07 Januar 2012, 09:02
Die neuen Kardinäle in Kurzportraits
 
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18 der 22 künftigen Kardinäle in Kurzportraits. Die wahlberechtigte Mehrheit des Heiligen Kollegiums wird sich dann zum ersten Mal aus von Benedikt XVI. ernannten Purpurträgern zusammensetzen.

Rom (kath.net/KAP/red) Papst Benedikt XVI. hat am Freitag vor dem Angelus angekündigt, welche 22 neuen Kardinäle er beim nächsten öffentlichen Konsistorium am 18. und 19. Februar 2012 kreieren wird.

Bei dem Datum handelt es sich um das Wochenende vor dem Fest der Kathedra Petri Zu den neu ernannten Purpurträgern gehören der Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, sowie der Theologe und langjährige Konsultor der Kongregation für die Glaubenslehre, Karl Josef Becker SJ.

Nach diesem vierten Konsistorium des Pontifikats Benedikts XVI. wird sich die wahlberechtigte Mehrheit des Heiligen Kollegiums zum ersten Mal aus von Benedikt XVI. ernannten Purpurträgern zusammensetzen.

Und dies sind 18 der neuen künftigen Kardinäle:

Fernando Filoni (65)

Der Italiener gehörte als Leiter der vatikanischen Missionskongregation zu den sicheren Anwärtern auf die Kardinalswürde. Der Präfekt der Kongregation "für die Evangelisierung der Völker", wie sein offizieller Titel lautet, ist für alle Belange der Ortskirchen in Afrika und in einem Großteil Asiens zuständig, insgesamt für mehr als 200 Millionen Katholiken. Umgangssprachlich wird er aufgrund seiner Machtfülle auch als "Roter Papst" bezeichnet. Sein Amtssitz liegt unweit der Spanischen Treppe in der historischen Innenstadt Roms. Filoni war während des Irak-Kriegs im Jahr 2003 Nuntius in Bagdad und anschließend vatikanischer Innenminister.

Joao Braz de Aviz (64)

Der selbst keinem Orden angehörende Brasilianer ist für Hunderttausende von Ordensleuten in der ganzen Welt zuständig, von den Benediktinern bis hin zu den Legionären Christi. Als Leiter der vatikanischen Ordenskongregation zählt er zu den traditionellen Anwärtern auf die Kardinalswürde. Papst Benedikt XVI. berief Braz de Aviz im Januar 2011 an die Spitze der Kurienbehörde. Zuvor war er seit 2004 Erzbischof der brasilianischen Hauptstadt Brasilia. Mit dem Südamerikaner werden die zuletzt im Kardinalskollegium unterrepräsentierten lateinamerikanischen Katholiken gestärkt.

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Giuseppe Bertello (69)

Der Italiener ist für die gesamte Infrastruktur des Kirchenstaates verantwortlich, von den Vatikanischen Museen bis hin zur medizinischen Versorgung. Als "Präsident des Governatorats des Vatikanstaates", wie sein offizieller Titel seit September lautet, hatte er von Amts wegen Anspruch auf die Kardinalswürde. Zuvor hat sich Bertello als Diplomat des Heiligen Stuhls mehrfach auf kirchenpolitisch heiklem Terrain bewährt. Anfang der 90er Jahre erlebte der Norditaliener im westafrikanischen Benin den Übergang vom Kommunismus zur Demokratie, an dem die Kirche maßgeblich beteiligt war. Anschließend entsandte ihn Johannes Paul II. in das vom Bürgerkrieg erschütterte Ruanda. Seit 2007 war er Nuntius in Italien und bekleidete damit den wichtigsten Botschafterposten des Heiligen Stuhls.

Domenico Calcagno (68)

Der Italiener zählt zu den bislang weniger bekannten Gesichtern des Vatikan. Als Leiter der vatikanischen Güterverwaltung APSA bekleidet er ein Amt mit sehr großer finanzieller Verantwortung: Er fungiert als "Personalchef" für die vatikanischen Mitarbeiter und ist für den päpstlichen Immobilienbesitz zuständig. Der Präsident der APSA steht traditionell im Kardinalsrang. Calcagno war seit 2007 zunächst Sekretär der Güterverwaltung. Im Juli 2011 rückte der Norditaliener an deren Spitze auf. Vor seinem Wechsel an die Kurie war Bischof der norditalienischen Diözese Savona-Noli.

Giuseppe Versaldi (68)

Der Italiener ist eine Art vatikanischer „Finanzminister“. Als Präsident der "Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls" ist er zugleich auch oberster Rechnungsprüfer für alle Kurienbehörden. Mit seinem Amt ist traditionell die Kardinalswürde verbunden. Zuvor war Versaldi Bischof der norditalienischen Diözese Alessandria.

Santos Abril y Castello (76)

Der Spanier war als Erzpriester der römischen Kirche Santa Maria Maggiore ein feststehender Kandidat für die Kardinalswürde. Das Amt des Erzpriesters einer der großen päpstlichen Basiliken in Rom gilt als ehrenvoll, ist kirchenpolitisch jedoch wenig bedeutsam. Der Erzpriester hält in seiner jeweiligen Basilika im Namen des Papstes Gottesdienste und ist für alle liturgischen Feiern in seiner jeweiligen Kirche verantwortlich.

Edwin Frederick O'Brien (72)

Der US-Amerikaner ist "Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem". Ursprünglich als Zusammenschluss von Rittern zur Verteidigung des Heiligen Landes gegen die Muslime gegründet, widmet sich der päpstliche Orden heute wohltätigen Anliegen im Heiligen Land sowie dem Gebet. Sein Leiter, zuvor der im Dezember verstorbene vatikanische "Medien-Minister" John Foley, erhält traditionell die Kardinalswürde. Der in New York geborene O'Brien war seit 2007 Bischof von Baltimore an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Zuvor war er Militärbischof seines Landes.

George Alencherry (66)

Der Inder ist seit Mai 2011 Oberhaupt der syro-malabarischen Kirche, einer großerzbischöflichen katholischen Kirche sui iuris des syro-orientalischen Ritus. Die Berufung des Großerzbischofs von Ernakulam Angamaly ins Kardinalskollegium ist ein Zeichen der Verbundenheit mit der rund 3,6 Millionen Mitglieder zählenden Kirche, deren Mitglieder vor allem im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens leben.

Francesco Coccopalmerio (73)

Der Italiener ist Präsident des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten. Coccopalmerio galt schon seit längerem als Kandidat für die Kardinalswürde. Für die Kardinalserhebung sprach nicht zuletzt das Prinzip der Anciennität: Coccopalmerio ist der dienstälteste unter den fünf Leitern vatikanischer Ministerien, die bislang noch nicht in den Rang eines Kardinals erhoben wurden. Vor seinem Wechsel an die römische Kurie im Jahr 2007 war der Kirchenrechtler Weihbischof von Mailand und Professor für Kirchenrecht in der norditalienischen Stadt.

Antonio Maria Veglio (73)

Der Italiener ist die vatikanische Stimme, wenn es um die Rechte von Flüchtlingen oder Migranten geht. Veglio scheute dabei auch vor deutlichen Worten über die Ausländerpolitik der früheren italienischen Regierung unter Ministerpräsident Berlusconi nicht zurück. Als Leiter des päpstlichen Migrantenrates ist Veglio zugleich auch für Obdachlose, Seeleute und Schausteller zuständig. Vor seiner Berufung an die Spitze des Migrantenrates war er Sekretär, also "zweiter Mann", der vatikanischen Ostkirchenkonkregation. Begonnen hatte er seine Laufbahn an der Kurie im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls, zuletzt auf dem schwierigen Posten im Libanon.

Timothy Dolan (61)

Als Erzbischof von New York, der nach Los Angeles mit rund 2,5 Millionen Katholiken zweitgrößten Diözese der Vereinigten Staaten, ist Dolan traditionell Anwärter auf die Kardinalswürde. Johannes Paul II. bezeichnete den Bischof dieser Stadt aufgrund ihrer besonderen Bedeutung als Medien- und Finanzstandort und Geburtstätte für neue Trends einmal als "Bischof der Hauptstadt der Welt". Dolan, der die Erzdiözese seit 2009 leitet, ist zugleich Vorsitzender der Bischofskonferenz seines Landes. Der als volksnah geltende Bischof irischer Abstammung wird innerhalb der US-amerikanischen Bischofskonferenz dem gemäßigt konservativen Flügel zugerechnet. Der aus St. Louis stammende Dolan wurde 2001 zunächst Weihbischof seiner Heimatdiözese; ein Jahr später wurde er zum Erzbischof von Milwaukee berufen.

Dominik Duka (68)

Der Erzbischof von Prag ist ein Repräsentant der einst im kommunistischen Ostblock unterdrückten Katholiken. Nachdem ihm die sozialistischen Machthaber in der Tschechoslowakei die Erlaubnis zum Dienst als Priester entzogen hatten, arbeitete Duka 15 Jahre als Zeichner in der Fabrik des Autoherstellers Skoda in Plzen (Pilsen). Zugleich war der Dominikaner insgeheim weiter für seinen Orden tätig. Von 1986 bis 1998 leitete Duka schließlich als Provinzial die Dominikaner in Böhmen und Mähren. Im Jahr 1998 ernannte Papst Johannes Paul II. Duka zum Bischof von Hradec Kralove (Königgrätz). Im Februar 2010 berief ihn der Papst zum Erzbischof von Prag, ein Amt das traditionell mit der Kardinalswürde verbunden ist. Als Dominikaner ist Duka einer der wenigen Ordensmänner unter den neuen Kardinälen und der zweite Vertreter seines Ordens im Kreis der unter 80 Jahre alten Kardinäle.

Thomas Christopher Collins (64)

Der Erzbischof von Toronto ist von Benedikt XVI. zuletzt mit einer besonders heiklen kirchenpolitischen Mission betraut worden: Collins war einer der Sonderermittler, die nach dem Bekanntwerden der systematischen Vertuschung von Missbrauchsfällen in der irischen Kirche im Auftrag des Papstes die Untersuchung in den Diözesen leiteten. Collins steht seit 2006 an die Spitze der kanadischen Erzdiözese Toronto. Zuvor leitete er die Erzdiözese Edmonton und war Bischofskoadjutor, also ein beigeordneter Bischof, für die Diözese St. Paul im kanadischen Bundesstaat Alberta. Collins Karriere begann als Professor für Bibelwissenschaften am Saint Peter Seminary in London, dessen Rektor er später wurde.

John Tong Hon (72)

Der Chinese hat als Bischof von Hong Kong einen der gegenwärtig wohl schwierigsten Posten der Weltkirche inne. Tong, der selbst aufgrund des autonomen Status der ehemaligen britischen Kronkolonie eine größere Freiheit besitzt als seine Amtskollegen im übrigen Land, tritt als Anwalt für die unterdrückten Katholiken im kommunistischen China auf. Zuletzt prangerte er in scharfer Form die mangelnde Religionsfreiheit im Land an. Die Ernennung des Bischofs von Hong-Kong zum Kardinal ist so auch eine Geste der Solidarität gegenüber den bedrängten Katholiken in ganz China. Papst Benedikt XVI. bestellte Tong Jahr 2008 zum Koadjutorbischof von Hongkong. Im April 2009 wurde er Nachfolger von Kardinal Joseph Zen Ze-kiun.

Manuel Monteiro de Castro (73)

Der Portugiese versieht ein einflussreiches kirchliches Amt, das jedoch selbst unter Katholiken nur wenig bekannt ist: Er ist Apostolischer Großpönitentiar. Als solchem obliegt ihm der Nachlass von Kirchenstrafen sowie die Gewährung von Ablässen. Als Großpönitentiar leitet de Castro einen der drei obersten Gerichtshöfe der katholischen Kirche. Auf die Kardinalswürde musste Monteiro de Castro nicht lange warten: Der langjährige Kirchendiplomat wurde erst am Donnerstag vom Papst in sein neues Amt an der römischen Kurie berufen. Zuvor war er (seit 2009) Sekretär, der mächtigen Bischofskongregation. Begonnen hatte Monteiro de Castro seine Laufbahn an der Kurie im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls, zuletzt auf dem bedeutenden Botschafterposten in Madrid.

Giuseppe Betori (64)

Der Erzbischof von Florenz zählt zu den traditionellen Anwärtern auf die Kardinalswürde. Zuletzt machte Betori als mutiger und fürsorglicher Vorgesetzter von sich Reden: Als Im November ein bislang unbekannter Täter seinen Privatsekretär im Innenhof des Bischofssitzes anschoss, eilte Betori auf den Mann zu, um ihn zum Einhalten zu bewegen. Daraufhin floh der Täter. Vor seiner Berufung nach Florenz war Betori sieben Jahre lang Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz im Range eines Bischofs.

Rainer Maria Woelki (55)

Der gebürtige Kölner Rainer Maria Woelki ist seit August 2011 Erzbischof der deutschen Hauptstadtdiözese Berlin. Seither wurde seine Berufung in den päpstlichen Senat erwartet, da Berlin zu den traditionellen Kardinalssitzen zählt. Mit 55 Jahren ist Woelki der jüngste Kardinal der Weltkirche. Bereits in seinen ersten Monaten in Berlin setzte der frühere Kölner Weihbischof viel beachtete Akzente und präsentierte sich auch in der Hauptstadt als Bischof ohne Berührungsängste. So bezog er eine Wohnung im Stadtteil Wedding, einem sozialen Brennpunkt mit hohem Migrantenanteil. Zudem traf er mit Vertretern des Lesben- und Schwulenverbands zusammen und besuchte ein Haus mit Flüchtlingen vom Balkan. Die Deutsche Bischofskonferenz wählte ihn bei ihrer Herbstkonferenz zum Vorsitzenden ihrer Kommission für caritative Fragen. Gleich in den ersten Wochen seiner Amtszeit konnte Woelki Papst Benedikt XVI. vor den Augen der Welt als Gastgeber bei seinem Deutschlandbesuch im September begrüßen.

Karl Josef Becker (83)

Die Berufung des aus Köln stammenden Jesuitenpaters ins Kardinalskollegium gilt als große Überraschung. Der emeritierte Dogmatikprofessor der päpstlichen Universität Gregoriana zählt zu den vier kirchlichen Würdenträgern, denen Benedikt XVI. aufgrund ihrer besonderen Verdienste den Kardinalspurpur verleiht. Die Wertschätzung, die der Papst dem langjährigen Berater der Glaubenskongregation entgegenbringt, zeigte sich in seiner Berufung in die Expertenkommission für die jüngste Gesprächsrunde mit der Piusbruderschaft. Zu Beckers 75. Geburtstag erwies der Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Joseph Ratzinger ihm die Ehre einer Festrede. Becker hat sich als Hochschullehrer insbesondere mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) beschäftigt und dessen Kontinuität zur kirchlichen Tradition hervorgehoben. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschungen ist das Verhältnis des Katholizismus zu den Weltreligionen.

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