Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der Kirche
  2. Deutsche Bischofskonferenz beschließt: Man will in Rom um Erlaubnis für Laienpredigt bitten
  3. "Bevor es zu spät ist!" – Kardinal Sarah warnt Piusbruderschaft vor Schisma
  4. Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
  5. Die Deutsche Bischofskonferenz nimmt die Satzung für die künftige Synodalkonferenz an
  6. Die Kardinäle Ghirlanda und Ouellet denken gleich wie die Piusbruderschaft
  7. Die Wahl von Bischof Heiner Wilmer zum DBK-Vorsitzenden „ist ein echtes Hoffnungszeichen“
  8. "Deutsche Kirchen" ersetzen spirituelle Dimension der Fastenzeit durch weltanschauliche Agitation
  9. Das Ende einer Amtszeit voller Streit und Spaltung
  10. Die „Synodalkonferenz“ der deutschen Funktionäre
  11. Burger: „Kurzum, wie hältst Du es mit Religion und Kirche? Wie geht das mit dem Glauben?“
  12. THESE: Warum die UNO weg muss!
  13. Klinisch tot nach Herzstillstand: Hirnaktivität noch Minuten, sogar Stunden messbar
  14. Woelki: „Herr, offenbare du deinen Willen für deine Kirche, das ist der Kernsatz aller Synodalität“
  15. 'Glaube ist kein PR-Problem': US-Burger-Kette verweigert Entfernung von Bibelversen

Gregor Gysi: Mich interessiert, was der Papst zu sagen hat

20. Oktober 2011 in Interview, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag über Papst, Kirche und Engagement für Gerechtigkeit und Frieden. Gregor Gysi exklusiv bei KATH.NET im Interview - Von Petra Lorleberg


Berlin (kath.net/pl) „Die katholische Kirche und auch der Papst“ können „eine wichtige Rolle beim Kampf um Frieden und um soziale Gerechtigkeit, beim Kampf gegen Armut und Unwissenheit spielen“, sagte Gregor Gysi, der Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag im KATH.NET-Interview. Auch könne er sich „selbstverständlich vorstellen“, Seite an Seite mit praktizierenden Katholiken für „Gerechtigkeit und Frieden“ zu streiten.

Dass der führende Kopf unter den linken Politikern auch kritische Anfragen an Papst und Kirche hat, überrascht nicht unbedingt. Doch hebt sich seine differenzierte Sicht auf Kirche und Christentum von manch anderen Stellungnahmen ab, die nicht zuletzt auch von Politikern zu vernehmen sind. Gysi hatte sich beispielsweise schon im Vorfeld des Papstbesuches unerwartet positiv über Papst Benedikt XVI. geäußert, kath.net hat berichtet.


kath.net: Herr Dr. Gysi, Sie waren bei der Rede von Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag anwesend. Manch andere Politiker haben demonstrativ gefehlt. Warum sind Sie hingegangen?

Gregor Gysi: Ich stehe sämtlichen Religionen mit gleichem Abstand und gleicher Nähe gegenüber. Daraus resultiert, dass ich mich für die Aussagen der Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter interessiere.


Natürlich bemängle ich an der katholischen Kirche, dass sie nicht besonders demokratisch strukturiert ist, dass es keine Gleichstellung für Frauen gibt, dass die gesamte Sexualethik und der Umgang mit Homosexuellen deutlich zu weit hinter dem Zeitgeist zurückbleibt.

Aber es ändert nichts daran, dass die katholische Kirche und auch der Papst eine wichtige Rolle beim Kampf um Frieden und um soziale Gerechtigkeit, beim Kampf gegen Armut und Unwissenheit spielen können. Ergo interessiert mich was der Papst zu sagen hat und deshalb gehe ich hin.

kath.net: Was hat Sie bei dieser Ansprache des Papstes besonders interessiert, hat Sie auch etwas positiv angesprochen?

Gregor Gysi: Enttäuscht war ich, dass der Papst sich weder zur Frage des Friedens noch zur Frage der sozialen Gerechtigkeit geäußert hat. Er hielt mehr eine Vorlesung als eine Ansprache an Millionen Menschen, die über Fernsehen zugeschaltet waren.

Aber mich hat beeindruckt, dass er den Ursprung des Christentums bei der Gleichheit der Menschen sieht. Die Überzeugung von dieser Gleichheit war auch der Ursprung der LINKEN.

kath.net: Wie nehmen Sie von Ihrer Warte her den Besuch aus Rom wahr: Was hat der Papst den deutschsprachigen Katholiken während seines Besuches zu sagen gehabt?

Gregor Gysi: Das können Katholikinnen und Katholiken sicherlich besser beantworten als ich.

Aber ich hätte mir gewünscht, dass er einen deutlicheren Schritt auf die evangelische Kirche zugegangen wäre.

Hinsichtlich der Opfer des sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen hätte ich mir ein entschiedeneres Wort zur Entschädigung gewünscht.

kath.net: Sie selbst sagten einmal, dass Sie „mit Erstaunen und begrenztem Entsetzen feststellen, dass die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland Schritt für Schritt dem neoliberalen Zeitgeist sich unterordnen“. „Alle Kirche brauchen den Mut, sich gegen den Zeitgeist und damit auch gegen die gegenwärtige politische und ökonomische Macht zu stellen. Und das sage ich als Linker und als Nichtgläubiger deshalb, weil ich weiß: es ist keine Zeit ohne Religion und Kirchen vorstellbar.“ Warum ist das für Sie nicht vorstellbar?

Gregor Gysi: Die Erkenntnisse des Menschen sind immer begrenzt, immer unvollständig. Es liegt nahe daran zu glauben, dass es neben den Naturkräften noch eine andere Kraft gibt, die dem Leben einen Sinn gibt. Deshalb glaube ich, dass es immer Religion und Kirche geben wird. Die Bedeutung kann wachsen oder abnehmen.

Zwei Umstände sind mir klar. Die Entdeckungen von Darwin haben belegt, dass der Mensch und der Menschenaffe gleiche tierische Vorfahren haben. Damit ergeben sich stärkste Zweifel an der Schöpfungsgeschichte der christlichen Kirchen.

Auf der anderen Seite können Atheisten nicht belegen, wie erstmalig auf der Erde aus anorganischen Stoffen organische wurden.

Die Entstehung des ersten Lebens ist nicht geklärt und kann auch nicht praktisch nachvollzogen werden. Es gibt also hier und dort Zweifel und ungeklärte Fragen.

kath.net: Verstehe ich Sie also richtig: Offenbar können Sie sich vorstellen, dass Sie sich - als altgedienter linker Politiker - Seite an Seite mit praktizierenden Katholiken für Gerechtigkeit und für Frieden einsetzen?

Gregor Gysi: Selbstverständlich kann ich mir das vorstellen. Es ist doch eher irrelevant, ob jemand aus religiösen oder aus weltanschaulichen Motiven für Frieden und Gerechtigkeit streitet, Hauptsache sie oder er tut es.

kath.net: Herr Dr. Gysi, sehr herzlichen Dank für dieses Interview!

Foto: (c) wikipedia


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Politik

  1. 'Man kann mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, die Demokratie nämlich auch abschaffen'
  2. Interne Grünen-Mail nach Berlin-Blackout: „NICHT Täter*innen/Ermittlungen in den Mittelpunkt ziehen“
  3. Das große CDU-Chaos ODER wenn ein angebliches Plagiat schlimmer als Abtreibung im 9. Monat ist!
  4. Erfolg für den Lebensschutz – Kein Geld für Planned Parenthood aus US-Bundesbudget
  5. US-Repräsentantenhaus untersucht möglichen Missbrauch von Steuergeld durch Planned Parenthood
  6. Transgender-Debatte: Grüne Politikerin El-Nagashi verlässt die Partei
  7. Sprecher des US-Repräsentantenhauses will Subventionen für Planned Parenthood streichen
  8. Gründer der ‚Catholics for Harris‘: US-Demokraten haben ein ‚wachsendes Problem mit Gott‘
  9. Wirtschaft, Grenzsicherheit, Kriminalität waren Wählern wichtiger als radikale Abtreibungspolitik
  10. Lebensschützerin Lila Rose: ‚Ich werde Trump wählen’







Top-15

meist-gelesen

  1. Einmal im Leben nach ISLAND - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
  3. Die Piusbruderschaft und ihre Einheit mit der Kirche
  4. "Bevor es zu spät ist!" – Kardinal Sarah warnt Piusbruderschaft vor Schisma
  5. Die Kardinäle Ghirlanda und Ouellet denken gleich wie die Piusbruderschaft
  6. Die Deutsche Bischofskonferenz nimmt die Satzung für die künftige Synodalkonferenz an
  7. Das Ende einer Amtszeit voller Streit und Spaltung
  8. Deutsche Bischofskonferenz beschließt: Man will in Rom um Erlaubnis für Laienpredigt bitten
  9. Die Wahl von Bischof Heiner Wilmer zum DBK-Vorsitzenden „ist ein echtes Hoffnungszeichen“
  10. Die „Synodalkonferenz“ der deutschen Funktionäre
  11. Bischof Erik Varden bei Fastenexerzitien im Vatikan: „Tausende fallen“
  12. Klinisch tot nach Herzstillstand: Hirnaktivität noch Minuten, sogar Stunden messbar
  13. „Öffnet eure Herzen“: Protestantin begeistert das Netz mit dem Rosenkranz
  14. 'Woke Left' ist die 'wütendste und exklusivste Spaltungsbewegung in der Geschichte'
  15. THESE: Warum die UNO weg muss!

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz