11 Februar 2011, 10:04
80 Jahre Radio Vatikan
 
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Mit dem traditionellen Gruß ‚Laudetur Jesus Christus – Gelobt sei Jesus Christus!’ beginnen heute wie vor achtzig Jahren die Sendungen von Radio Vatikan. Sendungen, die in die ganze Welt ausgestrahlt werden. Von Ulrich Nersinger

Rom (kath.net/un) Am 12. Februar 1931, einem kalten, aber klaren Wintertag, begab sich Papst Pius XI. (1922-1939) mit einem kleinen Gefolge in die Vatikanischen Gärten. Ein denkwürdiges Ereignis stand an. In der Palazzina Leos XIII. (1878-1903), dem ehemaligen Landhäuschen des Pecci-Papstes, hatte man einen neuen Rundfunksender eingerichtet, den der Heilige Vater feierlich einweihen sollte: Radio Vatikan.

Das erste Signal, das über den Sender ging, war ein Morsecode. Ein Techniker gab in die Apparatur die lateinischen Worte ein: „In nomine Domini. Amen – Im Namen des Herrn. Amen“. Guglielmo Marconi, Nobelpreisträger, Rundfunkpionier und Erbauer des Vatikansenders, trat dann an das Mikrophon und kündigte eine Ansprache des Papstes an.

Die erste Radiobotschaft eines Papstes war überall gut zu vernehmen gewesen. In vielen katholischen Universitäten, Ordenshäusern und Pfarrsälen in der ganzen Welt standen zu diesem Zweck eigens angeschaffte Radioapparate bereit, sogar in Kirchen hatte man Empfangsgeräte aufgestellt. In der Kathedrale von Westminster (London) lauschten mehr als 3.000 Gläubige den Worten Pius’ XI. Der Papst hatte erkannt, dass ihm ein eigener Radiosender die Möglichkeit gab, sich mit seiner Stimme an mehr Christen als je zuvor zu wenden. Für das Oberhaupt der katholischen Kirche war diese eine zeitgemäße und wirkungsvolle Form der Verkündigung der christlichen Botschaft.

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Schon acht Jahre nach der Gründung von Radio Vatikan musste sich Papst Pius XII. (1939-1958) über das Mikrophon an die Mächtigen der Erde wenden, um sie zur Bewahrung des Friedens aufzurufen. Am 24. August 1939 waren deutliche Worte zu hören: „Nichts ist mit dem Frieden verloren. Alles kann verloren sein mit dem Krieg ... Mögen uns die Starken hören, damit sie nicht schwach werden in der Gerechtigkeit. Mögen uns die Mächtigen hören, wenn sie wollen, dass ihre Macht nicht Zerstörung sei, sondern Stütze für die Völker und Schutz in der Ordnung und in der Arbeit“.

Eine besondere Rolle kam dem päpstlichen Rundfunksender während des Zweiten Weltkrieges zu. Reichspropagandaminister Josef Goebbels hatte schon früh die Gefahr erahnt, die von dem unabhängigen Sender ausging; er hielt ihn wegen seiner seriösen Berichterstattung für weitaus bedrohlicher als die Londoner BBC.


Auswärtiges Amt, Reichspropagandaministerium und die Gestapo verfolgten aufmerksam die Sendungen von Radio Vatikan; penibel notierten sie jedes Wort, das über den Sender ging. Im Januar 1940 wurde auf Anordnung des Papstes das „Ufficio Informazioni“ (Nachrichtenbüro) geschaffen, einer der effektivsten Hilfs- und Suchdienste für Kriegsgefangene, Internierte, Flüchtlinge, Heimatlose und Ausgebombte. In den Jahren von 1940 bis 1946 wurden 1.240.728 Suchaufrufe in 12.105 Übertragungsstunden ausgestrahlt.

Nach dem Ende des Krieges informierte Radio Vatikan die Menschen in den kommunistischen Staaten Osteuropas und Asiens über die Kirche und die freie Welt. Die Sendungen zu stören oder zu unterbinden, war erklärtes Ziel der marxistischen Regime. Pius XII. ließ sich von den Drohungen, die diese Unterdrückerstaaten von sich gaben, nicht beeindrucken. Mit großem Engagement setzte er sich daher auch für einen Ausbau der Sendekapazitäten von Radio Vatikan ein. Auch in der kurzen Regierungszeit des seligen Johannes’ XXIII. (1958-1963) wurde Wert auf einen Ausbau des päpstlichen Senders gelegt; der Papst weihte eine Reihe neuer Kurzwellen-Transmitter ein, die die Übertragungsleistungen nach Afrika, Asien, Australien und Neuseeland erhöhen sollten.

Im Oktober des Jahres 1962 stand die Welt am Rande eines neuen Weltkrieges. Der Bau sowjetischer Raketenbasen auf Kuba hatte einen Konflikt zwischen der Sowjetunion und den USA heraufbeschworen, eine Situation, die auf eine Eskalation hinsteuerte. Am 25. Oktober 1962 wandte sich Johannes XXIII. über Radio Vatikan mit bewegter Stimme an die Streitparteien. In französischer Sprache bat der Papst: „‚Herr, höre das Flehen Deines Dieners, höre das Flehen Deiner Diener, die Deinen Namen fürchten.’ Dieses alte biblische Gebet kommt heute über Unsere Lippen, kommt aus der Tiefe Unseres bewegten und betrübten Herzens ... Es ziehen drohende Wolken auf, die den internationalen Horizont verdunkeln und in Millionen und aber Millionen Familien Angst säen ... Wir flehen die Staatsoberhäupter an, nicht unempfindlich zu bleiben gegenüber diesem Aufschrei der Menschheit. Sie sollen alles in ihrer Macht stehende tun, um den Frieden zu retten. Sie sollen weiter verhandeln. Darauf nämlich ruht der Segen des Himmels und der Erde“. Eindringlich forderte der Papst alle Menschen auf, zum Gebet Zuflucht zu nehmen. Zur allgemeinen Verblüffung veröffentlichte die „Prawda“ am 26. Oktober den Friedensaufruf des Papstes; Nikita Chruschtschow erklärte später, die Worte Johannes’ XXIII. hätten ihn und viele Russen beeindruckt.

Papst Paul VI. (1963-1978) richtete schon unmittelbar nach seiner Wahl zum Oberhaupt der Katholischen Kirche sein besonderes Augenmerk auf Radio Vatikan. In den Pontifikaten der beiden letzten Pius-Päpste hatte der Heilige Vater als Beamter im Päpstlichen Staatssekretariat die Entwicklung des Senders aus nächster Nähe miterleben dürfen und seine Bedeutung für die Kirche erkannt und schätzen gelernt. Als Paul VI. 1964 ins Heilige Land flog, begleitete Radio Vatikan diese vielbeachtete Pilgerfahrt; ein weiterer, arbeitsintensiver Einsatz des päpstlichen Senders folgte bald: die Übertragung der Rede, die der Papst 1966 vor der 21. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York hielt.

In den Jahren 1966 und 1967 gab Paul VI. dem Radiosender eine neue Struktur; für die Leitung bestimmte er einen Generaldirektor, einen Programmdirektor, einen Verantwortlichen für die Informationsdienste und einen technischen Direktor – alles Angehörige des Jesuitenordens. Am 29. Januar 1970 weihte Kardinalstaatssekretär Jean Villot den Palazzo Pio, den neuen, am Beginn der Via della Conciliazone gelegenen Sitz von Radio Vatikan ein. 1972 erschien erstmals ein „Bolletino“, ein kostenloses Programmheft von Radio Vatikan.
In seinem Pontifikat hatte Paul VI. auch für eine technische Aufrüstung ders Senders gesorgt. 1966 war mit finanzieller Hilfe von Kardinal Francis Spellman (New York) und der nordamerikanischen Laienvereinigung „Knights of Columbus“ (Kolumbus-Ritter) der Bau neuer RCA-Transmitter in Angriff genommen worden. 1970 erweiterte Radio Vatikan seine Sendekapazität um drei 100 kw Transmitter, einen 150 kw Booster und vier Direktantennen; 1975 begannen dann Ingenieure auf dem exterritorialen Gebiet von Santa Maria di Galeria mit der Konstruktion von neuen 500 kw Sendern.

Mit dem Amtsantritt Papst Johannes Pauls II. (1978-2005) wuchsen die Aufgaben von Radio Vatikan. Die Zahl der Live-Übertragungen päpstlicher Feiern und Auslandsreisen stieg enorm an; ebenso zeigte sich bei ausländischen Sendeanstalten vermehrt Interesse an der Übernahme von Sendungen.

Dem Evangelium Jesu Christi zu dienen, sieht sich die päpstliche Rundfunkanstalt heute wie vor 80 Jahren verpflichtet. Radio Vatikan sendet derzeit in rund 50 Sprachen und ist auf UKW in Rom, über Mittel- und Kurzwelle in Europa und über Kurzwelle in allen anderen Teilen der Erde zu hören, außerdem über Satellit und via Internet (www.radiovaticana.org). Das deutsche Hauptprogramm wird jeden Abend um 20.20 Uhr ausgestrahlt; wiederholt wird die Sendung am folgenden Tag um 6.20 Uhr. Neben den Sprachprogrammen gibt es Nachrichtendienste in den wichtigsten Sprachen der Welt; auf Deutsch werden täglich um 16.00 Uhr Nachrichten und aktuelle Informationen gesendet.

Da Radio Vatikan aufgrund technischer Spezifikationen nicht überall gut zu empfangen ist, und, um eine höhere Effizienz zu erreichen, übernehmen derzeit viele kirchliche Privatsender Programme von Radio Vatikan oder strahlen sie zeitversetzt aus; im deutschsprachigen Raum wären hier vor allem Radio Horeb, das Dom-Radio Köln, Radio Stephansdom (Österreich) und Radio Grüne-Welle (Südtirol/Italien) zu nennen. Viele Beiträge sind auch im Internet nachzulesen.

Die Radiostation des Papstes erfordert, da sie sich nicht durch kommerzielle Werbung mitträgt, ein hohes finanzielles Engagement des Heiligen Stuhls. Als man Papst Johannes Paul II. einmal auf diese hohe Belastung für den vatikanischen Haushalt ansprach, erwiderte er: „Bei der Verkündigung des christlichen Glaubens darf man nicht sparen!“







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