24 Juni 2011, 08:14
Die Eucharistie – Weg der Erneuerung der Welt
 
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Benedikt XVI. feiert Fronleichnam in der Lateranbasilika. Das Christentum: die demütige und geduldige Logik der Liebe. Von Armin Schwibach Videos: Prozession + Predigt von Papst Benedikt

Rom (kath.net/as) Die Eucharistie gleicht den Menschen an Jesus an, der in den Spuren Christi fähig wird, sich den anderen zu schenken und Werkzeug der Einheit der Menschheitsfamilie zu sein. Dies erklärte Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt zur heiligen Messe am Fronleichnamsfest in der Päpstlichen Basilika und Bischofskirche von Rom St. Johann im Lateran. Nach dem Gottesdienst folgte eine große Menschenmenge dem Papst bei der traditionellen Fronleichnamsprozession, die mit dem eucharistischen Segen bei der Basilika Santa Maria Maggiore ihren Abschluss fand.

In der Eucharistie vollziehe sich die Verwandlung der Gaben dieser Erde – Brot und Wein – mit dem Ziel, das Leben des Menschen zu verwandeln und auf diese Weise den Anfang der Verwandlung der Welt zu machen, so der Papst, der dazu einlud, über das Geheimnis Christi nachzudenken, der durch seine Selbsthingabe am Kreuz die Welt rette und einem jeden den Weg der Erlösung zeige.

Alles nehme seinen Anfang mit dem Herzen Christi, der beim Letzten Abendmahl Gott gedankt und gepriesen und so mit der Macht seiner Liebe den Sinn des Todes verwandelt habe, dem er entgegen gegangen sei. Aus Liebe nehme Christus das Leid bis zum Tod am Kreuz an und verwandle es so zu einem Akt des Schenkens. Diese Verwandlung, derer die Welt bedürfe, da sie sie in ihrem Innern erlöse, öffne sie für die Dimension des Himmelreiches. Doch Gott wolle diese Erneuerung der Welt immer durch denselben Weg verwirklichen, den Christus gegangen sei: „durch den Weg, der Christus ist“.

Aus diesem Grund übergebe Gott der Welt das Geschenk der Eucharistie, um einem jeden Menschen die Möglichkeit des Heils zu bieten: „Im Christentum gibt es nichts Magisches. Es gibt keine Abkürzungen“, so Benedikt XVI., „alles geht über die demütige und geduldige Logik des Weizenkorn, das gebrochen wird, um das Leben zu geben, über die Logik des Glaubens, der mit der milden Kraft Gottes Berge versetzt“.

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Deshalb „will Gott fortfahren, die Menschheit, die Geschichte und den Kosmos durch diese Kette von Verwandlungen zu erneuern, deren Sakrament die Eucharistie ist. Durch das konsekrierte Brot und den konsekrierten Wein, in denen sein Leib und sein Blut wirklich gegenwärtig sind, verwandelt uns Christus, indem er uns ihm ähnlich macht: er schließt uns in sein Erlösungswerk ein und macht uns durch die Gnade des Heiligen Geistes fähig, entsprechend seiner Logik des Schenkens zu leben, als Weizenkörner, die mit ihm vereint und in ihm sind“. Auf diese Weise würden diese ausgesät und reiften in den Furchen der Geschichte die Einheit und der Friede, „die das Ziel sind, zu dem wir nach dem Plan Gottes hinstreben“.

Um die Dynamik der eucharistischen Kommunion zu verstehen, verwies Benedikt XVI. auf einen Abschnitt aus den „Bekenntnissen“ (VII,10,18) des heiligen Augustinus, als dieser von einer Art Vision berichte, in der Jesus zu ihm sage: „Ich bin die Speise der Starken. Wachse, und so wirst du mich haben. Du wirst nicht mich in dich verwandeln, als Speise des Leibes, sondern du wirst es sein, der in mich verwandelt werden wird“.

In der eucharistischen Kommunion „verwandelt uns Christus in sich, in dieser Begegnung wird unsere Individualität offen, befreit von ihrem Egozentrismus und in die Person Christi eingebunden“. So öffne die Eucharistie den Menschen auch für die Anderen und überwinde alle Trennung.

Wer Jesus in der heiligen Hostie erkenne, „erkennt ihn auch im Bruder, der leidet, den hungert und dürstet, der fremd, nackt, krank, eingekerkert ist; und so ist er gegenüber jedem Menschen aufmerksam; er setzt sich auf konkrete Weise für alle ein, die in Not sind“. Daher ergebe sich aus dem Geschenk der Liebe Christi die besondere Verantwortung der Christen für den Aufbau einer solidarischen, gerechten, brüderlichen Gesellschaft: „Besonders in unserer Zeit, in der die Globalisierung eine immer größere gegenseitige Abhängigkeit schafft, kann und muss das Christentum dafür sorgen, dass diese Einheit nicht ohne Gott, das heißt ohne die wahre Liebe errichtet wird“.

Das Evangelium ziele stets auf die Einheit der Menschheitsfamilie, „ausgehend vom Sinn für die gegenseitige Verantwortung, damit wir uns als Glieder des einen Leibes erkennen, des Leibes Christi, da wir vom Sakrament des Altares gelernt haben und ständig lernen, dass das gemeinsame Teilen, dass die Liebe der Weg der wahren Gerechtigkeit ist“.

Radio Vatikan hat eine Arbeitsübersetzung der Predigt veröffentlicht:

Liebe Brüder und Schwestern,

Fronleichnam, das Fest Corpus Domini, ist untrennbar mit dem Gründonnerstag verbunden, mit der Hl. Messe in Caena Domini, jener Messe in der die feierliche Einsetzung der Eucharistie zelebriert wird. Während am Abend des Gründonnerstages über das Geheimnis Christi nachgedacht wird, das sich uns im Form des Brotes und des Weines darbietet, steht heute am Fronleichnamstag dasselbe Geheimnis zur Anbetung und Meditation des Gottesvolkes im Vordergrund. Das Allerheiligste Sakrament wird in Prozession durch die Strassen der Städte und Dörfer getragen, um zu zeigen, dass der auferstandene Christus unter uns weilt und uns zum Himmelreich führt. Das, was uns Jesus in der Gemeinschaft beim letzten Abendmahl geschenkt hat, wird heute offen dargestellt, denn die Liebe Christi ist nicht an einige wenige, sondern an uns alle gerichtet. In der Hl. Messe Caena Domini am vergangenen Gründonnerstag habe ich hervorgehoben, dass in der Eucharistie die Verwandlung der Geschenke dieser Erde – nämlich Brot und Wein – erfolgt, die durch die Änderung unseres Lebens auch die ganze Welt verändert. Heute Abend möchte ich diese Gedanken wieder aufnehmen.

Alles geht – so könnte man sagen – vom Herzen Jesu Christi aus, der beim letzten Abendmahl, am Vorabend vor seiner Passion, Gott gedankt und ihn gelobt hat. Damit hat er, mit der Kraft seiner Liebe, den Sinn des Todes verwandelt, dem er entgegen ging. Dass das Sakrament des Altars den Namen „Eucharistie“, „Danksagung für die Gnaden“, erhalten hat, drückt gerade Folgendes aus: dass die Verwandlung der Substanz des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi jenes Geschenk ist, das Christus von sich selbst gegeben hat, das Geschenk einer Liebe, die stärker ist als der Tod, eine göttliche Liebe, die ihn vom Tode auferstehen ließ. Das ist der Grund weshalb die Eucharistie Speise des ewigen Lebens ist, das Brot des Lebens. Aus dem Herzen Christi, aus seinem „eucharistischen Gebet“ am Vorabend seiner Passion, quillt jene Dynamik, die die Wirklichkeit in ihre kosmische, menschliche und historische Dimension verwandelt. Alles geht von Gott aus, von der Macht seiner einen und dreifaltigen Liebe, die durch Jesus Christus Fleisch geworden ist. In dieser Liebe ist das Herz Christi eingehüllt. Deshalb gelingt es ihm, Gott zu danken und zu ehren, selbst vor dem Geschehen des Verrates und der Gewalt, und auf diese Weise verwandelt er die Dinge, die Menschen und die ganze Welt.

Diese Verwandlung ist möglich dank einer Vereinigung, die stärker ist als die Trennung, nämlich die Kommunion mit Gott selbst. Das Wort Kommunion, das wir auch benutzen für die Bezeichnung der Eucharistie, vereinigt in sich die vertikale und horizontale Dimension des Gottesgeschenkes. Der Ausdruck „die Kommunion erhalten“ ist schön und vielsagend und bezieht sich auf den Verzehr des eucharistischen Brotes. Und in der Tat: Wenn wir diesen Akt vollziehen, kommunizieren wir mit Jesus Christus selbst, mit der Dynamik seines Lebens, das er uns und für uns geschenkt hat. Ausgehend von Gott Vater, durch Jesus, zu uns: In der heiligen Eucharistie wird eine vollkommene Kommunion vollzogen. Wir haben es vor kurzem gehört, in der Zweiten Lesung, aus den Worten des Apostels Paulus an die Christen in Korinth: „Ist der Kelch der Segnung, den wir segnen, vielleicht nicht eine Kommunion mit dem Blute Jesu Christi? Und das Brot, das wir brechen, ist es vielleicht nicht die Kommunion mit dem Leib Christi? Nachdem es nur ein Brot gibt, sind wir, wenn auch viele, dennoch ein einziger Leib. Denn alle nehmen wir am einzigen Brot teil“.

Der Heilige Augustinus hilft uns die Dynamik der Eucharistischen Kommunion zu begreifen, wenn er von jener Vision spricht, in der Jesus zu ihm sagte: „Ich bin die Nahrung der Starken. Wachse und du wirst mich besitzen. Du wirst mich nicht in Dich verwandeln, als Nahrung des Leibes, vielmehr wirst du es sein, der sich in mich verwandelt“: Während also die körperliche Nahrung von unserem Organismus aufgenommen wird und zu dessen Erhalt beiträgt, handelt es sich bei der Eucharistie um ein anderes Brot: Nicht wir nehmen es auf, sondern das Brot nimmt uns auf, sodass wir wie Jesus Christus werden: Glieder seines Leibes, einig mit Ihm. Dieser Passus ist entscheidend. In der Tat, gerade weil es Christus ist, der uns in der Eucharistie in sich verwandelt, öffnet sich unsere Individualität in dieser Begegnung und wird von ihrem Egozentrismus befreit und in die Person Jesu Christi eingegliedert, der seinerseits wieder in der dreifaltigen Kommunion miteinbezogen ist. Auf diese Weise öffnet uns die Eucharistie, während sie uns mit Christus vereint, uns auch für die anderen und vereint die einen mit den anderen. Wir sind jetzt nicht mehr getrennt, sondern vielmehr einig in Ihm.

Die Eucharistie verbindet mich nicht nur mit meinen Mitmenschen, mit denen ich vielleicht kein besonders gutes Verhältnis habe, sondern sie verbindet mich auch mit den fernen Brüdern überall auf der Welt. Von hier her, von der Eucharistie also kommt die tiefe Bedeutung der sozialen Gegenwart der Kirche, wie die großen sozialen Heiligen bezeugen, die immer auch große eucharistische Seelen waren. Wer Jesus Christus in der Heiligen Hostie wieder erkennt, erkennt ihn im Bruder, der leidet, der Hunger und Durst leidet, der fremd ist, der nackt ist, der krank ist, der im Kerker ist. Er achtet auf alle Mitmenschen, er setzt sich konkret für sie ein, für all jene, die sich in Not befinden. Vom Liebesgeschenk Christi stammt indessen unsere besondere christliche Verantwortung gegenüber einer solidarischen gerechten und brüderlichen Gesellschaft. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der die Globalisierung den einen von den anderen immer abhängiger macht, kann und muss das Christentum immer darauf achten, dass diese Gesellschaft nicht ohne Gott aufgebaut wird, das heißt ohne die wahre Liebe, ohne die das Chaos, der Individualismus, die Übermannung und das Jeder gegen Jeden sich ausbreiten würden. Das Evangelium zielt seit jeher auf die Einheit der menschlichen Familie, eine Einheit, die nicht von oben aufgezwungen wird, nicht von ideologischen und ökonomischen Interessen gekennzeichnet ist, sondern vielmehr von der Verantwortung der einen gegenüber den anderen ausgeht, damit wir zum Glied eines einzigen Leibes, dem Leib Christi werden; denn wir haben gelernt und wir lernen es immerfort vom Sakrament des Altars, dass die Gemeinsamkeit, dass die Liebe der Weg der echten Gerechtigkeit ist.

Kehren wir zum letzten Abendmahl Jesu Christi zurück: Was war da geschehen? Als er sagte: Dies ist mein Leib, den ich euch gegeben habe und dies ist mein Blut, das ich für euch vergossen habe – was war da geschehen? Jesus sieht das Geschehen am Kalvarienberg voraus: Er nimmt das gesamte Leiden der Passion auf sich, mit all seinen Schmerzen, mit all seiner Gewalt, bis zum Tode am Kreuz. Und in der Annahme dieses Leidens verwandelt er es in einen Akt des Schenkens. Das ist die Verwandlung, die die Welt am meisten nötig hat, weil sie von Innen kommt und die Dimension des himmlischen Reiches annimmt. Und diese Erneuerung der Welt immer durch den Weg realisieren, das heißt den gleichen Weg, den Christus gegangen ist, gehen; der Weg, der er selbst ist. Es liegt nichts Magisches im Christentum. Es gibt keine Verkürzungen, alles führt durch die bescheidene und geduldige Logik des Weizenkornes, das zerbricht, um das Leben zu schenken, durch die Logik des Glaubens, der Berge versetzt mit der sanften Kraft Gottes. Deshalb will Gott die Menschheit, die Geschichte und den Kosmos immer wieder erneuern durch die Kette dieser Verwandlungen, dessen Sakrament die Eucharistie darstellt. Durch das gesegnete Brot und den gesegneten Wein, in denen der Leib und das Blut Christi tatsächlich gegenwärtig sind, verwandelt Christus uns, indem er uns zu ihm aufnimmt. In seinem Rettungswerk macht er uns durch den Heiligen Geist fähig nach seiner eigenen Logik des Schenkens zu leben, wie Weizenkörner in ihm und mit ihm gedeihen. Auf diese Weise werden sie gesät und reifen in den Rinnen der Einheit- und Friedensgeschichte, die nach Gottes Plan, unser Ziel ist.

Ohne Illusionen, ohne utopische Ideologien gehen wir unseren Weg auf dieser Welt und tragen in uns den Leib des Herrn, wir die Jungfrau Maria im Geheimnis der Visitation. Mit der Bescheidenheit des Weizenkorns, wachen wir über die Sicherheit, dass die Fleisch gewordene Liebe Gottes größer ist als das Böse, die Gewalt und der Tod. Wir wissen, dass Gott für alle Menschen neue Himmel und eine neue Welt vorbereitet, in denen der Friede und die Gerechtigkeit herrschen. Im Glauben erblicken wir bereits die Neue Welt, die unsere echte Heimat ist. Auch heute Abend, während die Sonne in unserer geliebten Stadt Rom untergeht, machen wir uns auf dem Weg: Mit uns ist Jesus der Eucharistische, der Auferstandene, der gesagt hat: Ich bin mit euch alle Tage, bis am Ende er Welt“. Danke. Herr Jesus Christus! Danke für Deine Treue, die unsere Hoffnung unterstützt. Bleibe bei uns, denn es wird Abend. „Guter Hirte, wahres Brot, Herr Jesus, erbarme dich unser. Ernähre uns, verteidige uns, trage uns zu den ewigen Gütern, ins Land der Lebenden“.
Amen

kathTube-Video: Die Predigt von Papst Benedikt bei der Fronleichnamsmesse:





kathTube-Video: Die gesamte Prozession in voller Länge











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