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Krenn: Wo Christus steht und herrscht, dort hat der Tod verloren

29. August 2002 in Österreich, keine Lesermeinung
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Die Predigt von Bischof Kurt Krenn bei der 14. Theologischen Sommerakademie bei der Abschlussmesse am 28. August in Aigen im Wortlaut


Die 14. Internationale Theologische Sommerakademie geht mit dieser Eucharistiefeier zu Ende. Wir danken Gott für die gewonnenen Einsichten, für die durch den Geist Gottes gewonnene Brüderlichkeit und für die in der heiligen Kirche erfahrene Erlösung durch Jesus Christus.Man denkt heute viel darüber nach, was den Menschen im Gegensatz zum Tier und zu anderen Leben eigentlich ausmacht. Bei Betrachtung der höheren Tiere entdeckt die Wissenschaft große Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier, so daß es aussieht als wäre ein fast fließender Übergang vom höheren Tier zum Menschen, für dessen Verlauf das Wort „Evolution“ eine umfassende Beschreibung ist.

So fragt man heute, was der wesentliche Unterschied zwischen dem Tier und dem Menschen, den Gott nach seinem Bild und Gleichnis schuf und mit einer Geistseele begabte, ist. Nach vielen Vergleichen kommt die Wissenschaft zur Meinung, daß bei vielen Ähnlichkeiten von Tier und Mensch das wirklich Unterscheidende dieses ist: Nur der Mensch allein hat ein Wissen und Bewußtsein von seinem Tod; nur der Mensch weiß von seiner Todesgrenze. Alle anderen Tiere und Lebewesen leben ohne bewußtes Wissen von ihrem Tod; sie sterben irgendwann zwar alle, doch sie leben ohne das fundamentale Wissen, das der Mensch über seinen Tod hat. Ihr Lebensgefühl besteht in der Gewißheit, daß man den Tod nicht erlebt, denn solange wir leben sind wir nicht tot; es ist das Leben, in dem wir alle Wirklichkeit erfahren, denn ohne Leben ist alles einfach nichts.Wohl kann das Tier mit seinem Instinkt sich in seine Zukunft projezieren, indem es sich vermehrt und Bedingungen schafft, in denen die Art weiterbesteht. Dennoch kennt niemand, ausgenommen der Mensch, den Schrecken des Todes, der alles umgreift und ihm zuruft: Du wirst sterben, denn du bist ein Mensch, für den der Schöpfer als Strafe für seine Sünde den Tod festgelegt und auch als eine Urgewißheit verkündet hat. Mit dem Menschsein wissen wir um unseren Tod. Der Tod ist der größte Feind des Menschen, weil er alles zerstört, was des Menschen ist: er zerstört das Leben und wo kein Leben dort ist das Nichts. Der Tod ist das Geheimnis eines jeden Menschen; man stirbt nur einmal und kehrt nie wieder in das Leben zurück. Endgültig ist also der Verlust des Lebens unseres Leibes. Was aber ist mit jener Wirklichkeit, die leblos ist ?

Vermutlich ist es nur ein kleinster Bruchteil der sichtbaren Wirklichkeit, in der es Leben gibt. Der übrige schier unbegrenzte Bereich der leblosen Wirklichkeit weiß nichts vom Leben und Sterben.Alles, was wirklich ist, hat Sein; weniges aber was Sein hat, hat Anteil am Leben; Sein und Leben sind unterschieden; Sein und Leben sind jeder für sich ein Ganzes: Denn das „Leben“ ist ein Ganzes, das Leben und nichts als Leben ist; das „Sein“ ist ein unbegrenztes Ganzes, das vom Nicht-Sein umgrenzt wird. Alles Leben ist Sein; aber nicht alles Sein ist Leben. Will man von Sein und Leben sprechen, so treffen sich Sein und Leben in der Weise ihrer jeweiligen besonderen Ganzheit; wer lebt erfährt sein Sein, wer nur Sein hat, erfährt und erlebt durch sein Leben nicht das Vollkommenste aber das Unendliche. Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, muß Leben sein, in dem alles Sein sich vollkommenst gegenwärtig sein muß.„Leben“ hat den Charakter der absoluten und ungetrübten Gegenwärtigkeit, nur das Sein Gottes ist absolute Gegenwärtigkeit. Wo Sein und Leben in er Gegenwärtigkeit Gottes stehen, dort ist Gott der reine Geist; Geist ist also die Gegenwärtigkeit von Sein und Leben Gottes.

Der Tod ist für den Menschen endgültig, denn nichts mehr läßt sich zurückdrehen, was wir gelebt haben; die letzte Entscheidung, die wir in unserer Todesstunde treffen, ist endgültig und in allem dem gnädigen und allwissenden Gericht Gottes zugeordnet.Das für die 14. Theologische Akademie gewählte Thema „Leben angesichts des Todes“ war eine gute Wahl der Veranstalter. Damit wir erlöst werden und in die Schau Gottes, wie er ist, eingehen, brauchen wir den Tod; für den Tod aber brauchen wir das Leben, damit wir als Menschen von unserer Sterblichkeit wissen.Christus wäre nicht der wahre Gott und der wahre Mensch, wenn er nicht die Todesangst ausgehalten hätte, in der er uns den Weg der Liebe und des Gehorsams zum Vater kundtat.

Unser Tod wäre nicht schrecklich, wenn unser Sterben nur der Fall ins absolute Nichts wäre; es würde nichts mehr geschehen und für uns alle wäre alles vorbei. Das Leben aber ist es, das uns den Tod in seinem Ernst zeigt. Das Leben ist Christus, der als der Auferstandene nicht mehr stirbt. Keiner von uns lebt sich selber und keiner von uns stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende (vgl. Röm 14,7-9).

Wo Christus steht und herrscht, dort hat der Tod verloren und das Leben gesiegt. Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes (Röm 15,7).

Bischof Krenn im Internet



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