09 Dezember 2010, 11:30
Geht und berichtet, was ihr hört und seht
 
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Betrachtung zum 3. Adventssonntag (Lesejahr A) von P. Dr. Bernhard Sirch

Illschwang (kath.net)
3. Adventssonntag. Erste Lesung: Jes 35, 16a.10; zweite Lesung: Jak 5, 710; Ev. Mt. 11, 211

Johannes der Täufer, der im Gefängnis ist, möchte wissen, ob Jesus der Messias ist oder nicht. Es gibt bestimmte Kriterien für das messianische Reich. So sagt Jesus den Jüngern des Johannes: "Geht und berichtet, was ihr hört und seht: "Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet" (Mt 11, 5). "Blinde sehen wieder". Jesus hat die Not der Blinden gesehen und bewirkte, dass "Blinde wieder sehen". Wir können hier den Optikern und Augenärzten danken, die nahezu auch Wunder verbringen: etwa durch eine Hornhaut Transplantation oder Brillen. Wir können mit unseren Augen in die Tiefe des Weltalls blicken, wie keine Menschen vor uns. Das Internet bietet ungeahnte Möglichkeiten und sogar die Privatsphäre nicht mehr sicher gestellt ist. Ich möchte hier etwas innehalten; ich denke mir: es geht heute nicht nur um die physische Blindheit. Jesus mahnt: "Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören" (Mk 8,18). Wir sind bisweilen "mit Blindheit geschlagen" (Lk 24,16). Zeichen für das messianische Reich, für das Reich Gottes, das jetzt schon beginnt, ist ein offenes Auge für die Mitmenschen, für Gott. Wir können uns fragen:

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a) Sehe ich, was einem Mitmenschen neben mir weh tut, was ihn quält, worunter er leidet oder bin ich blind? Vergessen wir nicht: Gott hat eine Schwäche für die Schwachen. Öffnen wir unser Auge für die Not des Nächsten. Bitten wir Jesus, dass er unsere "Blindheit" heilt.

b) Habe ich ein Auge für Gott? Oder gilt nach dem Gottesdienst: "Aus dem Auge, aus dem Sinn?" Der Gottesdienst soll übergehen in den Dienst vor Gott, so dass unser ganzes Leben ein Gottesdienst ist. Pater Rupert Mayer sagte oft: "Gott ist überall; auch in meiner Bude, auch im Gefängnis". Das machte ihn stark. Darum die Frage: Glaube ich an Gott in meinem Alltag? Rechne ich mit ihm in meinem praktischen Leben? Bitten wir Gott, dass er "die Augen unseres Herzens" erleuchte (Eph 1,18).

"Lahme gehen wieder" ist ein weiteres Zeichen für das messianische Reich: Jesus hat Lahme geheilt, sie konnten wieder gehen. Die Füße sind uns gegeben, damit wir vorwärtskommen. Entscheidend ist aber nicht nur das physische Vorwärtskommen, sondern das Vorwärtskommen im Glauben. Fragen wir uns doch: Bin ich vielleicht inzwischen in meinem Glaubensleben stehengeblieben? Was müsste ich tun, dass sich bei mir wieder etwas bewegt, dass ich ein Stück weiterkomme. Was müsste ich aus dem Weg räumen in meinem geistlichen Leben um vorwärtszukommen. Fehlt es mir an Ausdauer? Habe ich noch den ursprünglichen Elan? Bin ich zu sprunghaft und habe kein Durchhaltevermögen? Erlaube ich mir Seitensprünge, die vom Ziel abgehen? Jesus sagt: Ich bin der Weg. Bitten wir Gott um die Kraft des heiligen Geistes, der uns zum Guten antreibt, der die Lahmen wieder zum Gehen bringt, der uns wieder stärkt und aufmuntert auf unserem Weg zu Gott.

Stärke ich die Anderen auf Ihrem Weg zu Gott oder bin ich ein Hindernis? Vielleicht bin ich mir selber ein Hinternis? Jesus mahnt: "Wenn dich deine Hand oder dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Es ist besser für dich, verstümmelt oder lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen und zwei Füßen in das ewige Feuer geworfen zu werden. Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben zu gelangen, als mit zwei Augen in das Feuer der Hölle geworfen zu werden (Mt 8, 8.9).
"Aussätzige werden rein" ist das dritte Zeichen des messianisches Reiches. "Aussatz" war zur Zeit Jesu eine Krankheit, auf Grund derer die Menschen sich von den übrigen Menschen fernhalten mussten, sie waren geächtet. Jesus holte diese Menschen wieder in die Gemeinschaft zurück.

Jesus ist vor allem gekommen, um uns in die Gemeinschaft mit Gott wieder zurückzuholen. Auf Grund unserer Sünden sind wir "Aussätzige". Spüren wir dies überhaupt noch? Wir sind vor allem aufgerufen, uns immer wieder vom Aussatz der Sünde zu reini-gen. "Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee (Jes 1,18). Christus ist gekommen, uns von unseren Sünden zu erlösen und uns zu einer neuen Schöpfung zu machen. Er will uns heil, heilig machen, dass wir uns aufmachen können zu Gott, dem Heiligen, der unter uns wohnen will. Herr, heile den Aussatz unserer Seele.

Das vierte Zeichen für das messianische Reich ist: "Taube hören". Nach der Heilung des Taubstummen sagen die Menschen über Jesus: "Er hat alles gut gemacht; er macht, daß die Tauben hören und die Stummen sprechen" (Mk 7,37). Jesus heilte viele Kranke. "Die Menschen waren erstaunt und priesen den Gott Israels" (Mt 15, 2931).
Wir müssen vor Gott stille werden, damit wir vor allem sein Wort hören können. In der Stille der Nacht wurde das Wort Gottes: Mensch. Wenn wir das Ohr unseres Herzens für Gott öffnen, geschieht erneut die Menschwerdung des ewigen Wortes.

Wir dürfen dabei nicht übersehen, dass hellhörig gegenüber Gott zu sein, eine Voraussetzung hat, nämlich die Fähigkeit: für den Mitmenschen ein Ohr zu haben. Gott hat dem Menschen zwei Ohren und nur einen Mund gegeben, damit wir doppelt soviel zuhö-ren als reden. Manche Menschen haben zwei Ohren mit der Spezialität von größeren Geschäften: durchgehend geöffnet, hier herein und dort hinaus. Diese Menschen sind trotz der Ohren taub. Ich kann Ihnen nur wünschen, wenn Sie einmal in tiefer Not sind, dass sie einen Menschen finden, der ihnen zuhört und nicht von vorneherein verurteilt. Bitten wir Gott, dass er das Ohr unseres Herzen für die Mitmenschen öffnet und dass wir dadurch fähig werden, auch auf sein Wort zu hören.

Als fünftes Zeichen für das messianische Reich gibt Jesus an:"Tote stehen auf". Damit ist der Zentralpunkt unseres Glaubens berührt. Die Auferstehung Jesu von den Toten war die erste und wichtigste Botschaft der Apostel. Alle übrigen Glaubensgeheimnisse: "Die Geburt aus der Jungfrau Maria, die Aufnahme Mariens in den Himmel" können nur im Blick auf die Botschaft von der Auferstehung gesehen und geglaubt werden. Wer die unglaubliche Botschaft von der Auferstehung ernst nimmt, für den sind die Glaubensgeheimnisse in der Periferie keine großen Probleme mehr. Wer den Glauben an die Auferstehung der Toten sich aneignet, dessen Leben ändert sich grundlegend, da er eine neue Zielrichtung hat. Wir können uns fragen: Leben wir eigentlich so, als ob das Entscheidende in unserem Leben noch aussteht?

"Den Armen wird das Evangelium, die frohe Botschaft verkündet" ist das sechste Zeichen für das messianische Reich. Noch vor wenigen Jahren hätte man die Entwicklung im Ostblock, in der DDR nicht für möglich gehalten. Die Mauer zwischen der DDR und der Bundesrepublik hat den trennenden Charakter verloren, die Mauer im Brandenburger Tor ist durchbrochen, die Menschen können ungehindert von Ost nach West und von West nach Ost gehen. Vor Freude weinten Menschen über diese frohen Ereignise. Ein ähnliches Ereignis feiern wir an Weihnachten: Der Sohn Gottes wird Mensch. Die Mauer zwischen Gott und dem Menschen wird niedergerissen: Gott kommt zu den Menschen, die Menschen kommen zu Gott. Christus nimmt an Weihnachten, in dieser geweihten Nacht, menschliche Gestalt an, er wird einer von uns, Gott wird Mensch. Diese Wandlung, setzt sich bei der Taufe fort: der Mensch erhält göttliche Natur, er hat teil am göttlichen, ewigen Leben.

Dieses Evangelium, diese frohe Botschaft wird den Armen verkündet: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr" (Lk 2, 10.11). So wie die Freude über den Mauerfall verklungen ist, so besteht auch bei uns die Gefahr, dass wir im Alltag aufgehen und die frohe Botschaft Jesu nicht mehr wahrnehmen. Obwohl die hl. Familie abgelehnt wurde, kam Jesus Christus in die Welt. Maria "legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war"(Lk 2, 7). Den Armen, den "Hirten, auf freiem Feld lagerten" verkündete der Engel: "Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr" (Lk 2, 811). Damit sind die Kriterien für das Kommen des messianischen Reiches Gottes erfüllt, die der hl. Johannes der Täufer, der im Gefängnis war, und wissen wollte, ob Jesus der Messias ist oder nicht (Mt 11, 25).


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