22 März 2011, 11:40
Orthodoxe und Katholiken sind nicht Rivalen sondern Verbündete
 
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Die beiden Ansprachen von 'Ökumeneminister' Kurt Kardinal Koch und Metropolit Hilarion Alfejew beim Podiumsgepräch des KIRCHE IN NOT-Kongresses in Würzburg - Von der Tagespost

Würzburg (kath.net/DieTagespost) Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Metropolit Hilarion Alfejew, Vorsitzender des Außenamtes des Moskauer Patriarchates und Erzbischof von Wolokolamks, saßen am vergangenen Samstag, 19. März, gemeinsam auf einem Podium auf dem 4. Internationalen Kongress Treffpunkt Weltkirche von „Kirche in Not“ in Würzburg.

Das von „Tagespost“-Korrespondent Stephan Baier geleitete Podium stand unter dem Titel „Katholisch-Orthodoxe Annäherung zwanzig Jahre nach dem Fall der Sowjetunion“. Sowohl Kardinal Koch als auch Metropolit Hilarion nutzten die Gelegenheit, um zwei kurze Grundsatzreferate zum Stand des Dialogs zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche vorzutragen. Beide Kirchenmänner sind in der Frage dieses Dialogs nach Papst Benedikt XVI. und Patriarch Kyrill I., als Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, die ranghöchsten Gesprächspartner.

KATH.NET dokumentiert die beiden Grundsatzreferate von Kardinal Koch und Metropolit Hilarion vom 19. März 2011.


Kurt Kardinal Koch: „Ziel ist die Kommuniongemeinschaft“

Um das heutige Verhältnis zwischen der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche verstehen zu können, muss ein kurzer Blick in die Geschichte geworfen werden, in der wir zunächst einer beinahe tausendjährigen Entfremdung zwischen Rom und Konstantinopel begegnen, die schließlich zur Trennung zwischen Ost- und Westkirche geführt hat. Diese Geschichte hat eine bedeutsame Wende genommen mit dem denkwürdigen Ereignis der Aufhebung der Bannflüche von 1054 durch Papst Paul VI. und dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras am 7. Dezember 1965. Mit diesem Akt ist das Gift der Exkommunikation aus dem Organismus der Kirche gezogen worden und das lange dauernde Symbol der Spaltung durch das Symbol der Liebe ersetzt worden.

Dieser Akt ist auch zum Ausgangspunkt für den ökumenischen Dialog zwischen der Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche geworden, der bis heute andauert. Da in beiden Kirchen das Grundgefüge, das sich seit dem zweiten Jahrhundert herausgebildet hat, erhalten geblieben ist, nämlich die sakramental-eucharistische und die episkopale Grundstruktur der Kirche, konnte sich der ökumenische Dialog zunächst auf die Konsolidierung des gemeinsamen Glaubensfundamentes konzentrieren. Dies gilt vor allem von der ersten Dekade in den Jahren 1980–1990, in der weitgehende Konvergenzen zwischen der orthodoxen und der römisch-katholischen Theologie hinsichtlich der Themen der Sakramente, des Geheimnisses der Kirche und der Eucharistie, des Verhältnisses von Glaube, Sakrament und Einheit der Kirche und des Sakramentes des Priesteramtes festgestellt werden konnten. Demgegenüber fokussierte sich der theologische Dialog in der zweiten Dekade in den Jahren 1990 und 2000 immer stärker auf das Problem des Uniatismus und die Frage des Proselytismus, in denen von orthodoxer Seite die größte Gefahr für den theologischen Dialog wahrgenommen wurde und die schließlich zur Beendigung der Kommissionsarbeit im Jahre 2000 geführt haben. Trotz einer langen Periode des theologischen Fortschritts erlitt wegen der Problematik des Uniatismus der theologische Dialog Schiffbruch; und der Dialog schien, was zumindest die Bewältigung diese heiklen Problems betrifft, wieder am Nullpunkt angelangt zu sein.

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Glücklicherweise konnte kurz nach Beginn des Pontifikates von Papst Benedikt XVI. die Internationale gemischte „Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Römisch-Katholischen und der Orthodoxen Kirche“ ihre Arbeit wieder aufnehmen. Sie konzentriert sich dabei auf jenen wunden Punkt, der bisher die Aufnahme der vollen Kirchengemeinschaft behindert hat, nämlich die Frage des Primates des Bischofs von Rom. Nachdem sich die Kommission mit dieser Frage zunächst in historischer Sicht beschäftigt hat, soll sie in Zukunft weitergeführt werden mit einer theologischen Diskussion über das Verhältnis von Primat und Synodalität in der Kirche. Die Frage des Primates ist freilich nur die Spitze eines Eisberges. Denn die orthodoxe Seite erblickt in ihm vor allem in seiner Entwicklung im zweiten Jahrtausend eine Störung der kirchlichen Struktur überhaupt und sie begründet dieses Urteil dabei mit der Einheit von Sakrament und Jurisdiktion, die sie im Papstamt als verletzt betrachtet. Denn das Papstamt ist kein Sakrament, sondern „nur“ eine Rechtsstellung, die sich aber über die sakramentale Ordnung setzt.

Von daher wird deutlich, dass die größten Probleme sich erst nach der Trennung zwischen Ost und West eingestellt haben, weil die beiden Lungenflügel nicht mehr in demselben Organismus atmen konnten, sondern gleichsam in verschiedenen Körpern lebten und sich getrennt voneinander weiterentwickelt haben. Dies gilt freilich nicht nur von der Römisch-Katholischen Kirche mit ihrer Entwicklung eines starken Papsttums, sondern auch von der Orthodoxen Kirche aufgrund des Entstehens neuer autokephaler Kirchen und aufgrund des Sachverhalts, dass sich heute ein großer Teil der Gläubigen der ehemaligen Ostkirchen in der Westkirche und damit in der Diaspora aufhält.

Ein ehrlicher Dialog muss deshalb die Entwicklungen in beiden Kirchen im zweiten Jahrtausend mit einbeziehen. Dann liegt das ökumenische Problem darin, dass ein an die nationale Kultur gebundenes orthodoxes Kirchenverständnis und ein universal geprägtes katholisches Kirchenverständnis nach wie vor unausgeglichen nebeneinander stehen. Hier liegt der tiefere Grund, dass sich dieses Problem nicht zufällig in der Frage des Primats des Bischofs von Rom zuspitzt. Er stellt auf der einen Seite in der Tat, wie Papst Paul VI. betont hat, das Haupthindernis für die Wiederherstellung der vollen Kirchengemeinschaft mit der Orthodoxie dar. Auf der anderen Seite ist er aber zugleich auch die Hauptmöglichkeit für dasselbe Anliegen, weil ohne Papsttum auch die Römisch-Katholische Kirche in einzelne National- und Rituskirchen aufgeteilt worden wäre, was das ökumenische Gelände aber noch unübersichtlicher machen würde.

Wie ist dieses Problem zu lösen? Ich kann dazu natürlich nur aus der Sicht meiner Kirche einen Hinweis geben. Bereits in den siebziger Jahren hat Papst Benedikt XVI. den Vorschlag gemacht, dass Rom vom Osten „nicht mehr an Primatslehre fordern“ muss, „als auch im ersten Jahrtausend formuliert und gelebt wurde“. Und in seinem großen Interview mit Peter Seewald hat Benedikt XVI. sogar die Aussage gewagt, die Ostkirchen seien „echte Teilkirchen“, wiewohl sie nicht mit dem Papst in Verbindung sind, und in diesem Sinne sei die Einheit mit dem Papst „nicht konstitutiv für die Teilkirche“. Auf der anderen Seite bedeute dieser Mangel an Einheit aber auch einen „inneren Mangel in der Teilkirche“ und insofern sei die Nichtkommunion mit dem Papst ein „Mangel in dieser Lebenszelle“. Und als Synthese hat der Papst formuliert: „Sie bleibt eine Zelle, sie darf Kirche heißen, aber in der Zelle fehlt ein Punkt, nämlich die Verknüpfung mit dem Gesamtorganismus.“

Dies ist eine der orthodoxen Seite weit entgegenkommende Sicht. Ob sie von der orthodoxen Seite geteilt werden kann, dies zu beurteilen steht mir nicht zu, sondern muss der weitere Dialog zeigen. Dabei darf aber nicht das Ziel eines ökumenischen Dialogs aus dem Auge verloren werden, das in der Wiederherstellung der sakramentalen Kommuniongemeinschaft besteht. Bei der heutigen Rede von „unseren zwei Kirchen“ kann es jedenfalls nicht bleiben, weil der eine Leib des Herrn nicht geteilt sein kann. Darin besteht der tiefste Grund und das schönste Motiv der ökumenischen Arbeit und auch der heutigen Veranstaltung.

Papst Benedikt XVI. hat Kurt Kardinal Koch am 1. Juli 2010 zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt. 1996 zum Bischof von Basel geweiht, war der frühere Dogmatik-Professor an der Universität Luzern, von 2007 bis 2009 Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz gewesen.



Metropolit Hilarion Alfejew: „Wir müssen traditionelle Werte verteidigen“

Eminenz, liebe Brüder und Schwestern, in den letzten 20 Jahren waren die Beziehungen zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche ernsten Belastungen ausgesetzt, die durch die neue politische Situation hervorgerufen wurden. Der Fall der Berliner Mauer 1989 symbolisierte das Ende der Konfrontation zweier sozialpolitischer Systeme und den Beginn des Aufbaus eines europäischen Einheitsraums. Diese neuen Prozesse mussten sich auf das Leben der Kirchen auswirken, indem sie die alten Diskrepanzen zwischen der Orthodoxie und dem Katholizismus freilegten und gleichzeitig neue Aufgaben stellten, die eine gemeinsame Suche nach Lösungen erforderten. Der theologische Dialog zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche, der im Rahmen der gemischten Dialogkommission 1979 begonnen hatte, sollte seinem Programm nach von den Elementen ausgehen, die die orthodoxe und die römisch-katholische Kirche vereinen, um sich im positiven Sinn entwickeln zu können. In der Periode von 1980 bis 1988 war die Arbeit der gemischten Dialogkommission tatsächlich der konsequenten Erörterung von Fragen der Sakramente und der sakramentalen Natur der Kirche gewidmet. Die stürmischen politischen Prozesse, die Ende der achtziger Jahre in Osteuropa begannen, brachten den orthodox-katholischen Dialog auf die Ebene des realen Lebens. Das Wiedererstehen der Strukturen der griechisch-katholischen Kirchen in der Ukraine, die von offenen Konflikten mit den Orthodoxen, von gewaltsamer Inbesitznahme der Kirchengebäude und von Gewalt gegen orthodoxe Priester begleitet wurden, stellte erneut in aller Deutlichkeit die Frage nach einem historischen Problem in den orthodox-katholischen Beziehungen, nämlich dem Uniatismus. Eine neue Errungenschaft auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis ist das Dokument der gemischten Dialogkommission, das den Uniatismus als eine überholte Unionsmethode bezeichnet und die derzeitige Suche nach der vollen Gemeinschaft bekräftigt, indem sich der Vertreter der orthodoxen Kirche und, was noch wichtiger ist, der katholischen Kirche einig waren, dass die Kirchenunion nicht als eine Art Wiederherstellung der Einheit betrachtet werden kann, denn sie förderte im Verlauf der Geschichte eine noch größere Trennung zwischen den Kirchen. Obwohl das Dokument selbst dem, zum Beispiel in der Ukraine zwischen den Gläubigen des Moskauer Patriarchates und den Katholiken des griechischen Ritus andauernden Konflikt kein Ende setzte, so zeugt es dennoch von einer wesentlichen Haltungsänderung der römisch-katholischen Kirche gegenüber der Orthodoxie.

Im Jubiläumsjahr 2000, als die katholische Kirche die Erklärung „Dominus Iesus“ verkündete, verabschiedete das Jubiläums-Bischofskonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche ein Dokument mit dem Titel „Grundprinzipien der Beziehung der Russischen-Orthodoxen Kirche zu Andersgläubigen“. Zwischen den beiden Dokumenten lässt sich eine inhaltliche Parallele ziehen. Sowohl die katholische Kirche in „Dominus Iesus“, als auch die Russische-Orthodoxe Kirche in den „Grundprinzipien“ betrachten sich als die wahre Kirche Christi, die über die Fülle der göttlichen Gnade und der Heilsmittel verfügt. Zugleich verneinen aber weder die katholische noch die orthodoxe Kirche die Existenz von Elementen der Heilsgnade in nicht-katholischen und nicht-orthodoxen christlichen Gemeinschaften. Der gute Wille auf beiden Seiten half in den letzten Jahren, reale positive Ergebnisse in der Normalisierung der orthodox-katholischen Beziehungen zu erreichen. Besonders erhebliche Fortschritte in dieser Richtung zeichnen sich nach der Wahl von Papst Benedikt XVI. 2005 ab, der die orthodoxe Kirche sehr gut kennt. Von Bemühungen um Zusammenarbeit mit der orthodoxen Kirche sprechen in der katholischen Kirche sowohl Repräsentanten der Kirchenleitung als auch Pfarrgemeinden, Bewegungen und Mönchsgemeinschaften. Das hat eine wichtige praktische Bedeutung. Nach einer ziemlich langen Pause ist es uns gelungen, zum theologischen Dialog zurückzukehren und die Behandlung der vielleicht zentralsten Frage für beide Kirchen hier anzugehen, nämlich die Rolle des Bischofs von Rom in der Kirchengemeinschaft des 1. Jahrtausends. Nach zwei Plenartagungen zu diesem Thema wurde klar, dass ein unbefangenes und detailliertes Studium dieser Frage noch längere Zeit benötigt.

Trotzdem sind Katholiken und Orthodoxe mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert, die die moderne Zeit an die traditionellen Lebensformen stellt. Hier ist nicht die Rede von theologischen Fragen, sondern von der Gegenwart und Zukunft der menschlichen Gemeinschaft. Das ist gerade jener Bereich, in dem die Orthodoxen und Katholiken zusammenwirken können, ohne ihre kirchliche Identität zu schädigen. Mit anderen Worten: Obwohl wir strukturell nicht eine Kirche sind, können wir bei all' den theologischen und ekklesiologischen Unterschieden dennoch Formen einer Zusammenarbeit finden, die es uns ermöglichen, eine gemeinsame Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart zu geben. Ich nenne diese Form der Zusammenarbeit eine „strategische Allianz“ oder „strategische Partnerschaft“ zwischen der orthodoxen und katholischen Kirche. Es geht darum, dass wir gemeinsam die traditionellen christlichen Vorstellungen von Familie, Unauflöslichkeit der Ehe, Kindererziehung, Wert des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum Tod im gesellschaftlichen Bewusstsein festigen können.

In der modernen säkularisierten Welt sind diese Begriffe einer radikalen Umdeutung ausgesetzt. Heute schützen nur die orthodoxe und katholische Kirchen das traditionelle Familienleben. Das besagt, dass wir unsere Kräfte vereinen können, um die traditionellen Werte zu verteidigen. Ich bin froh, dass eine konkrete Zusammenarbeit in dieser Richtung bereits verwirklicht wird. Seit 2008 werden auf Initiative der russischen Kirche in enger Kooperation mit dem Rat der Bischofskonferenzen Europas verschiedene orthodox-katholische Veranstaltungen durchgeführt, die die gemeinsame Position unserer Kirchen zu den aktuellsten Fragen der Gegenwart aufzeigen.

Eine andere Richtung unseres Zusammenwirkens, die immer größere Aktualität gewinnt, ist die Verteidigung der Christen gegen Diskriminierung. Wie Papst Benedikt XVI. in seiner Neujahrsbotschaft mit Recht bemerkte, sind die Christen heutzutage die größte religiöse Gemeinschaft, die Verfolgungen aufgrund ihres Glaubens ausgesetzt ist. Bedauerlicherweise handelt es sich nicht nur um Länder, wo Christen eine Minderheit darstellen, sondern immer öfter auch um Länder mit alten und tiefen christlichen Traditionen. Einige Staaten Westeuropas versuchen, Ausdrücke des christlichen Glaubens im gesellschaftlichen Leben zu beschränken und zwar mit dem Argument, es seien die Rechte von Andersglaubenden oder Atheisten zu gewährleisten. In einer solchen Situation ist von Orthodoxen und Katholiken ein solidarischer Einsatz für den Schutz der christlichen Identität Europas und für die Verteidigung der christlichen Tradition der europäischen Kultur gefordert. Im Fall der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs im Prozess Lautsis gegen Italien im November 2009, in der man die Anbringung von Kruzifixen in italienischen Schulen als unzulässig erklärte, wurde eine solche Solidarität zum Ausdruck gebracht und führte zu konkreten Ergebnissen. Das Moskauer Patriarchat unterstützte den Protest der Römisch-Katholischen Kirche gegen diese Entscheidung. Die Russische Föderation befürwortete die Berufung, die die Regierung der Republik Italien am Europäischen Gerichtshof eingebracht hat. Diese Berufung wurde auch von einer ganzen Reihe von europäischen Staaten unterstützt, was unter anderem dem Einsatz der Christen in diesen Ländern zu verdanken ist.

In den zur katholischen Tradition gehörenden europäischen Ländern nehmen Christen immer häufiger eine aktive bürgerliche Position ein, in der sie ihre Rechte verteidigen. So fanden Kundgebungen gegen Diskriminierung von Christen am 7. März in Zagreb und am 12. März in Frankfurt am Main statt. Ich nehme an, dass die Situation in Europa in vielem durch den Effektivitätsgrad bestimmt sein wird, mit dem die Kirchen die Lage der Christen in den Ländern beeinflussen, wo diese eine Minderheit bilden. Die europäischen Staaten verteidigen traditionell die Interessen der Christen, beispielsweise im Nahen Osten oder im fernöstlichen Asien. Am schlimmsten ist die Lage der Christen im Irak, wo die Hälfte der christlichen Bevölkerung ausgewandert ist nach Ägypten, Indien, Pakistan und Indonesien. Die Medien berichteten davon, dass am Ende des Jahres 2010 und im Frühjahr 2011 eine Verhaftungswelle über die christlichen Gemeinden im Iran rollte, deren Ziel die Einschüchterung und Unterdrückung der Christen war. Dutzende unschuldige Menschen befinden sich bis heute in Gefängnissen. Alarmierende Signale kommen auch aus Äthiopien, wo am 7. März 59 christliche Kirchen und 28 Häuser von Christen zerstört wurden. In der gegenwärtigen Situation muss man die vom Europäischen Parlament am 20. Januar 2011 verabschiedete Resolution von der Lage der Christen im Kontext der Religionsfreiheit beziehungsweise die Erklärung des EU-Außenministerkomitees vom 22. Februar 2011 unterstützen, in der die Besorgnis über die wachsende Anzahl der Intoleranzerscheinungen und Diskriminierung gegenüber den religiösen Minderheiten ausgedrückt wurden, die ihren Ausdruck unter anderem in Angriffen und in Gewalt gegen Christen finden. Die Entscheidungen des Europäischen Parlaments und des EU-Außenministerkomitees sind in vielem das Ergebnis einer aktiven Tätigkeit christlicher Kirchen in dieser Hinsicht. Von großer Bedeutung war auch der an die Leitung der Europäischen Union adressierte Brief des vereinten Komitees der Konferenz der Europäischen Kirchen vom 20. Februar, zu dem Vertreter der orthodoxen Kirchen, protestantischer Denominationen und des katholischen Rates der Bischofskonferenzen Europas gehören, mit der Forderung, die Diskriminierung von Christen in verschiedenen Ländern der Welt zu verurteilen.

Orthodoxe und Katholiken sollten heute einander nicht als Rivalen betrachten, sondern als Verbündete zum Schutz der Werte der Christen. Wir haben ein gemeinsames Missionsfeld, das heutige Europa, das seine religiösen, moralischen und kulturellen Wurzeln eingebüßt hat. Die Zukunft des Christentums im dritten Jahrtausend hängt von unseren gemeinsamen Anstrengungen ab. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Metropolit Dr. Hilarion Alfejew (44), Erzbischof von Wolokolamks, ist seit 2009 Vorsitzender des Außenamtes des Moskauer Patriarchates. Zuvor war er unter anderem Bischof der Russisch-Orthodoxen Kirche in Österreich gewesen und vertrat seine Kirche bei den Institutionen der Europäischen Union. Metropolit Hilarion studierte Theologie unter anderem in Oxford und lehrte dann beispielsweise als Privatdozent für Dogmatik an der Universität Fribourg in der Schweiz. Die kirchliche Laufbahn hatte der Metropolit jedoch nicht von Anfang an eingeschlagen: Zunächst war er Student für Violine, Klavier und Kompositionstechnik gewesen, bevor er 1987 seine musikalische Ausbildung aufgab und als Novize ins Kloster vom Heiligen Geist im litauischen Vilnius eintrat, das zur damaligen Sowjetunion gehörte.

Foto: (c) Michael Hesemann


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