23 Februar 2011, 12:37
Das Gebet – die Seele allen Tuns
 
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Benedikt XVI. stellt den Kirchenlehrer Robert Bellarmin vor: ‚Wer Gott findet, findet alles, wer Gott verliert, verliert alles’. Wahre Reform der Kirche ist nur durch eine persönliche Reform und die Bekehrung der Herzen möglich. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit Papst Benedikts XVI. stand während der heutigen achten Generalaudienz des Jahres 2011 der große Heilige, Jesuit und Kirchenlehrer Robert Bellarmin (* 4. Oktober 1542 in Montepulciano; † 17. September 1621 in Rom). Vor über 8.000 Pilgern und Besuchern gab der Papst einen Überblick über das Leben und die wesentlichen Elemente der Lehre Bellarmins, der 1599 gegen seinen Willen in das Kardinalskollegium aufgenommen und daraufhin zum Bischof geweiht worden war. Bellarmin wurde am 13. Mai 1923 von Papst Pius XI. selig- und am 29. Juni 1930 heiliggesprochen. 1931 wurde er zum Kirchenlehrer erhoben. Sein Grab befindet sich zusammen mit dem des heiligen Jan Berchmans und des heiligen Aloysius von Gonzaga in der römischen Jesuitenkirche „Sant’Ignazio“.

Robert Bellarmin lasse die Erinnerung an die Zeit der schmerzhaften Spaltung der Christenheit im Abendland zurückkehren, als eine schwere politische und religiöse Krise den Abfall ganzer Nationen vom Heiligen Stuhl verursacht habe. Der Heilige habe eine wichtige Rolle in der Kirche der letzten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts und der ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts eingenommen. Seine apologetischen Schriften „Disputationes de controversiis christianae fidei adversus hujus temporis haereticos“ (1568-93) bildeten einen noch heute gültigen Bezugspunkt für die katholische Ekklesiologie hinsichtlich der Fraggestellungen über die Offenbarung, das Wesen der Kirche, die Sakramente und die theologische Anthropologie. In diesen Schriften werde aufgrund der sich damals im Umlauf befindenden Irrtümer der institutionelle Aspekt der Kirche hervorgehoben.

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Dennoch sei es ein Anliegen Bellarmins gewesen, die unsichtbaren Aspekte der Kirche als mystischer Leib Christi zu klären. Er habe diese mit der Analogie von Leib und Seele erläutert, um zu einer Beschreibung der Beziehung zwischen dem inneren Reichtum der Kirche und den äußeren Aspekten zu gelangen, die sie wahrnehmbar machten. In dem monumentalen Werk der „Disputationes“ habe Bellarmin jeglichen polemischen und aggressiven Zuschnitt gegenüber den Ideen der Reformation vermieden. Vielmehr habe er Argumente der Vernunft und der Tradition der Kirche benutzt und auf diese Weise deutlich und wirksam die katholische Lehre erläutert.

Das Erbe des heiligen Robert Bellarmin besteht für Benedikt XVI. in der Weise, wie er seine Arbeit auffasste. Die anspruchsvollen Pflichten der Regierung hätten ihn nicht daran gehindert, täglich in Treue gegenüber seinem Stand als Ordensmann, Priester und Bischof nach der Heiligkeit zu streben. Dieser Treue entstamme sein Einsatz für die Verkündigung. Da er als Priester und Bischof vor allem Seelsorger gewesen sei, habe er sich zu einer eifrigen Tätigkeit als Prediger verpflichtet gefühlt.

Seine Predigten und Katechesen zeichneten sich durch dieselbe Wesentlichkeit aus, die er durch seine ignatianische Erziehung erworben habe. Diese habe gänzlich darauf abgezielt, die Kräfte der Seele auf Jesus, den Herrn, zu konzentrieren. In den Predigten Bellarmins könne sehr deutlich und dennoch mit aller Reserviertheit, hinter der er seine Gefühle verberge, der Vorrang erkannt werden, den er den Lehren Christi einräume.

Auf diese Wiese biete der heilige Robert Bellarmin ein Vorbild für das Gebet, „das die Seele allen Tuns“ ist: „Ein Gebet, das auf das Wort des Herrn hört, das in der Betrachtung der Größe Genugtuung findet, das sich nicht in sich selbst zurückzieht, sondern froh ist, sich Gott zu überlassen“.

Ein die Spiritualität Bellarmins kennzeichnendes Merkmal sei „die lebendige und persönliche Wahrnehmung der unendlichen Güte Gottes, wodurch sich der Heilige wirklich als von ihm geliebter Sohn empfand“. Dies sei die Quelle der großen Freude gewesen, die ihn erfüllt habe, wenn er sich in Ruhe und Einfachheit im Gebet und in der Betrachtung Gottes gesammelt habe. So habe Bellarmin in seinem nach dem Vorbild des heiligen Bonaventura verfassten Werk „De ascensione mentis in Deum“ (Der Aufstieg des Geistes zu Gott) betont: „Wer Gott findet, findet alles, wer Gott verliert, verliert alles“.

Bellarmin, der in der reichen und oft kranken Gesellschaft der letzten Jahre des 16. Jahrhunderts und der ersten Jahre des 17. Jahrhunderts gelebt habe, entnehme dieser Betrachtung Gottes praktische Anwendungen. In seinen Werken „verweist er als sichere Norm des guten Lebens und auch des guten Sterbens auf die häufige und ernsthafte Meditation über die Tatsache, dass der Mensch Gott über seine Taten und seine Lebensweise Rechenschaft ablegen werden muss“.

Bellarmin habe den Klerus und alle Gläubigen zu einer persönlichen und konkreten Reform des eigenen Lebens aufgerufen, indem den Lehren der Schrift und der Heiligen gefolgt werden sollte. Der Heilige lehre mit großer Klarheit und mit dem Beispiel des eigenen Lebens, „dass es keine wahre Reform der Kirche geben kann, wenn vorher nicht unsere persönliche Reform und die Bekehrung unseres Herzens stattfindet“.

Aus den „Geistlichen Übungen“ des heiligen Ignatius von Loyola habe Bellarmin die Weise geschöpft, wie vertieft auch den einfachsten Menschen die Schönheit der Geheimnisse des Glaubens vermittelt werden könnten:

„Wenn du Weisheit besitzt, so begreife, dass du für die Herrlichkeit Gottes und für dein ewiges Heil geschaffen bist. Das ist dein Ziel, das ist der Mittelpunkt deiner Seele, das ist der Schatz deines Herzens. Halte daher für dein wahres Gut das, was dich zu seinem Ziel führt, für das wahre Übel das, was es dich verfehlen lässt. Reiche und nachteilige Ereignisse, Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit, Ehren und Beleidigungen, Leben und Tod: der Weise darf sie für sich weder suchen noch ihnen ausweichen. Doch gut und wünschenswert sind sie nur, wenn sie zur Herrlichkeit Gottes und zu deinem ewigen Glück beitragen, schlecht und zu vermeiden sind sie, wenn sie dieses behindern“ (De ascensione mentis in Deum, grad. 1).

Benedikt XVI. betonte abschließend, dass derartige Worte „nicht aus der Mode gekommen“ seien. Vielmehr müssten sie dem Weg der Menschen von heute Richtung verleihen: „Sie rufen in Erinnerung, dass das Ziel unseres Lebens der Herr ist, der Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat, in dem er uns weiterhin ruft und uns die Gemeinschaft mit ihm verspricht“.

Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Pilger, heute besonders Bischof Ludwig Schwarz mit den Dechanten aus der Diözese Linz. Die Heiligen sind zu einer tiefen Erkenntnis Gottes gelangt. Lernen wir vom heiligen Kirchenlehrer Robert Bellarmin, Gott mit Ausdauer und Liebe zu suchen. Der Herr selbst schenke uns dazu seine Gnade.




Der Katechismus des heiligen Robert Bellarmin auf Deutsch:

Robert Bellarmin
Katechismen. Glaubensbekenntnis. Vater unser.
Übersetzt und herausgegeben von Andreas Wollbold
Würzburg 2008
304 Seiten
ISBN 978-3-429-03046-9
Preis: 20,80 Euro

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