04 Oktober 2011, 12:00
Mach ein Interview mit Hans Küng!
 
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Eine Handreichung zur 'richtigen' Papstberichterstattung - Zehn Regeln für Journalisten, die über Benedikt XVI. schreiben wollen/müssen, wie es sich gehört. Ein Satirebeitrag von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Endlich gibt es eine griffige Zusammenfassung, damit diese vornehme Aufgabe wie Öl über den Schirm, das iPad oder einfach über den Schreibtisch flutscht – eine praktische Handreichung in der Form eines Dekalogs mit Unterpunkten, damit Du als Journalist, Kommentator, Talkshowmaster, Leitartikelschreiber oder Blogger wirklich gewappnet bist! Wir wollen Dir helfen, Deine verantwortungsvolle Arbeit so zu tun, dass sie wirklich dem „Gemeinwohl“, der „Objektivität“ und dem „Informationsbedürfnis“ Deiner Leser dient.

Falls Dir dennoch einmal jemand vorwerfen sollte, eine Wirklichkeit zu beschreiben, die es gar nicht gibt: Schwamm drüber, mach einfach weiter so!

1. Bereite Dich sorgfältig auf jede Apostolische Reise Benedikts XVI. vor:

a. Entfache zuerst eine umfangreiche Polemik über die Kosten der Reise.

b. Bemühe Dich genauestens um die möglichen Thematiken, die während der Reise zur Sprache kommen könnten (pädophile Priester; Homosexualität; massenhafte Kirchenaustritte; eventuelle Kontraste mit Protestanten, Juden, Moslems, Atheisten, „Wir sind Kirche“; wiederverheiratete Geschiedene; Zölibat; Frauenweihe). ATTENZIONE! Liegt das Land in Afrika? Dann kann es nur ein Thema geben: AIDS und „Kondomverbot“. Ignoriere sämtliche aktuellen Stellungnahmen renommierter AIDS-Forscher, die betonen, dass Kondome das AIDS-Problem niemals lösen können. Wie es den Leuten in Afrika wirklich geht, kann Dir egal sein.

c. Stelle die Reise als „die schwierigste des Pontifikats“ dar.

d. Betone so weit wie möglich die üblichen Protestdemonstrationen, die organisiert werden. Erwecke den Eindruck, dass die Zahl der Demonstrierer größer sein wird als die der Gläubigen.

e. Betone die Tatsache, dass der Papst die Verhältnisse in den Ländern, die er besucht, nicht wirklich kennt, da er weltfremd und verschanzt im Vatikan lebt (dort Katzen streichelt, Bücher schreibt, Klavier spielt, mit keinem spricht, einsam seinen Apfelstrudel isst und diesen mit Orangensaft hinunterspült).

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f. Mach ein Interview mit Hans Küng.

g. Sollte der Papst zufällig Deutschland besuchen, ist das Zitat „nemo propheta in Patria“ obligatorisch

2. Die Reise verläuft völlig anders, als Du erwartet hast?

a. Kopf hoch!

b. In Deinen Interviews sollten ausschließlich Katholiken zu Wort kommen, die solche Sachen sagen: Johannes Paul II. war mir lieber, oder: Ich bin hier nur aus Neugierde, oder: Ich bin zwar katholisch, aber mit DIESER Kirche und mit DIESEM Papst habe ich meine GROSSEN Probleme, oder: Der Papst ist mir egal. Wenn möglich, mach Interviews mit Priestern zwischen 60 und 75 oder mit ausgewählten Seminaristen. Suche altliberale Weihbischöfe, die gern Insidernews ausplappern.

c. Zeig die Bilder der Gegendemonstranten, auch wenn es nur ein paar Leute sind, die mal einen Tag anders verbringen wollten. WICHTIG: Nutze die Hälfte der Zeit, die Dir in der Nachrichtensendung zur Verfügung steht, um über die Demonstranten zu berichten und nicht über das, was der Papst sagt oder tut.

d. Hebe NIE die Zahl der Gläubigen hervor, die gekommen sind, um Papst Benedikt XVI. zu hören. Erinnere Dich IMMER an das Prinzip, dass ein Demonstrant mit 2 multipliziert werden muss, während jeder Gläubige nur die Hälfte wert ist.

e. Wenn der Papst sagt: „Wir verteidigen die Familie“, dann schreib: „Der Papst ist gegen eingetragene Lebensgemeinschaften“.

f. Wenn während des Besuchs irgendetwas passiert, das völlig irrelevant ist (ein angebliches Attentat, falsche Drohungen, ein unsinniger Artikel aus dem Ausland über einen möglichen Rücktritt Papst Benedikts XVI.), so hebe DAS hervor und nicht, was der Papst tut.

g. Vergiss NIE, Deine Leser darauf hinzuweisen, dass der Papst nicht explizit über den Missbrauchskandal gesprochen hat.

h. Sollte der Papst dies dennoch tun, ignoriere es!

i. Hans Küng MUSS interviewt werden.

j. Wenn Dich der Papst überrascht, dann übertreibe nicht. Du kannst immer schreiben, dass Benedikt XVI. eine komplexe Sprache spricht, die dem „Menschen auf der Straße“ nichts zu sagen hat, oder dass der „Professor Papst“ schon vor 40 Jahren eine ähnliche Theologie gelehrt hatte, wie er es jetzt tut.

k. Wenn Dir zwei Zahlen zu den Präsenzen der Gläubigen zur Verfügung stehen, wähle immer die kleinere.

l. Wenn es nicht anders geht, dann berichte, dass zwar viele da waren, die meisten jedoch aus Neugier, Zufall oder wegen des Vorprogramms zu der Veranstaltung gekommen sind.

m. Ignoriere den Rest der Reise.

3. Wenn die Reise zu Ende ist, dann:

a. Mach sofort ein Interview mit Alois Glück oder Helmut Schüller. Die möchten auch mal was gefragt werden.

b. Ansonsten: sprich nicht mehr von der Reise. Sie ist abgefeiert.

4. Vergiss NIE das Top-Thema der letzten Jahre! Sexueller Missbrauch durch Kleriker ist immer in.

a. Kommt es zur Verbreitung von Nachrichten über neue Anklagen gegen den Papst (z.B. eine Anzeige beim internationalen Strafgerichtshof in Den Haag), dann stell Dich dumm und tu so, als wüsstest Du nicht, dass Joseph Ratzinger der Mann ist, der in den letzten Jahrzehnten am meisten getan hat, um die Geißel des Missbrauchs in der Kirche zu bekämpfen und auszumerzen.

b. Zitiere NIE die von Joseph Ratzinger und Benedikt XVI. getroffenen Gegenmaßnahmen.

c. Der Papst MUSS auf die erste Seite kommen, wenn möglich mit einem schlechten Foto (von hinten, von der Seite, in einem düsteren Licht).

d. Zitiere IMMER den „Fall H.“(ullermann) aus München, auch wenn längst geklärt ist, was es damit auf sich hatte.

e. Erwähne IMMER den Papstbruder, auch wenn er nichts mit den Missbrauchsfällen zu tun hat, zu denen es vor fast 50 Jahren bei den Regensburger Domspatzen gekommen war.

f. Tu alles dafür, dass der Leser denkt, dass die Missbrauchsskandale während des Pontifikats Benedikts XVI. begonnen haben.

g. Betone NIE, dass Benedikt XVI. der einzige Papst ist, der bisher sechs Mal mit Missbrauchsopfern zusammengetroffen ist.

h. Mach ein Interview mit Hans Küng, damit er endlich seine Meinung sagen kann.

i. Wenn es in der Kirche brennt, dann versuche, die ganze Verantwortung auf den Schultern Benedikts XVI. abzuladen. Solltest Du aber merken, dass der Wind jetzt aus einer anderen Richtung weht, dann schreibe: Das ist nicht allein das Verdienst Benedikts XVI.

j. Mach ein Interview mit den Verantwortlichen von Vereinigungen von Missbrauchsopfern, die den Vatikan am meisten angreifen.

k. Wenn andere und angesehene Kommentatoren erklären, dass Benedikt XVI. der Papst ist, der am meisten gegen den sexuellen Missbrauch in der Kirche getan hat, dann schalte in den Rückwärtsgang und rede nicht mehr von Sachen wie Den Haag.

l. Mach die Leute glauben, dass Benedikt XVI. SEHR VIEL MEHR tun könnte. Der Papst MUSS immer im Unrecht sein.

m. Unterlasse es, darauf hinzuweisen, dass Joseph Ratzinger seit dem Jahr 1988 mehr Strenge bei der Bestrafung von Schuldigen gefordert hat.

n. Tu so, als wüsstest Du nicht, dass die Kongregation für die Glaubenslehre erst seit 2001 die zuständige vatikanische Stelle ist, wenn es um sexuellen Missbrauch durch Kleriker geht, was die dort großspurig „delicta graviora“ – sehr schwere Vergehen nennen.

o. Vergiss NIE: in diesem Bereich gibt es Namen, die man nennen kann, und andere, die NIE mit dieser Problematik in Verbindung gebracht werden dürfen.

5. Wenn der Papst eine wichtige Ansprache hält, dann:

a. Tu so, als hätte er nicht gesprochen, um Dich dann darüber aufzuregen, dass er nichts über ein bestimmtes Thema gesagt hat.

b. Das „Ja zum Leben“ MUSS zum „Nein zur Pille danach“ werden, das „Ja zur Familie“ zum „Nein zu Lebenspartnerschaften“, vor allem wenn es um Homosexuelle geht.

c. Wenn der Papst die Bischöfe eines gewissen Landes an die Kandare nimmt, so verteidige IMMER die Bischöfe im Namen der KOLLEGIALITÄT.

d. Zitiere immer DAS Konzil und erwecke den Eindruck, als wolle der Papst alle Konzilsdokumente annullieren lassen.

e. Mach ein Interview mit Hans Küng – der war bei DEM Konzil dabei.

6. Wenn Benedikt XVI. im Fernsehen spricht:

a. Betone IMMER, dass er SO ANDERS ist als sein charismatischer Vorgänger.

b. Mach Interviews mit Leuten, die erklären, sie würden andere Päpste vorziehen.

c. Lade nur Priester, Bischöfe und Kardinäle ein, denen es stets gelingt, NICHT über Benedikt XVI. zu sprechen.

d. Tu so, als würde es Dich wundern, wenn der Papst etwas Unerwartetes gesagt hat.

e. Ergreife jede Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass er Dir nach seiner Wahl „kalt“ vorkam, weil er ja ein „Deutscher“ ist und eben der „Panzerkardinal“ und „Großinquisitor“ war.

f. Betone, dass Benedikt XVI. „Professor“ war, und vermittle den Eindruck, dass das gegen ihn spricht.

g. Nicht vergessen: Mach ein Interview mit Hans Küng (sollte er wieder einmal woanders beschäftigt sein: es gibt auch Uta Ranke Heinemann oder Bernhard Häring. NICHT auf die Memorandisten zurückgreifen! Die kennt keiner).

7. Wenn es um Probleme geht, die ihren Ursprung vor dem 19. April 2005 haben:

a. Tu alles, dass man sie „den Fall Ratzinger“ nennt.

b. Mach mobil und fordere, dass der Papst persönlich eingreift, Archive öffnen lässt oder ähnliches. Appelliere an Benedikt XVI., dass er sich zu etwas äußert, von dem er keine Ahnung haben kann.

c. Mach ein Interview mit Hans Küng. Hat er keine Zeit: Veröffentliche einen Abschnitt aus einem seiner alten Bücher. Dort wird man immer fündig, und es ist immer dasselbe.

8. Wenn es um die Beziehung zwischen Benedikt XVI. und den anderen christlichen Konfessionen oder den anderen Religionen geht, dann aufgepasst!

a. Stell Dich immer auf die Seite der Protestanten.

b. Wenn es um die Juden geht, dann vergiss NIE zu erwähnen, dass der Papst Deutscher ist und die Exkommunikation der Weihbischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. zurückgenommen hat.

c. NIE, NIE und NIMMER und auf KEINEN FALL darfst Du erwähnen, dass es Benedikt XVI. war, der die Karfreitagsfürbitte für den sogenannten Tridentinischen Ritus radikal geändert hat. NIE, NIE und NIMMER darfst Du sagen, dass dies weder Paul VI. noch Johannes Paul II. getan hatten, obwohl die „Alte Messe“ nie abgeschafft worden war. NIE, NIE und NIMMER darfst Du sagen, dass Benedikt XVI. dies getan hat, um den Juden entgegenzukommen und sie wirklich ernst zu nehmen.

d. Rolf Hochhuth hat kein ideologisches Drama geschrieben, sondern ein Geschichtsbuch. Vergiss NIE zu betonen, dass es Benedikt XVI. war, der Pius XII. zum „ehrwürdigen Diener Gottes“ erklärt hat. Unterlasse es IN JEDEM FALL, daran zu erinnern, dass der Heiligsprechungsprozess Pius’ XII. im Jahr 1967 unter dem Pontifikat Pauls VI. eröffnet wurde.

e. Wenn die Muslime Thema sind: zitiere IMMER die „Regensburger Rede“ als DEN Stolperstein SCHLECHTHIN, den „Beweis für die diplomatische Unfähigkeit“ des Papstes.

f. NIE und NIMMER darfst Du von den enormen Forschritten im Dialog zwischen der Kirche und den Muslimen nach der Ansprache von Regensburg sprechen.

g. Erwähne NIE die orthodoxen Kirchen und die bevorstehende mögliche Kirchengemeinschaft (Erzbischof Robert Zollitsch docet).

h. Solltest Du gezwungen sein, von den Orthodoxen zu sprechen, dann kommentiere NIE die Annäherung zwischen den orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche als „Verdienst“ Benedikts XVI.

i. Mach ein Interview mit Hans Küng, damit er endlich die verheerende Wirkung des tridentinischen Ritus auf die Ökumene (mit den Juden, mit den Protestanten) klarstellen kann.

9. Wenn es um einen besonderen Jahrestag geht, der Benedikt XVI. betrifft:

a. Das Wichtigste: IGNORIERE IHN!

b. Denke bereits jetzt an den 16. April 2012: der 85. Geburtstag naht! Aber das braucht keiner wissen.

c. Setze Gerüchte über einen möglichen Rücktritt Benedikts XVI. in die Welt, gerade dann, wenn Du meinst, ein „Superkatholik“ zu sein (Antonio Socci docet: so wird man als kleiner Schreiber auch einmal im Ausland bekannt).

d. Mach ein Interview mit Hans Küng. Der MUSS es wissen, vor allem BESSER.

10. Wenn es um die Menschenmassen geht, die zu Papst Benedikt XVI. kommen, dann:

a. IGNORIERE SIE!

b. Tu so, als ob Du die Zehntausenden von Gläubigen nicht siehst, die zum sonntäglichen Gebet des Angelus oder zu den Generalaudienzen auf den Petersplatz strömen.

c. Sollte einmal ein Gläubiger weniger kommen, als angekündigt worden war: Reserviere einen Kasten auf der ersten Seite.

d. Wenn allerdings die Menschenmenge alle Erwartungen übertrifft, dann tu so, als wäre nichts geschehen, und gehe darüber hinweg.

e. Um Deinen Thesen den rechten Unterbau zu geben, mach ein Interview mit Hans Küng.

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Frei nach einer Idee von Raffaella, der das Verdienst zukommt, vor nunmehr fast fünf Jahren das Blog der Freunde von Papst Ratzinger ins Leben gerufen zu haben. Unermüdlich begleitet Raffaella die Tätigkeit Benedikts XVI. und sammelt Tag um Tag, Stunde um Stunde und zumeist im Minutentakt, was in der italienischen Presse (und nicht nur) über den Pontifikat Benedikts XVI. und das Wirken des Papstes gemeldet wird. Raffaella ist es gelungen, ein großes Pressearchiv zu schaffen, das sich im Lauf der Zeit zu einem wichtigen Arbeitsinstrument entwickelt hat, denn: Raffaella vereint Leidenschaft mit der Fähigkeit zur Analyse.







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