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‚Lux in arcana’: Ein Einblick in das Vatikanische Geheimarchiv

6. Juli 2011 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Eine Ausstellung in den Kapitolinischen Museen präsentiert wichtige Dokumente der Kirchengeschichte. Ankündigung einer Veröffentlichung zum Völkermord in Armenien während des Ersten Weltkrieges. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Lux in arcana – das Geheimarchiv enthüllt sich“ lautet der Titel einer Ausstellung, die vom Vatikanischen Geheimarchiv in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Rom in den Kapitolinischen Museen organisiert wird (Februar bis September 2012). Die Schau wurde am Montag, den 6. Juli, im Rahmen einer Pressekonferenz in Anwesenheit von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Berton, des Archivars und Bibliothekars der Heiligen Römischen Kirche, Raffaele Kardinal Farina, des Präfekten des Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano und des Bürgermeisters von Rom, Gianni Alemanno, vorgestellt.

Auf den Titel der Ausstellung eingehend betonte Kardinal Bertone, dass dieser sehr angemessen sei, da es sich bei den Beständen des Geheimarchivs nicht um „arcana“ im Sinne von „arcana imperii“, das heißt um Regierungsgeheimnisse handle, sondern um die verborgenen und breit angelegten Inhalte der Archive, die in ihrem Wesen „eifersüchtig, beschützend und aufmerksam gegenüber den Schätzen sind, die sie behüten“.

Der Hinweis Kardinal Bertones ist besonders in einer Zeit wichtig, in der zum einen Romane das Bild der historischen Institution des Geheimarchivs prägten, Romane, die dazu verleiteten, literarische Erfindung mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Zum anderen werden gerade im Rahmen des Seligsprechungsprozesses Papst Pius’ XII. Stimmen laut, dass die vatikanischen Archive „geöffnet“ werden sollten, was oft den Eindruck erweckt, als sollte bisher etwas Besonders „verschlossen“ gehalten worden sein.


Zweifellos ist es berechtigt, dass Historiker ungeduldig auf den Abschluss der Katalogisierungsarbeiten der Dokumente des Pacelli-Ponitifikats warten, die voraussichtlich in den kommenden drei bis vier Jahren beendet sein werden. Diese Ungeduld verbunden mit einer gewissen Emotionalität sollte jedoch nicht dazu führen, in der Zwischenzeit mit willkürlichen und bruchstückhaften Hypothesen zu arbeiten.

Wie angespannt die Lage immer noch ist, zeigte in der jüngsten Zeit der Fall des israelischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Mordechay Levi, der kürzlich in einem ersten Moment Pius XII. als „Beschützer“ der Juden verteidigt hatte und dann aufgrund der in Israel entstandenen Polemiken gezwungen wurde, seine Äußerungen zu „präzisieren“ und zu relativieren (kath.net berichtete).

Die Ausstellung in den Kapitolinischen Museen zeigt insgesamt rund 100 Dokumente. In der Sektion „Dokumente der ‚verschlossenen Zeit’ zum Zweiten Weltkrieg“ werden keine weiterführenden Elemente, sondern nur Dokumente als Zeitzeugnisse wie Tagebücher, Fotografien und ähnliches gezeigt. Erst nach Ende der Archivierung wird es den Wissenschaftlern möglich sein, tiefer in den „arcana“ dieses Abschnitts Geschichte zu forschen.

Weitere Sektionen der Ausstellung sind dem „Dictatus papae“ Gregors VII. (1073-1085) gewidmet, mit dem der heilige Papst die universale Befugnis des Papstes herausstellte; der „Absetzung“ des Staufferkaisers Friedrich II. durch Papst Innozenz IX (1245); dem Brief Clemens VII. an die Mitglieder des englischen Parlaments über die „causa“ zur Ehe Heinrichs VIII. (1530); dem Codex mit den Dokumenten zum „Fall Galileo Galilei“ (1616-1633), der die Prozessakten des Sant’Uffizio, die Dokumentation Robert Bellarmins, die Verurteilung sowie die von Galilei verfasste Abschwörung enthält; einem Brief auf Seide der Kaiserin Helena von China an Innozenz X. (1655), nachdem sie und ihre Kinder sich zum Christentum bekehrt hatten; sowie einem Brief auf Birkenbaumrinde der Indianer von America an Leo XIII. (1887). Auch ein von Michelangelo verfasstes Schreiben sowie Dokumente aus der Zeit der entstehenden Einheit Italiens werden gezeigt werden.

Ziel der Ausstellung sei es, so Bischof Pagano, einen romanhaften Mythos über das Geheimarchiv zu zerstreuen und die Möglichkeit zu geben, einen Blick in diese alterwürdige Einrichtung, auf ihre Natur, ihre Aktivitäten und Inhalte zu werfen.

Wie Bischof Pagano weiter ankündigte, ist im Rahmen der wissenschaftlichen Tätigkeit des Archivs in Kürze die Veröffentlichung von Dokumenten zum Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges geplant, der vom Ottomanischen Reich begangen worden war.

Die im Buch enthaltenen Zeugnisse beschrieben, so Pagano, die von den Türken gegen die Armenier angewandten Folterprozeduren bis ins kleinste Detail. So gäbe es Zeugnisse davon, wie die Soldaten der Hohen Pforte über das Geschlecht der Föten im Bauch von schwangeren Frauen Wetten abgeschlossen hätten, bevor sie diese aufschlitzten und dann mit demselben Messer die Kinder töteten. Es handle sich dabei um Episoden, so Bischof Pagano, „die mich beschämt machen, ein Mensch zu sein, und wenn es den Glauben nicht gäbe, so würden sie mich nur Finsternis sehen lassen“.

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