24 Juni 2011, 11:30
Musik ist Gebet
 
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Katholischer Jungpianist David Ianni veröffentlicht CD "Night Prayers – Mystical Piano Dreams" - Kath.Net-Interview über seine Musik, sein Vatersein und seine Beziehung zum Stift Heiligenkreuz - Von Linda Noé.

Luxemburg (kath.net/ln)
Der luxemburgische Komponist und Pianist David Ianni hat im Juni seine neue CD „Night Prayers – Mystical Piano Dreams“ veröffentlicht.

Kath.Net: Deine neue CD heißt „Night Prayers“, also „Nachtgebete“. Wie kamst du auf diesen Titel?

David Ianni: Musik ist Gebet. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die ich in meiner Laufbahn als Künstler gewonnen habe. Deshalb sollte meine erste CD mit eigener Musik einen Titel bekommen, der den betenden Charakter der Kompositionen hervorhebt. Ich entschied mich, das Album nach meinem Opus 79, den „Night Prayers“, zu benennen.

Kath.Net: Hat die „Nacht“ eine besondere Rolle im Gebetsleben? Spielst du damit auch auf eine Erfahrung der Gottesferne an?

David Ianni: Nein, die „Nacht“, die mit dem Titel gemeint ist, bezeichnet die Jahre der Gottessuche, die der Veröffentlichung des Albums vorausgehen. Zwei Jahre nach meinem rasanten Aufstieg als jugendlicher Konzertpianist entschied ich mich gegen eine fremdgesteuerte Karriere und machte mich auf die Suche nach meiner musikalischen und spirituellen Identität. Ich komponierte und betete sehr viel. Die Kompositionen auf der CD stammen sozusagen aus der Zeit meiner persönlichen Nachtgebete.

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Kath.Net: Du bist schon lange Pianist und Komponist, und seit bald 4 Jahren Vater. Hat dich das Vatersein auch im Bezug auf deine Musik verändert?

David Ianni: Meine drei Kinder prägen mein Leben sehr – vor allem machen sie aus mir einen glücklicheren Menschen. Das Wort „Liebe“ bekommt durch die eigenen Kinder eine neue Dimension, die hoffentlich auch in meine Musik einfließt.

Kath.Net: Glaubst du, auch als Vater, dass Musik Menschen in ihrer Entwicklung besonders prägt? Ist es dir wichtig, dass deine Kinder mit klassischer Musik in Berührung kommen?

David Ianni: In jedem Herz liegt ein Schatz vergraben, und die Musik ist ein Schlüssel zu diesem Schatz. Oder, um es weniger mystisch auszudrücken: die Musik hilft uns, mit unserem Innersten in Berührung zu kommen. Sie reinigt die Gedanken und öffnet unsere Seele für die Wahrheit. Deshalb sollte jedem Kind von Anfang an die Möglichkeit gegeben werden, gute Musik zu hören. Meine Frau und ich gehen mit unseren Kindern spielerisch an die Musik heran, z.B. indem wir uns gemeinsam Geschichten zur Musik ausdenken. Das regt die Phantasie an und macht den Kindern große Freude. Wer als Kind viel klassische Musik hört, wird sie sein Leben lang lieben.

Kath.Net: Was ist das schönste Kompliment, das du für deine CD bekommen hast?

David Ianni: Ich freue mich immer, wenn ich erlebe, dass meine Musik das Herz eines Menschen erreicht hat. Vor kurzem hat mir ein kleines Mädchen einen wunderbaren Brief geschrieben, nachdem sie meine Musik gehört hat. Ihre kindliche Offenheit hat mich sehr berührt.

Kath.Net: Welches ist dein Lieblingsstück auf der CD und warum?

David Ianni: Das kann ich nicht sagen. Ich liebe „Nacht der Tränen“, das ich mit 15 komponiert habe, weil es nach all den Jahren nichts an seiner Ehrlichkeit und Intensität verloren hat. Auf meine erste Klaviersonate bin ich sehr stolz, weil ich sie formell wie inhaltlich für sehr geglückt halte. Sehr nah liegt mir auch die dritte Ballade, die ich für meine Frau Martina schrieb, um ihr Herz für mich zu gewinnen. So verbindet mich zu jedem Stück auf der CD etwas ganz Besonderes.

Kath.Net: Wie komponierst du?

David Ianni: Ich komponiere auf drei unterschiedliche Arten:

1. Am Klavier: die meisten Klavierkompositionen entstehen so. Ich entwickle ein Thema oder ein Motiv und arbeite daran, bis ich zufrieden bin. Manchmal schreibe ich zwischendurch ein paar Takte auf (Sonate) oder ich notiere das Stück erst, wenn im Kopf alles fertig ist (Ballade Nr. 3).

2. Mit Notenpapier und Bleistift: ich verzichte auf das Klavier und verlasse mich auf mein inneres Ohr (Ballade Nr. 1).

3. Am Computer: Chor- und Orchestermusik komponiere ich meist am Computer. Hier höre ich in etwa, wie das Komponierte klingen wird, und ich habe am Ende eine druckfertige Partitur. Das Arbeiten am Laptop hat auch den Vorteil, dass ich überall komponieren kann. Ich liebe es beispielsweise, mich in ein Kaffeehaus zurückzuziehen und mich mit den Kopfhörern im Ohr in meine Welt zu versenken. Das Leben um mich herum kompensiert dann gewissermaßen die große Einsamkeit, die beim Komponieren immer präsent ist.

Kath.Net: Ist das Komponieren oft Verarbeitung von konkreten Erfahrungen?

David Ianni: Vielleicht unbewusst. Der Auslöser für eine Komposition kommt meist von innen. Ich fühle, dass ein Stück geschrieben werden muss und es scheint mir jedes Mal, als würde es irgendwo bereits fertig existieren. Meine Aufgabe ist es dann, die Töne einzufangen und sie auf dem Notenpapier für das menschliche Ohr zu transponieren, d.h. sehr konzentriert zu arbeiten und die Noten nach den Regeln der Kunst zu setzen, oder „zusammenzubauen“, wie es die lateinische Etymologie des Wortes „komponieren“ suggeriert. Je nach Grad der Inspiration – oder einfacher gesagt: Tagesform – gelange ich nach einer kurzen Zeit in einen Zustand, in dem die Musik eine Eigendynamik entwickelt und die Komposition sich gleichsam selbst zu schreiben scheint. Manchmal muss ich aber auch sehr lang um einen einzigen Takt ringen. Der Prozess des Komponierens ist schwer zu beschreiben. Es kann eine offensichtliche Verbindung zu meiner aktuellen Lebenssituation geben, aber meist führt die Komposition ein Eigenleben in einer Art Paralleluniversum. Klingt nach Science-Fiction, oder?

Kath.Net: Das Vorwort zu deinem CD-Booklet hat P. Karl Wallner OCist aus dem Stift Heiligenkreuz geschrieben. Hast du eine besondere Beziehung zu diesem Ort und wenn ja, warum?

David Ianni: Ich hatte das große Glück, dass ich in einer entscheidenden Phase meines Lebens – bevor ich meine Familie gegründet habe – zwei Monate im Stift Heiligenkreuz mitleben durfte. Die Freundschaft und die Gebetsverbundenheit zu vielen Heiligenkreuzer Mönchen ist für mich bis heute eine Quelle der Kraft und der Inspiration. P. Karl Wallner war unser Trauungspriester, und er stand mir oft mit Rat und Tat zur Seite. Ich fühle mich geehrt, dass P. Karl ein solch schönes Vorwort für die „Night Prayers“ geschrieben hat. P. Simeon Wester, der Prior des Stiftes, hatte die Idee für den vom Label gewünschten Untertitel: „Mystical Piano Dreams“. Das Cover ist ein wunderschönes Foto des Heiligenkreuzer Kreuzganges, das die Fotografin Monika Schulz-Fieguth für ihr Fotobuch „Licht einer stillen Welt“ aufgenommen hat. Von ihr stammen auch alle Portraitaufnahmen im Booklet. Die CD hat also wirklich viele Verbindungen zum Stift Heiligenkreuz.

Kath.Net: Welche Musik oder welcher Künstler inspiriert dich und welche Musik hörst du privat?

David Ianni: Lieblingskomponisten oder -künstler sind Phasen in meinem Leben, die sich abwechseln. Natürlich komme ich immer wieder zurück zu Bach, Beethoven, Mozart, Chopin, Mendelssohn, Brahms, Liszt und all ihren Geistesverwandten. Dort liegen meine Wurzeln. Ich liebe den Gregorianischen Choral und die Kirchenmusik der Renaissance. Ich höre viel Filmmusik, aber auch Popkünstler wie Björk oder Radiohead finde ich sehr interessant.

Kath.Net: Was empfiehlst du Menschen, die klassischer Musik bisher vielleicht noch nichts abgewinnen konnten – warum sollten sie sich damit auseinandersetzen und was wäre ein guter Einstieg?

David Ianni: Klassische Musik nimmt den Menschen ernst. Sie zeichnet ein Bild der menschlichen Vielschichtigkeit, das im Bereich der Popmusik so nicht zu finden ist. Wer mehr über sich selbst und Welt erfahren möchte, wird durch die Auseinandersetzung mit klassischer Musik reich beschenkt. Das Zuhören muss allerdings geübt werden. Ein klassisches Stück erschließt sich nicht beim ersten Hören. Man kennt einen Menschen ja auch nicht nach einer einzigen Begegnung, sondern man muss viel Zeit mit ihm verbringen. Das Gleiche gilt auch für die Musik. Ein gutes Musikstück wird schöner, je mehr man es hört. Für mich waren als Kind die Klavierkonzerte Mozarts und die Symphonien Beethovens der Einstieg in die Welt der Klassik.

Kath.Net: Wenn du den Menschen, die sich jetzt für deine CD interessieren, einen persönlichen Gedanken zusätzlich mitteilen könntest, was läge dir am Herzen?

David Ianni: Verlier nie deine Hoffnung, deine Träume, deine Visionen. Sie sind deine Wegweiser zum Glück.

Hinweis: Das Album von David Ianni kann im Kathshop.at erworben werden

www.davidianni.com

KathTube: Eine wunderbare Hörprobe des Albums







Foto © Monika Schulz-Fieguth







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