19 März 2011, 12:53
Strategische Allianz: Katholische Kirche und Russisch-Orthodoxe
 
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Ökumenisches Gipfeltreffen mit Kardinal Kurt Koch und Erzbischof Hilarion Alfejew in Würzburg beim Kongress von "Kirche in Not" – ‚Heute schützen nur die katholische und die orthodoxe Kirche das traditionelle Familienleben’

Würzburg (kath.net/rn)
Zu einem Ökumenischen Gipfeltreffen zwischen Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Metropolit Hilarion Alfejew, Erzbischof von Wolokamsk und Vorsitzender des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, ist es am Samstag Vormittag im Rahmen des Kongresses “Treffpunkt Weltkirche” in Würzburg gekommen.

Bei einer Podiumsdiskussion diskutierten beide unter der Leitung von Stephan Baier von der “Tagespost” mit Antonia Willemson, Vorsitzende von “Kirche in Not” (KIN)-Deutschland und Peter Humeniuk, Länderreferent für Russland von KIN zum Thema “Katholisch-Orthodoxe Annäherung zwanzig Jahre nach dem Fall der Sowjetunion”.

Am Beginn der Diskussion stellte Kardinal Koch kurz die Entwicklung der Beziehung zwischen beiden Kirchen und auch die Probleme vor. Für Koch ist klar, dass die Frage des Primats nur die “Spitze des Eisbergs” ist. Der “Ökumene-Chef“ des Vatikans erinnerte auch an die Worte von Papst Benedikt, der betont hat, dass Ostkirchen “echte Teilkirchen” sind. “In diesem Sinn ist die Einheit mit dem Papst nicht konstitutiv für die Teilkirche.”

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Koch erklärte dann klar, dass das “Ziel des ökumenischen Dialogs” die Wiederherstellung der “sakramentalen Religionsgemeinschaft” sei. Dies sei auch das “schönste Motiv” für die ökumenische Arbeit. Persönliche Beziehungen in dieser Sache seien auch “unendlich wichtig”, damit man in den “grundlegenden Fragen” weiter komme.

Für viel Applaus beim Publikum sorgte dann Erzbischof Hilarion Alfejew in Würzburg, der in einem kurzen Grundsatzreferat darauf verwies, dass in den letzten 20 Jahren die Beziehungen zwischen orthodoxen und katholischen Kirchen ernsten Belastungen ausgesetzt waren. Diese wurden durch die neue politische Situation nach dem Fall der Berliner Mauer geschaffen.

Wörtlich sagte Erzbischof Alfejew: “Sowohl die katholische Kirche als auch die orthodoxe Kirche betrachten sich als die wahre Kirche, die über die Fülle der göttlichen Gnade verfügt. “ Für den “Außenminister” der russisch-orthodoxen Kirche habe es seit der Wahl von Papst Benedikt “erhebliche Fortschritte” gegeben, da dieser die orthodoxe Kirche sehr gut kenne.

Katholiken und Orthodoxe seien auch mit gleichen Herausforderungen konfrontiert, die die moderne Welt stelle. Wörtlich sagte der Erzbischof: “Es geht um die Gegenwart und Zukunft der menschlichen Gemeinschaft. Obwohl wir strukturell nicht eine Kirche sind, können wir dennoch Formen einer Zusammenarbeit finden, die es uns ermöglichen, eine gemeinsame Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart zu geben.”

Dann erinnerte Hilarion Alfejew, dass es um traditionelle Vorstellungen wie Kindererziehung oder den Wert des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlich Tod gehe. “Heute schützen nur die katholische und die orthodoxe Kirche das traditionelle Familienleben. Ich bin froh, dass eine konkrete Zusammenarbeit in dieser Richtung bereits verwirklicht wird.”

Der Erzbischof erinnert auch daran, dass Christen die “größte religiöse Gemeinschaft” ist, die Verfolgungen ausgesetzt ist. Dies komme immer öfter auch in Ländern mit alter und tiefer christlicher Tradition vor, ganz konkret auch in einigen Staaten Westeuropas. Beim bekannten “Kreuz”-Urteil gegen Italien habe das Moskauer Patriarchat den Protest der römisch-katholischen Kirche unterstützt.

Wörtlich sagte Hilarion Alfejew: “Orthodoxe und Katholiken sollten sich heute nicht als Rivalen betrachten, sondern als Verbündete zum Schutz der Rechte der Christen. Wir haben ein gemeinsames Missionsfeld, das heutige Europa, das seine religiösen Wurzeln eingebüßt hat. Die Zukunft hängt von unseren gemeinsamen Anstrengungen ab.” Er plädiere daher für “strategische Allianzen” zugunsten der Familie und zugunsten des christlichen Erbes in Europa.

Es handle sich dabei um “den gemeinsamen Kampf”. Das sei ein Kampf nicht gegen etwas, sondern für etwas. “Wir kämpfen nicht gegen die Abtreibungen, sondern für das menschliche Leben. Wir kämpfen nicht gegen die Euthanasie, sondern für die Würde des Menschen. Wir müssen nicht gegen die Familienplanung kämpfen, sondern dafür, dass wir Kinder haben.”

Auch das heikle Thema Islam wurde angesprochen. Der russisch-orthodoxe Erzbischof zitierte dabei Kardinal Koch, der einmal davon sprach, dass wir nicht den starken Islam fürchten müssen, sondern ein schwaches Christentum. “Ein Christ soll überall ein Christ sein”, appellierte der Erzbischof an die Teilnehmer des Kongresses.

Die wichtigste Ursache der Verringerung des Christentums seien auch nicht „ökumenische Gründe”, sondern dass die “menschlichen Werteskalen” umgedreht würden. An erster Stelle stehen heute die materiellen Dinge und berufliche Vorstellungen. Da passen dann drei, vier oder zehn Kinder nicht mehr in das Bild. Darum verringere sich auch unsere Bevölkerung.

Jedes Mal, wenn der Papst sich äußere und etwas offen zur Sittlichkeit sage, werde er kritisiert und angegriffen, kritisierte Alfejew. “Daher schlage ich vor, dass wir gemeinsam das traditionelle Christentum verteidigen. Nicht gegen Islam, sondern für das Christentum. Nicht gegen den Säkularismus, sondern für die traditionellen christlichen Werte.”

Für den vatikanischen Ökumene-Chef Kardinal Koch seien strategische Allianzen durchaus vorstellbar. Er sei sich aber nicht sicher, ob er auch so reden könne wie der russisch-orthodoxe Erzbischof. Er sei sich nicht sicher, ob er auch so die römisch-katholische Kirche hinter sich habe, “vor allem in den deutschsprachigen Ländern”.

“Wenn wir diese Beispiele nennen, den Schutz der Familie, der Würde des menschlichen Lebens, sind das Themen, die in unserer römisch-katholischen Kirche selbst höchst umstritten sind. Deswegen sind wir nicht diese Partner, die wir eigentlich sein müssten.”

Koch erzählte dann auch von einer kürzlich stattgefundenen Begegnung mit Patriarch Kyrill. Dieser bewundere den Hl. Vater für das, was er sagt und was er tut. Der Patriarch leide auch mit, weil er permanent als Konservativer abgestempelt werde. “Es sind nicht nur die weltlichen Medien, die das so tun. Es sind die innerkirchlichen Kämpfe, über die dann die weltlichen Medien informieren, und teilweise genüsslich informieren.”

Abschließend sagte Koch: “Es geht nicht um einen Kampf gegen etwas, sondern um einen Kampf für etwas. Das ist auch das grundlegende Programm von Papst Benedikt. Es geht um nicht Verbote, sondern um etwas Gutes. Diese positive Botschaft muss heute rüberkommen. Dafür haben die Menschen wache Ohren, weil sie spüren, dass mit unserer Gesellschaft etwas nicht mehr stimmt.”

Video von der Veranstaltung in Kürze auf kathTube

Foto: (c) kath.net / christoph Hurnaus / papstfoto.com


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