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Ökumene heißt nicht, dass die katholische Kirche protestantisch wird

28. April 2011 in Deutschland, 75 Lesermeinungen
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Ökumenebischof Gerhard Ludwig Müller: Evangelische Seite soll sich ganz offiziell von der Behauptung Luthers distanzieren, dass der Papst der Antichrist sei


Regensburg (kath.net) Auch Katholiken können „gegen Vorgänge oder Auffassungen in den evangelischen Kirchengemeinschaften protestieren, die nicht biblisch begründbar sind“. Dies sagte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller in einem Interview mit der Nachrichtenagentur DAPD. Katholiken können in bioethischen und sexualethischen Fragen in keiner Weise „von den gemeinsamen ethischen Positionen, wie sie sich auf der Grundlage der Heiligen Schrift und aus der christlichen Glaubenslehre ergeben“ abrücken.

Eine gemeinsame Sichtweise von Katholiken und Protestanten auf 500 Jahre Reformation ist nach Müller nicht möglich, doch für den gemeinsamen Weg in die Zukunft könnte man „positiv würdigen, wie Luther die Christozentrik der Erlösung hervorgehoben hat gegen manche Veräußerlichung.“ Umgekehrt solle man jedoch auch auf evangelischer Seite nachdenklich werden, „weil etwas eingetreten ist, was Luther ursprünglich nicht wollte: die Spaltung der Christenheit.“ Dabei sei es an der Zeit, „dass man sich auf evangelischer Seite ganz offiziell von der Behauptung Luthers distanziert, dass der Papst der Antichrist sei“, forderte der Ökumenebischof. „Denn damit war nicht der Papst als einzelner Christ gemeint. Damit sollte die katholische Kirche in ihrem sakramentalen Selbstverständnis getroffen sein. Das kann man nicht als zeitbedingte Polemik abtun.“


Die Äußerung von Margot Käßmann, dass sie von Papst Benedikt in der Ökumene nichts erwarte, nannte der Regensburger Bischof im DAPD-Interview „eine böse Rempelei. Hier stellt man sich Ökumene so vor, dass wir protestantisch werden“. Er erläuterte: „Wir sind und bleiben selbstbewusste und überzeugte Katholiken. Wir gestehen auch den evangelischen Christen zu, dass sie ihrem Gewissen und ihrer Wahrheitsvorstellung folgen.“ Grundsätzlich könne es nicht so weitergehen, „dass immer nur wir die Angefragten oder auch Angegriffenen sind und die evangelische Seite sozusagen von der höheren Warte aus uns infrage stellt.“ Damit weise man „uns dann die Aschenputtelrolle zu“.

Anstoß nahm der Ökumenebischof an Formulierungen etwa vom früheren EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber, wonach sich die evangelische Kirche „ins hellste Licht rückt, als die durch Aufklärung und ‚Moderne‘ hindurchgegangene Kirche“. Doch dies bedeute umgekehrt: „Die Orthodoxen und Katholiken sind noch im Mittelalter stehen geblieben. Ökumene wäre die Konversion zum Protestantismus, mit dessen Beistand wir erst in der ‚Neuzeit‘ ankämen.“

Ein gemeinsames Abendmahl mit Protestanten ist derzeit sowohl nach katholischem wie auch nach orthodoxem Verständnis nicht möglich, weil dies Kirchengemeinschaft voraussetze. „Wir können nicht so tun, als ob hier kein Dissens bestünde.“


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