gebrauchsanweisung“ verfassen ließ, um den Weg durch das Jahr nicht in einem Dickicht versanden zu lassen. Eindringlich fordert der Heilige Vater die Weltkirche als solche, die Bischofskonferenzen, Bistümer, Pfarreien, Gemeinschaften, Vereinigungen und Bewegungen auf, sich in den ihnen zukommenden Bereichen zu mobilisieren. Gleichzeitig gibt er die dazu notwendigen Mittel und Richtlinien an.

Und damit wären wir beim „Bemerkenswerten“ der Note, das sich in ihrer „Einführung“ herauskristallisiert.

Papst Paul VI. hatte im Jahr 1967 das erste „Jahr des Glaubens“ unter dem Eindruck der Umwälzungen innerhalb und außerhalb der Kirche ausgerufen, zu denen es nach dem II. Vatikanischen Konzil und infolge des nunmehr beschworenen und nicht näher definierten „Konzilsgeistes“ gekommen war. Nun stellt Papst Benedikt XVI. 45 Jahre später „sein“ Jahr des Glaubens in den Rahmen der Notwendigkeit einer Re-vision des Konzils im Sinne der Schärfung eines nicht von der Ideologie eines „Superdogmas“ getrübten, vernünftigen und historisch angemessenen Blicks. Auch unter dieser Vorgabe soll klar werden, dass das Fundament des christlichen Glaubens keine Idee ist, sondern „die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“ (vgl. Enzyklika „Deus caritas est“, 1).

Diese Re-vision des Konzilsereignisses und seiner Produktion setzt Benedikt XVI. erneut wie bereits zu Beginn seines Pontifikats in den Rahmen der Entgegensetzung von „Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruchs“ und „Hermeneutik der Reform“. So erinnert die Note der Kongregation für die Glaubenslehre daran, dass eine Hermeneutik des Bruchs (welcher Couleur auch immer diese sein mag) mit dem Wort des Papstes als „irrig“ zurückzuweisen ist. Sie kann somit als Häresie im authentischen Sinn Wortes betrachtet werden.

Gleichzeitig wird festgehalten: „Hermeneutik der Reform“ bedeutet die „Erneuerung des einen Subjekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, unter Wahrung der Kontinuität; die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg“ (vgl. Benedikt XVI. an die Römische Kurie beim Weihnachtsempfang, 22. Dezember 2005).

Unter diesen Voraussetzungen bezeichnet die Kongregation für die Glaubenslehre den „Katechismus der Katholischen Kirche“ als „authentische Frucht des II. Vatikanischen Konzils“ (vgl. Motu proprio „Porta fidei“, mit dem das Jahr des Glaubens ausgerufen wird, 11. Oktober 2011), der damit zu einem Mittel und Vermittler der Annahme der Lehren des II. Vatikanischen Konzils werden kann und eine „Symphonie des Glaubens“ darstellt: ein „gültiges und legitimes Werkzeug im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft“ und eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“.

Zwei Vorgaben sind das besondere Anliegen Papst Benedikts XVI. für das „Jahr des Glaubens“: Zum einen ist es notwendig, 50 Jahre nach seinem Beginn das Konzilsereignis und seine Produktion verstehen zu lassen und sich immer tiefer im Licht der Tradition mit diesen auseinanderzusetzen. Zum anderen soll dies durch die Vertiefung einer wesentlichen „Frucht“ des Konzils geschehen, durch die gerade auch der sie hervorgebracht habende „Baum“ klarer in seinen Verästelungen sichtbar werden kann. Beide Elemente gehören notwendig zusammen. Beide Elemente können ein entscheidender Schritt zur Überwindung der „Gottesfinsternis“ werden, von der nicht nur eine „auf Sicht fahrende“ Welt betroffen ist (vgl. Angelus am 6. Januar 2012).

Doch es geht um mehr. Es geht darum, den Boden für die Antwort auf die eindringliche Frage Jesu Christi vorzubereiten: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben finden?“ (vgl. Lk 18,8). Der Stellvertreter Christi wird es nicht müde, diesen Boden zu beackern. Es gilt, sich von ihm bei der Hand nehmen und sich die „Tür des Glaubens“ zeigen zu lassen. Aufstoßen – muss man sie selbst.



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