11 März 2011, 17:05
Das Grabtuch von Turin – eine Reliquie
 
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Ein Abschnitt aus dem zweiten Band von ‚Jesus von Nazareth’ wirft ein neues Licht auf das Verhältnis Benedikts XVI. zur ‚Sacra Sindone’. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Eine dem Anschein nach kleine, aber wichtige Aussage Benedikts XVI. zum heiligen Grabtuch von Turin wirft ein neues und interessantes Licht auf das Verhältnis des Papstes zur „Sacra Sindone“, dem heiligen Grabtuch von Turin. Die Gläubigen verehren das heilige Linnen als jenes Tuch, das auf geheimnisvolle Weise das Bild Jesu bewahrt, so wie es sich in den Stunden seiner Grablegung nach der Kreuzigung eingeprägt hatte.

An einem entscheidenden Punkt im Kapitel „Kreuzigung und Grablegung Jesu“ schreibt Benedikt XVI.: „Weiterhin ist die Nachricht wichtig, dass Josef ein Linnen kaufte, in das er den Verstorbenen hüllte. Während die Synoptiker in der Einzahl einfach von einem Linnentuch sprechen, gebraucht Johannes die Mehrzahl ‚Leinenbinden’ (19,40) gemäß jüdischer Begräbnissitte – der Auferstehungsbericht kommt darauf noch einmal genauer zu sprechen. Die Frage der Übereinstimmung mit dem Turiner Grabtuch Jesu braucht uns hier nicht zu beschäftigen; in jedem Fall aber ist die Gestalt dieser Reliquie mit beiden Berichten grundsätzlich vereinbar“ (Jesus von Nazareth II, S. 252).

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In der „Sindone“ erkennt Benedikt XVI. nunmehr eine Reliquie: das ist eine Überraschung. Eine Reliquie ist laut einer der meist bekannten und benutzten Internetenzyklopädien „ein Gegenstand religiöser Verehrung, besonders ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen“. Der Papst erklärt somit, dass das Grabtuch, das mit den beiden Berichten der Synoptiker über die Grablegung übereinstimmt, ein Gegenstand ist, der direkt mit dem gekreuzigten und gestorbenen Jesus in Kontakt war. Und diese auf den ersten Blick unscheinbare Aussage, die wohl kaum zufällig an einer derart entscheidenden Stelle auftaucht, lässt aufhören und verleiht dem geheimnisvollen Gegenstand einen neuen Stellenwert für den Glauben.

Viele werden sich an die Reise Benedikts XVI. vom 2. Mai 2010 nach Turin anlässlich der Ausstellung des Grabtuches im Dom erinnern. In seiner Meditation zur Verehrung des Grabtuches hatte es der Papst vermieden, von „Reliquie“ zu sprechen, und sich damit nicht auf eine Diskussion um die Datierung des Tuches und dessen Authentizität eingelassen. In Turin sprach der Papst davon, dass er im Lauf der Jahre für die Botschaft dieses außergewöhnlichen „Bildes“ sensibler geworden sei, und bezeichnete das Grabtuch als „Ikone des Geheimnisses des Karsamstags“: „Das Grabtuch ist eine Ikone, die mit Blut gemalt wurde, mit dem Blut eines gegeißelten, dornengekrönten und gekreuzigten Mannes, dessen rechte Seite verwundet wurde“.

Eine „Ikone“ oder ein „Bild“ ist noch keine Reliquie und besitzt einen völlig anderen Charakter gegenüber einem Gegenstand, der durch die konkrete Berührung mit einem Heiligen – mit dem Sohn Gottes – geheiligt worden ist und somit in der Lage ist, den Gläubigen durch seine Verehrung in eine besondere Nähe zum Heiligen – zu Gott zu bringen.

Nun: Benedikt XVI. nennt die „Sacra Sindone“ jetzt Reliquie. Eine große Änderung von weitreichender Bedeutung. Indem das Grabtuch als Reliquie erkannt wird, scheint sich die Sensibilität Benedikts XVI. gegenüber dem heiligen Linnen noch mehr gestärkt zu haben. Dadurch, dass die „Ikone“ zur Reliquie revolutioniert wird, lässt der Papst verstehen, dass mit dieser Reliquie dem Christen eine Glaubenshilfe zur Verfügung steht, durch die er sich noch tiefer in die reale, konkrete Geschichte Gottes mit der Menschheit versenken kann.

„Und das lässt mich daran denken, dass das heilige Grabtuch wie ein ‚fotografisches’ Dokument ist, das ein ‚Positiv’ und ein ‚Negativ’ hat. Es ist wirklich so: Das dunkelste Geheimnis des Glaubens ist zur gleichen Zeit das hellste Zeichen einer Hoffnung, die keine Grenzen hat. Der Karsamstag ist das ‚Niemandsland’ zwischen Tod und Auferstehung, aber dieses ‚Niemandsland’ hat einer, der Einzige betreten, der es durchquert hat mit den Zeichen seines Leidens für den Menschen: ‚Passio Christi. Passio hominis’. Und das Grabtuch spricht genau von diesem Augenblick zu uns, es bezeugt gerade dieses einzigartige und unwiederholbare Intervall in der Geschichte der Menschheit und des Universums, in dem Gott in Jesus Christus nicht nur unser Sterben geteilt hat, sondern auch unser Bleiben im Tod. Radikalste Solidarität“ (2.5.2010).

Ein Weg ist vollendet. Gerade der Karsamstag als der Tag, an dem Gott radikal verborgen ist, hat der Geschichte das wahre Bild des Gottessohnes geschenkt und es ihr als Reliquie hinterlassen.









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