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Wikileaks und der Vatikan: eine gute Nachricht!

29. November 2010 in Aktuelles, 19 Lesermeinungen
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Kein ‚Leck’ im Vatikan. Die amerikanischen Geheimdienste vertippen sich bei Papstwahl 2005 und ergeben sich Allgemeinplätzen und oberflächlichen Wertungen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Seit gestern Abend ist die Welt der Diplomatie in Aufruhr. Die bekannte Internetplattform „Wikileaks“ veröffentlichte mit der internationalen Hilfe von Zeitungen und Zeitschriften wie „Der Spiegel“, „New York Times“, „The Guardian“, „Le Monde“, „El Pais“ und anderen heiße Geheimpapiere, in denen die Wertungen der amerikanischen Diplomatie über Personen und Angelegenheiten des internationalen Parketts zum Ausdruck kommen. Über 8.000 nun veröffentlichte „Embassy files“ (Telegramme und Anmerkungen: insgesamt 251.287) bewegen die Regierungspaläste der Welt. Laut „Der Spiegel“ handelt es sich beim Großteil der Dokumente nicht um Files, die als „Top Secret“ qualifiziert sind, sondern um „vertrauliche“ Mitteilungen der Botschaften auf der Welt an das amerikanische Außenamt. Weniger als 15.600 Dokumente seien „secret“. Auch der Vatikan und dabei vor allem das Konklave 2005 gehörten zum Interessenbereich der amerikanischen Geheimdienste.

Was den Vatikan betrifft, ergeben sich aus den Dokumenten mit aller Klarheit sofort zwei Aspekte. Zum einen: der Vatikan hat kein „Leck“. Zum anderen: die amerikanische Diplomatie basiert ihre Wertungen auf Elementen und Aussagen, die allgemeinen, in den verschiedenen (vor allem italienischen Zeitungen) geäußerten Spekulationen und Urteilen entsprechen und zum größten Teil irrelevant und oberflächlich sind. Die amerikanischen Diplomaten gingen über allgemein zugängliche Hypothesen nicht hinaus.

Bereits am gestrigen Sonntag, 28. November, veröffentlichte das italienische Internetportal www.clandestinoweb.com eines der ersten Dokumente, die den Vatikan und dabei das Konklave 2005 betreffen. Für die amerikanischen Geheimdienste waren die Hauptkandidaten für die Nachfolge auf dem Stuhl des Petrus die Kardinäle Tettamanzi und Daneels als „typische“ Vertreter des liberal-progressistischen Flügels des Kardinalskollegiums. Auch ein „Konservativer“ wie Kardinal Castrillon Hoyos wurde als möglicher Papst gesehen.

Am 14. April 2005 übermittelte die amerikanische Botschaft beim Heiligen Stuhl ein siebenseitiges Dokument an die damalige Außenministerin Condoleeza Rice. Die Klassifizierung lautete „sensitive“. Das Dokument fasst die allgemeinen Wertungen der Diplomaten hinsichtlich der Person zusammen, die möglicherweise zum Papst gewählt werden wird.

Als erster Faktor wir das Alter des Kandidaten betont. Die Kardinäle würden jemanden suchen, der nicht zu alt ist. Gleichzeitig sollte ein langer Pontifikat wie der Pontifikat Johannes Pauls II. verhindert werden. Ein weiteres entscheidendes Element sahen die amerikanischen Diplomaten in den sprachlichen Fähigkeiten des künftigen Papstes. Dieser müsse gut italienisch können, da das Italienische die Sprache der Römischen Kurie sei. Vor allem aber wurde über die geographische Herkunft des neuen Papstes spekuliert: Nach einem Papst aus Osteuropa wurde es für unwahrscheinlich gehalten, dass dies erneut der Fall sein könnte. Ebenso wenig billigten die Diplomaten einem der 11 amerikanischen Kardinäle die Chance zu, gewählt zu werden, da diese Bürger der einzigen verblieben Supermacht der Welt seien. Auch ein Franzose sei unwahrscheinlich – weil Frankreich im 14. Jahrhundert zu starken Druck auf das Papsttum ausgeübt habe, meinten die Diplomaten weiters.


Nach diesen Erwägungen erklärt das Dokument, dass ein Kandidat aus Süd- oder Zentralamerika wahrscheinlich sei, dies auch aufgrund der großen Zahl von Katholiken, die in diesen Ländern leben.

Weitere Charakteristiken wurden als notwendig erkannt: der künftige Papst müsse pastorale Erfahrung haben, um seine menschlichen Qualitäten zu zeigen; dann müsse er auch eine Erfahrung auf dem internationalen Parkett besitzen und seine Botschaft gut kommunizieren können, was eine Vertrautheit mit den neuen elektronischen Medien voraussetze.

Am 18. April 2005, einen Tag vor der Wahl Benedikts XVI., übermittelt die amerikanische Botschaft beim Heiligen Stuhl ein Verzeichnis von 16 Kardinälen, die als „papabile“ erwägt werden. Das Verzeichnis ist in die geographischen Gebiete „Italien, restliches Europas, Lateinamerika und Asien“ unterteilt und führt die Kardinäle in alphabetischer Ordnung an. Als eines der Ergebnisse wird festgehalten, dass der Mailänder Kardinal Dionigi Tettamanzi „die Menschen aufgrund seiner Offenheit für die Jugend und seiner Fähigkeit, in einem modernen Kontext zu wirken, sehr für sich eingenommen hat“. Zusammen mit Godfried Daneels (Belgien: „Er versteht es, den Computer zu benutzen, ist ein scharfsinniger Theologe und repräsentiert den besten Kompromiss zwischen katholischer Lehre und sprachlichm Liberalismus") und dem Kolumbier Dario Castrillon Hoyos (dieser habe „das richtige Alter“ und sei „der perfekte Kandidat für alle jene, die einen Südamerikaner wollen, der die Kurie kennt“) ist Tettamanzi der Favorit der Amerikaner. Kardinal Christoph Schönborn wird als „zu jung“ eingestuft. Gleichzeitig habe ihn die Unfähigkeit, die Anti-Papst-Revolte in Österreich einzudämmen, geschwächt.

Doch es kam anderes: Einen Tag später wurde Joseph Ratzinger als der 265. Nachfolger der Petrus gewählt. Das Telegramm, mit dem die Botschaft in Rom die Wahl Benedikts XVI. nach Washington meldet, gibt zu, dass die am 14. und 18. April geäußerten Angaben auf falschen Vorhersagen seitens vatikanischer Quellen beruhten. Noch einen Tag vorher hätte ein Vertreter der Botschaft mit einer „vatikanischen Quelle“ gesprochen, die sich über die Wahl Ratzinger ironisch geäußert hätte. Trotz der Spekulationen vieler Medien über die Möglichkeiten Ratzingers sei dessen Wahl für viele eine Überraschung gewesen.

Die amerikanischen Diplomaten gaben somit zu, dass sie nicht den Stimmen vertraut hatten, die Ratzinger als einen Favoriten meldeten (darunter einige italienische Vatikanisten sowie die deutsche katholische Zeitung „Die Tagespost“). Sie hatten vielmehr an die Hypothese eines Papstes aus einem der Entwicklungsländer geglaubt. Nichtsdestoweniger definierten sie Ratzinger als einen „mächtigen Kardinal“, der im Ruf stehe, ein „Hüter der theologischen Rechtgläubigkeit“ zu sein.

Die unmittelbar nach der Wahl Benedikts XVI. geäußerten Vorhersagen erklären: der neue Papst werde den bisher eingeschlagenen Kurs fortsetzen; Zentrum der Interessen werde Europa sein; es könne sein, dass er ein „Übergangspapst“ ist.

Am 29. April 2005 setzt sich eine Note der amerikanischen Botschaft in Berlin mit den Folgen der Wahl Papst Benedikts XVI. auseinander. Die Note ist mit „Cloud“ unterzeichnet und trägt den Titel „Die Achse Rom-Köln? Deutschland und Benedikt XVI.“.

„Cloud“ beschreibt, „wie Deutschland und der deutsche Katholizismus die Wahl Benedikts XVI. mit einem Gemisch aus Stolz, Reserven und Skeptizismus“ begrüßt hätten. Laut der Note habe ein „einflussreicher deutscher Jesuit“ erklärt, Ratzingers konservative Züge müssten nicht unbedingt bestimmend für seine Amtsführung als Papst werden. Benedikt XVI. könne durchaus „zu den reformerischen Positionen seiner Anfänge zurückkehren“. Im deutschen Klerus herrsche Skeptizismus hinsichtlich der Möglichkeit, dass die Wahl Ratzingers langfristig der deutschen Kirche Vorteile bringe.

Laut einem Mitarbeiter der deutschen Bischofskonferenz, so „Cloud“, stehe man vor der Tatsache, „dass heutzutage die jungen Menschen konservativer sind als ihre Eltern“; doch auch wenn sie einerseits an den Kritiken des neuen Papstes an der bestehenden sozialen Ordnung interessiert seien, so würden sie dennoch nur schwer eine Moral akzeptieren, die die individuellen Freiheiten einschränke, in deren Genuss sie seien. „Es ist somit klar, dass die deutsche katholische Kirche, der Ratzinger seit 20 Jahren fernsteht, keine besonderen Privilegien und Rollen während dieses Pontifikats haben wird.“

In diesen Zusammenhang, so „Cloud“, würden einige katholische Laien daran erinnern, dass Ratzinger nach dem Jahr 1990 den Versuch unternommen habe, den Zusammenschluss eines Seminars aus der Zeit der DDR mit der Universität Erfurt zu verhindern, da er der Überzeugung gewesen sei, dass die finanziellen, politischen und institutionellen Verbindungen zwischen Kirche und Staat in Deutschland die Unabhängigkeit und die moralische Autorität der Kirche beeinträchtigen würden.

Auf den 12. Mai 2005 sind die ersten Analsyen zu den Perspektiven datiert, die sich aus dem neuen Pontifikat ergeben. Das Dokument trägt den Titel: „Benedict XVI: Looking Ahead to the New Pontificate“. Auf sieben Seiten setzt sich die amerikanische Diplomatie mit den Folgen der Wahl Benedikts XVI. auseinander.

Das Dokument gibt zu, dass die Kardinäle nicht über Details des Konklaves sprechen können. Dennoch gehe hervor, dass im Mittelpunkt die Kontinuität mit dem Pontifikat Johannes Pauls II., die theologische Orthodoxie sowie die Tatsache gestanden hätten, dass ein Papst gewählt worden sei, der nicht so lange regieren würde wie sein Vorgänger.

Für Ratzinger hätte gesprochen, dass er in den 23 Jahren an der Römischen Kurie Tausenden von Bischöfen und Kardinälen aus der ganzen Welt begegnet sei, diese ihn somit kannten und er Kenntnis von deren Problemen hatte. Die Wahl Ratzingers sei auch dadurch begünstigt worden, dass es zwischen den italienischen und südamerikanischen Kardinälen zu Spaltungen gekommen sei, was die Wahl eines Kandidaten aus einem Entwicklungsland verhindert hätte.

Erfolgreich sei die Strategie der Anhänger Ratzingers gewesen, die auf der Überzeugung gegründet habe, dass sich die Kirche in Zeiten der Krise auf ihre europäische Identität zurückziehen müsse. Daraus ergibt sich für das Dokument der Geheimdienste das Szenarium eines Pontifikats, das „auf Europa konzentriert ist“ und sich durch die Kritik Ratzingers „an einem Beitritt der Türkei zur Europäische Union“ auszeichne.

Was den Rest der Welt betrifft, so erwarte sich das Umfeld des neuen Papstes einen entschlossenen Einsatz gegen den Säkularismus in den Vereinigten Staaten sowie in anderen Ländern des Westens, verbunden mit einer besonderen Aufmerksamkeit gegenüber den Entwicklungsländern und vor allem Lateinamerika, dies aufgrund der vielen, die über die verfehlte Wahl eines südamerikanischen Kardinals enttäuscht gewesen sein.

Fazit: eine aufmerksame Lektüre der Dokumente ergibt die fast komische Tatsache, dass professionelle Diplomaten keine weitergehende Arbeit geleistet hatten als eine Vielzahl von Journalisten, die seit dem 2. April 2005 das gerade in Italien sehr beliebte „Papst-Toto“ gespielt hatten. Die sich aus den Dokumenten ergebenden Wertungen bilden eine Reihe von Allgemeinplätzen, die an keiner Stelle über die Oberfläche des Geschehens hinausgehen. Zudem wird deutlich: Der Vatikan „leckt“ nicht. Keiner hat sich zu reißerischen oder vermeintlich sicheren Hypothesen hinreißen oder gar den amerikanischen Geheimdiensten besondere und fundierte Nachrichten zukommen lassen.

Eine Papstwahl, so die denkwürdige Lehre, kann nicht mit weltlichen Kategorien verstanden oder gar vorausgesagt werden. Das Bild der bisherigen Geschichte des Pontifikats Benedikts XVI. ist ein anderes, als das von Diplomaten oder vielen Journalisten vorhergesagte oder erzählte.


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Lesermeinungen

 kreuz 1. Dezember 2010 

da hat wohl die Mücke..

..den Elefant geärgert

www.focus.de/politik/ausland/haftbefehl-interpol-fahndet-nach-assange_aid_577452.html


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 Gebetskreis 1. Dezember 2010 

na ja, s.g. GvDBasis,

da hat die Mücke den Elefant geärgert.
Assange hochzustilisieren, ist ab jetzt vor allem ein \"neues Fressi\" für die hirnvernagelten Verschwörungs-Theoretiker.
wie man in den Kommentaren lesen kann, würde er dort schon auf den \"Alter\" gestellt :-)
der übliche Mist halt.

www.focus.de/politik/ausland/haftbefehl-interpol-fahndet-nach-assange_aid_577452.html


0
 
 GvdBasis 30. November 2010 

Schon peinlich manchmal, die Wahrheit

Ich kann mich bis jetzt darüber nicht so richtig aufregen, denn mir ist nicht ganz klar, worüber.

Na gut, Konventionen wurden durchbrochen. So, wie wenn ich gerade über meinen Nachbarn klatsche, und plötzlich bemerke ich, dass der alles mitgehört hat. Kann schon sein, dass der daraufhin auf mich sauer ist. Dies hätte ich dann aber meinem eigenen losen Mundwerk zuzuschreiben.

Gegen ein klein wenig Diplomatie ist ja nichts einzuwenden. Doch wenn diese \"Diplomatisches-Gefasel-Blase\" allzu aufgebläht ist, platzt sie halt irgend wann einmal. Na und?


2
 
 Geist 30. November 2010 

USA...

...sollten Konsequenzen ziehen und so manche Diplomaten und Minister auswechseln. Das ist unhaltbar, was sich die Grossmacht leistet.


1
 
 SERAPHICUS 30. November 2010 

Wahrheit?

Nein, um Wahrheit geht es hier nicht. Es ist eine Art Krieg, der vom Cyberspace ausgeht. Ein Zündeln mit Streichhölzern vor einem offenen Benzintank.

Vertrauen zerstört. Von Jürgen Liminski

Vertrauen ist die Währung des Lebens. Das gilt im privaten Bereich, in der Finanzwelt, in der Politik und auch in der Diplomatie. Ohne Vertrauen wird kein ehrliches Wort gesagt, wird kein Geld verliehen, kann kein Kompromiss geschlossen und keine Abmachung getroffen werden. Vertrauen ist die Grundlage konstruktiver Kommunikation. Deshalb ist ein verantwortungsvoller Journalismus auch konstitutiv für moderne Mediengesellschaften und ist die Pressefreiheit auch zu Recht, wie das Bundesverfassungsgericht schon vor gut fünfzig Jahren betont hat, „konstitutiv für unser Staatsgefüge“.

In diesem Rahmen sind die Massenveröffentlichungen von Wikileaks zu sehen. Wem nützt es, wenn man weiß, was alle wissen? Etwa, dass Angela Merkel pragmatisch und wenig kreativ oder dass Horst Seehofer unberechenbar sei? Entwicklungsminister Dirk Niebel hatte die richtige Reaktion auf die „Meldung“, dass er eine „schräge Wahl“ sein. Er zuckte die Achseln und meint, er selber teile diese Einschätzung nicht und glaube zudem nicht, dass US-Botschafter Philip Murphy tatsächlich so über ihn denke. Außerdem halte er diese Meldung für unbedeutend. Viel wichtiger und gefährlicher sei das Thema Datensicherheit.

Niebel berührt hier eine Schwachstelle der Mediengesellschaft. Die Tatsache, dass jeder heute alles ins Netz stellen kann, öffnet dem Missbrauch mit Informationen nicht nur Tür und Tor, sondern die Welt. Genau das ist mit den Informationen von Wikileaks geschehen, die jetzt die internationale Diplomatie erschüttern. Es gibt Grenzen der Information. „Von allen Gütern dieser Welt ist der gute Ruf das wichtigste“, sagte schon Franz von Sales, einer der Patrone der Journalisten. Die Persönlichkeitsrechte sind tabu, hieß das früher. Das persönliche Verhalten oder Krankheiten eines Politikers sind für die Öffentlichkeit ohne Belang, solange sie nicht das Allgemeinwohl beeinträchtigen. Es gehört zu den Eigenheiten von Ideologen und Diktaturen, gerade den guten Ruf von Menschen anzugreifen und zu vernichten. Der gute Ruf, die Ehre eines Menschen, berührt seine Identität, sein So-Sein. Nicht umsonst spricht man von „Rufmord“, wenn die Ehre beschmutzt wird.

Niebels „schräge Wahl“ war eine von 1 700 „Informationen“ aus Berlin. Schon möglich, dass sich darunter auch die eine oder andere findet, die für die Öffentlichkeit eine gewisse Relevanz hat. Diese herauszufiltern wäre die Aufgabe eines verantwortungsvollen Journalismus gewesen. Alles ins Netz hinauszuposaunen, was man gerade in der Hand hält, hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Und es birgt Gefahren. Die Einschätzungen über deutsche Politiker werden die diplomatischen Beziehungen nicht nachhaltig beeinträchtigen. Anders sieht die Situation dagegen in den Krisen- und Konfliktregionen aus. Dort können diese Veröffentlichungen gravierende Folgen haben, ja Menschenleben kosten.

Wenn es nur noch um Quote, Auflage und Anklicker, also um die kommerzielle Umsetzbarkeit von Informationen geht, wird Vertrauen zerstört – und damit ein Stück Glaubwürdigkeit und Zivilisation. Deshalb schafft Wikileaks einen Overkill durch schlechten Journalismus und ist ein indirektes Plädoyer für den klassischen, weil Orientierung schaffenden Zeitungsjournalismus. Zu klären bleiben indes die Fragen, warum die USA ihre Daten nicht besser geschützt haben und warum die gesammelten Informationen ausgerechnet jetzt veröffentlicht wurden. Wer könnte Interesse daran haben, die diplomatischen Beziehungen zu destabilisieren? Antworten darauf gibt das Internet nicht.

www.die-tagespost.de/art456,120284


1
 
 Bebe 30. November 2010 
 

Warheit?

Werden mit solchen Veröffentlichungen nicht nur der Hass geschürt und Konflikte heraufbeschwört? Kann denn die Menschheit überhaupt mit dieser \"Warheit\" umgehen?
Ich bin auch der Meinung, dass sich die Leute von Wikileaks nicht der Auswirkungen ihrer \"Arbeit\" bewusst sind. Oder sie sind sich dessen gut bewusst und provozieren absichtlich. Satan schläft nicht und macht sich solche Aktionen gerne zu eigen.
Wir sollten dafür beten, dass die Menschheit in der Liebe und im Glauben an den Herrn wächst und sich nicht in unkontrollierbare Aktionen verstrickt


1
 
  30. November 2010 
 

Sehr tiefsinnige Analyse und guter Kommentar! Danke!


1
 
 Bastet 30. November 2010 

WIKILEAK zündelt am großen Pulverfass, ob aus Dummheit oder mit Absicht.
Auf jeden Fall geht es dabei um Einfluß, Macht und Geld.
OB sich diese Herrschaften über den eventuell
entstehenden Schaden den sie weltweit anrichten im Klaren sind?
Dass dabei immer wieder die kath. Kirche massiven Angriffen ausgesetzt ist gehört bei denen schon zum \"guten Ton\".
Gegen den Islam würden sie sich das nicht trauen!


2
 
 kreuz 30. November 2010 


0
 
 kreuz 30. November 2010 

mir macht das große Sorgen,

denn die Aktion selbst ist anarchistisch.
bilde mir immer gern meine eig. Meinung und habe noch nicht viel dazu gelesen.
unabhängig davon daß Ungerechtigkeiten, ja sogar Verbrechen, aufgedeckt wurden, frage ich: \"wem nützt es?\"
jetzt schon steigert es die Kriegsgefahr zw Iran und den arabischen Staaten, die mit amerik. und dem israel. Geheimdienst zusammenarbeiten.
wenn als Nächstes Daten über eine amerik. große Bank veröff werden, gehen viell andere Banken kaputt. Geld u Arbeitsplätze.
2 Beispiele, über die sich doch der \"Durcheinanderbringer\" freut!
die \"Robin-Hood-Entschuldigung\" lasse ich nicht gelten, das ist Pseudo-Moral.
der Mann hat einen schweren Schlag in der Mütze, wurde irgendwann mal beschämt oder kleingehalten, und jetzt macht er verbrannte Erde.
für mich ist der Assange ungefähr so harmlos wie Bin Laden.


2
 
 Frodo 30. November 2010 

@ Aegidius

Albino meint sicherlich die nächste Kampagne die gegen den Vatikan und die Katholische Kirche geplant ist: Laut Gerüchten wird ist wieder ein Skandal im Ausmaß der „Williamson Affäre“ und der Missbrauchsfälle geplant. Diesmal soll es um finanzielle Unregelmäßigkeiten des Vatikans gehen, wohl auch um eine Zusammenarbeit der Vatikan-Bank mit umstrittenen Organisationen wie z.B. der Maffia u.a.

Ob man wieder den Februar oder März für die „Aufdeckung“ dieses Skandals nehmen wird ist noch unklar. Das Ziel ist natürlich wie auch schon bei den ersten beiden „Skandalen“: Der Katholische Kirche schweren Schaden zuzufügen, indem man sie unglaubwürdig macht und sie als eine Verbrecherorganisation hinstellt! Bereiten wir uns also darauf vor und beten wir für unsere heilige Mutter Kirche!


3
 
 Veritas 30. November 2010 
 

Was wahr ist, muss und wird immer wahr bleiben.

Wenn das, was WikiLeaks veröffentlicht, wahr ist, dann gibt es m.E. keinen Grund, die Veröffentlichung zu fürchten. Auch wer ein reines Herz hat, braucht die Wahrheit nicht zu fürchten.
Unabhängig von WikiLeaks gilt doch ganz generell: Was wahr ist, muss wahr bleiben und wird auch immer wahr bleiben, und zwar unabhängig davon, ob es bekannt wird oder nicht. Wer etwas stiehlt, ist ein Dieb, auch wenn er nicht vom Kaufhausdetektiv erwischt wird, und wer seine/n Partner/in betrügt, ist ein Ehebrecher, auch wenn der/die Partner/in nie dahinterkommt.
Gerade in einer Zeit, in der die Mächtigen dieser Welt Propagandaschlachten gigantischen Ausmaßes führen und alle modernen technischen Möglichkeiten nutzen, um die Medien und über sie die Menschen im gewünschten Sinne zu beeinflussen und zu lenken, ist es dringend notwendig, dass es Korrektive gibt. Das Internet bietet hier noch die besten Möglichkeiten, alternative Informationen und Sichtweisen zur Verfügung zu stellen. Freilich wird damit niemand von der Aufgabe entbunden, seinen eigenen Verstand zum kritischen und differrenzierten Denken zu gebrauchen. Auch kath.net und das kath.net-Forum sind beispielsweise ein wichtiges Korrektiv zur kirchenfeindlichen Gesinnung der großen Zeitgeist-Medien.
Was WikiLeaks betriftt, so habe ich zumindest die Hoffnung, dass dadurch die Mächtigen dieser Welt endlich begreifen, dass sich die Wahrheit früher oder später immer durchsetzt und dass man im heutigen Informationszeitalter die Menschen nicht mehr so leicht für dumm verkaufen kann.
Allerdings muss man auch die Frage stellen, wie WikiLeaks an diese Informationen gekommen ist, denn auch das ist ein Teil der Wahrheit. Wenn heutzutage mit gestohlenen Daten Geschäfte gemacht werden, dann ist auch das eine Form von Diebstahl und Hehlerei und kann nicht akzeptiert werden.
Was nun die Einschätzungen amerikanischer Geheimdienstler und Diplomaten über den Vatikan betrifft, so werden hier Uninformiertheit und Fehleinschätzungen deutlich. Das Niveau reicht über das einer mittelmäßigen Provinzzeitung nicht hinaus, und das hat auch schon wieder etwas Beruhigendes.


2
 
 AlbinoL 29. November 2010 

@Aegidius

wollte nichts andeuten..mche mir nur sorgen...


0
 
 M.Schn-Fl 29. November 2010 
 

Schlappr für die amerikanische Diplomatie und neuer Beweis für die Verohung der Sitten

Zunächst muss doch einmal feststehen, dass das Unternehmen wikileaks ein weitere gefährliche Verohung der Sitten unter Journalisten darstell.
Die Ankündigung von wikileaks, dass die ganzen Enthüllungen die Weltgeschichte ändern würden, ist nichts weiter als der Berweis dafür, dass hier machthungrige Abenteurer ohne jedes Gefühl für Verantwortung am Werke sind.
Aufschlußreich auch ihre journalistischen Partner und deren Magazine.
Weiter offenbart sich hier, mit wie wenig trübem Wasser amerikanische Dienste und Diplomaten kochen. Die machen sich nicht einmal mehr viel Mühe.
Das war doch zur Zeit Henry Kissingers anders.
Hier sei noch einmal auf dessen Memoiren hingewiesen, in denen er die vatikanische Diplomatie sehr hoch einschätzte und ihr seinen höchsten Respekt zollte.


1
 
 Aegidius 29. November 2010 
 

Albino, was willst Du denn andeuten? Welche Verschwörungstheorie darf\'s denn sein? Halt, ich weiß: in Frankreich lebt die letzte der Nachkommen Jesu und Marias aus Magdala, des Grals, was der Vatikan seit 2000 Jahren - teilweise gewaltsam (Opus Dei!) unterdrückt/vertuscht. Die Stardetektive von Wikileaks haben es herausgefunden, als sie beim Stöbern in einem öffentlichen Mülleimer eine als weggeworfenes Einwegschundtaschenbuch getarntes Dokument entdeckten. Braun.
Große Teile der Geschichte müssen umgeschrieben werden. Wie damals beim Stern.


1
 
 Frodo 29. November 2010 

@ Herbert Klupp

Was ist denn mit Ihnen los?

Ich freue mich über diese Veröffentlichungen!

Dem Volk muss die Wahrheit gesagt werden. Erst recht in unserer dekadenten westlichen Welt. Das Nordkorea oder Saudi-Arabien Dreck am Stecken hat weiß doch jeder, dazu brauch man keine Dokumente veröffentlichen. Was sich aber die von Vielen immer noch als vorbildhaft angesehene USA so alles im Geheimen erlaubt das sollte doch auch mal bekannt gemacht werden.


1
 
 Herbert Klupp 29. November 2010 
 

Nicht weiter beachten

Man braucht eigentlich nicht auf diese neuen WIKILEAK-Papiere eingehen.
Zum einen, weil sie gar nichts sensationelles enthalten (siehe obige Info zu Dossiers über den Vatikan)
Hauptsächlich aber deshalb, weil diese Informationen GEKLAUT sind.

Und noch etwas läßt mich Abstand nehmen: der \"Mut\" mit dem diese Daten-Einbrecher immer nur amerikanische (oder westliche) Quellen angreifen hat etwas infantiles: immer gegen die EIGENE Gesellschaft. Hätten sie wirklich Mut, würden sie mal Iranische oder Saudi-Arabische oder Nord-Koreanische Regierungs-Computer \"ausrauben\" - aber dazu fehlt ihnen die Courage. Da machen sie sich lieber ins Hemd !!

Oder sind solche Länder vor ihren Übergriffen geschützt, weil diese Daten-Verbrecher TOTAL LINKS gestrickt sind ?


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 AlbinoL 29. November 2010 

@all

deswegen ist vieleicht der vatikan auch nicht erwähnt...um eine extra story zu machen...


0
 
 AlbinoL 29. November 2010 

beten wir das unsere Kirche damit nichts zu tun hat....

\"Die nächste Veröffentlichung ist sieben Mal größer als die der Irak War Logs. Monatelang hat ein großer Druck auf unseren Schultern gelastet. Helft uns stark zu bleiben“, so der Tweet mit einem Aufruf zur finanziellen Unterstützung der Organisation. Und nur zwei Stunden später folgte ein weiteres Statement: “In den nächsten Monaten werden wir eine neue Welt sehen, in der die Weltgeschichte neu definiert wird.“
....denn wenn der Spiegel mit kleinen Artikeln gegen den Vatikan startet so wie die neuen Vorwürfe gegen den heiligen Vater hat er oft was in der Hinterhand und testet die Reaktionen...

www.dnews.de/nachrichten/netzwelt/372473/wikileaks-neue-enthullungen-7x-grosser-als-irak-war-logs.html


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