01 November 2010, 20:18
Das ist schlicht und einfach eine verlogene Wiedergabe meiner Aussagen
 
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Rufschädigende Berichterstattung des Sonntagblick’s vom 31. Oktober 2010 - Von Domherr Christoph Casetti

Chur (kath.net)
Redaktor Walter Hauser hat mehrere Gespräche mit mir geführt. Vor zwei Jahren sei der Exorzismus in den Medien ein Thema gewesen. Nun möchte er wissen, wie die Situation heute aussehe. Ich gab ihm eine sachliche Auskunft. In seinem Artikel kann ich meine Aussagen nur noch sehr verzerrt wiedererkennen.

Der Titel des Editorials lautet: “Und erlöse uns von dem Übel”. Im Untertitel steht: “Redaktor Walter Hauser über die Ausländer- und Teufelwarnungen von katholischen Kirchenmännern in der Schweiz”. Im Hauptartikel steht ausserdem der Zwischentitel: “Die Ausländer sollen schuld sein”. Dadurch wird suggeriert, dass katholische Kirchenmänner Ausländer für ein Übel halten. Der folgende Satz aus dem Editorial verstärkt diesen Eindruck noch: “Doch wenn der Domherr in Chur die Massnahme damit begründet, dass immer mehr Schweizer von Dämonen besessen sind, weil so viele Menschen aus Afrika, Indien und Lateinamerika zu uns kommen, hört der Spass auf: Vier Wochen vor der Abstimmung über die Ausschaffungsinitiative stehen Ausländer in der Schweiz schon genügend am Pranger”. Welche “Massnahme Hauser meint, sagt er nicht. Er deutet jedoch an, dass ich in einem Atemzug vor Ausländern und vor dem Teufel warne. Bei einer solchen unsinnigen Unterstellung hört der Spass tatsächlich auf.

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Das ist schlicht und einfach eine verlogene Wiedergabe meiner Aussagen. Wahr ist hingeben meine statistische Bemerkung: Menschen, die angeben, unter Verfluchungen, bösem Zauber oder dämonischen Belastungen zu leiden, haben häufig einen Migrationshintergrund. Und da es inzwischen in unserem Land zahlenmässig mehr solche Menschen gibt, gibt es auch mehr entsprechende Bitten um Befreiungsgebete. In diesem Sinne stehe ich auch zum wörtlichen Zitat: “Vor allem bei Menschen aus Südeuropa, Afrika und Lateinamerika spielt der Glaube an Zauberei und Dämonen eine grosse Rolle. Über die Einwanderung werden die Gläubigen bei uns vermehrt mit diesen Phänomenen konfrontiert. Warnende Hinweise sind deshalb notwendig”.

Weiter schreibt Walter Hauser im Editorial: “Die Bistümer wollen allen Ernstes neue Exorzisten bestallen, um Gläubige vom Teufel zu befreien” und im Titel des Hauptartikels: “Kirchenmänner wollen mehr Exorzisten ausbilden”. Und im Text gibt Hauser mich so wieder: “Fünf Geistliche kann Bischof Huonder in den Kampf gegen Teufel und Dämonen schicken. Zu wenig für Casetti”. Auch hier ist das Gegenteil wahr. Ich habe Hauser ausdrücklich gesagt, dass hier kein Handlungsbedarf bestehe. Die Priester, die gegenwärtig bei uns im Befreiungsdienst tätig sind, können die Anfragen von bedrängten Gläubigen bewältigen. Was die Zahlen betrifft, habe ich tatsächlich von einer Zunahme gesprochen, aber auch gesagt, dass diese nicht dramatisch sei. Wenn etwa pro Jahr rund fünf Priester mit je vier bedrängten Menschen beten, sind “20 Fälle” wahrlich nicht viel.

Beim Befreiungsdienst geht es einmal um die Frage, ob es den Teufel und Dämonen tatsächlich gibt. Die Kirche bejaht diese Frage, wie sie auch an die Existenz von Engeln glaubt. Nicht alles, was existiert, ist rational zu erklären. Mit den bösen Mächten ist zu rechnen. Aber wir brauchen auch nicht zu viel Angst vor ihnen zu haben. Denn Jesus Christus hat sie bereits besiegt. Sie führen nur noch Rückzugsgefechte. Dazu kommt die Frage, wie mit Menschen umzugehen ist, die sich von bösen Mächten bedrängt fühlen und denen die Medizin nicht helfen konnte. Wenn diese sich in ihrer Not an die Kirche wenden, verdienen sie in jedem Fall eine seelsorgliche Zuwendung.

Walter Hauser ist promovierter Jurist, der jetzt als Journalist tätig und beim “Blick” gelandet ist. Nach den Gesprächen, die ich mit ihm geführt habe, hätte ich mehr Fairnesse und Anstand erwartet. Ich fühle mich von ihm missbraucht und instrumentalisiert für sein Ziel, Allerheiligen, die katholische Kirche und die SVP-Kampagne zu kombinieren. Er hat auch ein paar Bücher geschrieben. Wenn diese nicht seriöser erarbeitet sind als dieses journalistische Machwerk, kann meines Erachtens auf die Lektüre ruhig verzichtet werden.


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