07 Juli 2011, 07:46
Die Habsburger und der 'Mythos Mariazell'
 
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Das Requiem in Mariazell wird für Otto von Habsburg zu einer Heimkehr in den mitteleuropäischen Wallfahrtsort - Mariazell war "Reichheiligtum"

Mariazell (kath.net/KAP) Das Requiem für Otto von Habsburg am 13. Juli in der Basilika Mariazell wird für den am Montag verstorbenen Sohn des letzten österreichischen Kaisers zu einer Heimkehr. Seit Jahrhunderten ist Mariazell der wohl bedeutendste Wallfahrtsort für das Haus Habsburg. Auch Otto und seiner Frau Regina von Habsburg lag die "Magna Mater Austriae" stets besonders am Herzen.

Schon bei ihrer Hochzeit 1951 im französischen Nancy schmückte eine Kopie der Mariazeller Gnadenmutter während des Trauungsgottesdienstes den Altar. Später feierte das Ehepaar u.a. seine Silberne und die Goldene Hochzeit in der Basilika. Auch das Fest zum 80. Geburtstag des Habsburgers fand 1992 drei Jahre nach Fall des "Eisernen Vorhangs" in Mariazell statt.

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"Wallfahrt der Völker" nach Mariazell 2004

In bleibender Erinnerung bleibt die Teilnahme Otto von Habsburgs an der "Wallfahrt der Völker" nach Mariazell 2004. Knapp nach der "Ost-Erweiterung" der Europäischen Union kamen damals rund 100.000 Gläubige aus den österreichischen Nachbarländern beim "Mitteleuropäischen Katholikentag" zur "Magna mater Austriae". Knapp und treffend hatte ein fröhlicher und vom Regen durchnässter Habsburg damals nach dem Festgottesdienst gegenüber Kardinal Schönborn resümiert: "Dafür habe ich gelebt."

"Aus Ungarn, Tschechien, Polen, Kroatien sind sie gekommen und haben sich vom Regen und der Kälte nicht abhalten lassen", schilderte Habsburg noch zwei Jahre nach dem Ereignis seine Begeisterung über die Teilnahme besonders vieler Jugendlicher an der "Wallfahrt der Völker" in einem Interview mit der österreichischen Publizistin Ingeborg Schödl. Habsburg betonte: "Mariazell muss sich wieder zum geistigen Zentrum des Donauraums profilieren."

Wie untrennbar die Geschichte des steirischen Wallfahrtsorts mit den Habsburgern verbunden ist, schildert Schödl in ihrem Buch "Mythos Mariazell - eine Spurensuche". Mariazell sei für die Habsburger in früheren Jahrhunderten ein "Bollwerk gegen den Unglauben" gewesen, schreibt Schödl in dem 2007 erschienenen Werk. "Hierher kamen die Mitglieder des Herrscherhauses um vor der Gnadenmutter ihre Bitten vorzubringen, ihren Dank für die erwiesene Hilfe abzustatten und vor dem Volk beispielgebend ihre persönliche Frömmigkeit zu demonstrieren."

"Reichheiligtum" Mariazell

Der Habsburger-Herrscher Karl II. begründete im 16. Jahrhundert die regelmäßige Wallfahrt nach Mariazell als Familientradition, Kaiser Ferdinand III. beauftragte 1644 den Umbau der gotischen Wallfahrtskirche in einen prächtigen Barockbau und unter Kaiser Leopold I. (1640-1705) wurde Mariazell zum "Reichheiligtum" erhoben.

Die Mitglieder der kaiserlichen Familie stifteten Mariazell wertvolle Geschenke und Spenden, die bis heute in der Basilika, der Gnadenkapelle und der Schatzkammer zu sehen sind. Eine besondere Beziehung pflegte etwa Kaiserin Maria Theresia, die auf ihrer Hochzeitsreise Station in Mariazell machte.

Ihr Nachfolger, Kaiser Josef II., verbot wenige Jahre später alle Wallfahrten, die eine Übernachtung erforderten, untersagte die Schenkung von Votivbildern und löste im Rahmen seiner "Kirchenreform" auch das Mariazeller Mutterkloster St. Lambrecht auf.

Nach dem Tod Josef II. verbesserten sich die Beziehungen zu Mariazell wieder. Die bekannten Kleiderspenden für die Gnadenstatue und Wallfahrten nach Mariazell wurde wieder erlaubt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts förderte das Herrscherhaus den Wiederaufbau der Basilika nach einem Großbrand 1827. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin "Sisi" nahmen 1857 an der Feier zum 750-Jahr-Jubliäum teil. 1910 "pilgerte" der Kaiser mit der drei Jahre zuvor eröffneten "Mariazeller Bahn" zur "Magna Mater Austriae".

Ehepaar Habsburg mit Mariazell verbunden

Die Verbundenheit mit dem steirischen Gnadenort überdauerte das Ende der Monarchie und die Landesverweisung der Habsburger 1919. Weil Otto von Habsburg die Einreise nach Österreich damals noch verwehrt war, brachte der damalige Subprior von Mariazell, der Benediktinerpater Beda Döbrentai, 1951 eine Kopie der Gnadenmutter zur Hochzeit des Kaisersohns nach Frankreich. Die besondere Geste unterstrich die zentrale Bedeutung Mariazells für das Haus Habsburg. Hinzukam, dass die in Würzburg geborene Regina von Habsburg großteils auf einem im Besitz ihrer Mutter stehenden Hof im unweit von Mariazell gelegenen Türnitz aufgewachsen war.

In den letzten Jahrzehnten ist Mariazell auch privat wieder zu einem Mittelpunkt für die Familie Habsburg geworden. Zum 80. Geburtstag wurde dem Habsburger die Ehrenbürgerschaft von Mariazell, die er während der Nazizeit verloren hatte, wieder verliehen. 2001 feierten Otto und Regina von Habsburg in der Basilika mit zahlreichen Spitzenrepräsentanten Österreichs, Weggefährten und Freunden den 50. Jahrestag ihrer Hochzeit. Die Festmesse feierten der Erzabt der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma, Asztrik
Várszegi und der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica.

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