03 Juli 2011, 09:04
Kurien-Erzbischof: Kirche tappte in 'Falle der Säkularisierung'
 
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Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Neuevangelisierungsrates, hielt Eröffnungsvortrag bei Jahrestagung der Europäischen Plattform für Berufungspastoral

St. Pölten (kath.net/KAP) Die Kirche ist nach Einschätzung von Kurien-Erzbischof Rino Fisichella in der Vergangenheit in die "Falle der Säkularisierung" getappt. Man habe sich zwar mit dem Marxismus und Atheismus auseinandergesetzt, dabei aber den Nihilismus bzw. Relativismus vergessen, so der Präsident des Päpstlichen Neuevangelisierungsrates. Deshalb wende sich Papst Benedikt XVI. auch so vehement gegen die aktuelle "Diktatur des Relativismus". Der Erzbischof war Ehrengast bei der Jahrestagung der Europäischen Plattform für Berufungspastoral, die derzeit im niederösterreichischen Horn stattfindet.

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Tenor beim Auftakt der Tagung war die Überzeugung, dass die Bemühungen um geistliche Berufungen in der Kirche Hand in Hand mit einer verstärkten Evangelisierung gehen müssten. Es brauche Menschen, "die durch einen aufgeklärten und gelebten Glauben Gott glaubwürdig machen in der Welt", sagte Fisichella in seinem Eröffnungsvortrag am Donnerstagabend in Anlehnung an Benedikt XVI. Nur durch Menschen, die von Gott berührt sind, könne Gott "zu den Menschen zurückkehren".

Auf den "YouCat" angesprochen meinte Fisichella, dass dieser ein sehr gutes Medium sei, um Inhalte des Glaubens in jugendgerechter Sprache zu transportieren. Er sei sicher, dass der neue Jugendkatechismus nun über längere Zeit ein brauchbares Instrument der Evangelisierung sein werde.

Bischofsvikar Franz Schrittwieser, Vizepräsident und geschäftsführender Leiter des österreichischen Canisisuwerkes, erläuterte im "Kathpress"-Gespräch am Rande der Tagung die heimischen Bemühungen, ein Klima zu schaffen, in dem Berufungen gedeihen können. Dabei setze man vor allem auf Orientierungsangebote für Jugendliche. Schrittwieser verwies auf das Projekt "Quo Vadis", bei dem "Zeugen" aus allen Bereichen der Kirche - Priester, Ordensleute, Pastoralassistenten oder Religionslehrer - über ihre Berufung erzählen und für Gespräche mit Jugendlichen zur Verfügung stehen.

In Zusammenarbeit mit den Männer- und Frauenorden Österreichs werde das Canisiuswerk zudem im Herbst am Stephansplatz ein "Zentrum der Begegnung" eröffnen, dass u.a auch Jugendlichen für Besuche, Gespräche oder Informationen über geistliche Berufe zur Verfügung stehen wird, kündigte Schrittwieser an. Wichtige Aufgabengebiete der Berufungspastoral sei weiters die Begleitung der Priesteramtskandidaten, Priester und Ordensleute, "damit sie ihre Berufung gut entfalten können".

Schrittwieser warnte vor der Gefahr, dass durch den zunehmenden Priestermangel und geplante Strukturreformen die verbliebenen Geistlichen überfordert würden. Priester wollten Seelsorger sein und keine Pastoralmanager.

Neue kirchliche Aufbrüche

Eine allzu negative Sicht der derzeitigen Situation der Kirche wollte der Leiter des Canisiuswerkes auch nicht gelten lassen. Es gebe bereits eine Reihe von neuen kirchlichen Aufbrüchen in den verschiedensten Gemeinden und Gemeinschaften, auch wenn diese keine mediale Aufmerksamkeit fänden. Evangelisierung sei zu jeder Zeit Aufgabe der Kirche, hielt Schrittwieser fest.

Die Jahrestagung in Horn steht unter dem Titel "Berufung als das eigentliche Herz der neuen Evangelisierung". Noch bis 3. Juli tagen knapp 50 Teilnehmer aus 20 Staaten.

Die Plattform "European Vocations Service" wurde 1999 als Zusammenschluss der nationalen Berufungsdienste unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen gegründet. In Österreich ist das Canisiuswerk Partner der Plattform. Die Wurzeln des Zusammenschlusses reichen aber bis an den Anfang der 1990er Jahre zurück. Einen Meilenstein stellte auch ein Kongress 1997 in Rom dar, aus dem das Dokument "In Verbo Tuo: Neue Berufungen für ein Neues Europa" hervorgegangen ist und das eine "neue Kultur der Berufung" fordert.

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