Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  3. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  4. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  5. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  6. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  7. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  8. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  9. „Das Ende von Maria 2.0“
  10. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  13. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  14. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  15. „Die katholische Kirche ruht auf zwei Säulen ihrer sichtbaren Einheit: Petrusamt und Eucharistie“

Holocaustleugnung – ein Strafbestand?

19. Oktober 2010 in Aktuelles, 16 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


In Italien wird diskutiert, ob die Holocaustleugnung gesetzlich verboten werden soll. Die vatikanische Zeitung meldet Bedenken an. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In Deutschland ist es nach § 130 Abs. 3 des Strafgesetzbuches verboten, den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden öffentlich zu billigen, zu verharmlosen oder zu leugnen. Gleiches gilt für die Republik Österreich mit dem „Verbotsgesetz 1947“, das seit 1992 mit dem § 3h die Leugnung, Verharmlosung, Gutheißung und Rechtfertigung des nationalsozialistischen Völkermordes oder anderer nationalsozialistischer Verbrechen gegen die Menschlichkeit verboten hat, „ wenn dies in einem Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen Medium oder (...) sonst öffentlich auf eine Weise, dass es vielen Menschen zugänglich wird, geschieht“.

Der Präsident der jüdischen Gemeinde Roms brachte nun den Vorschlag ein, in Italien ein ähnliches Gesetz einzuführen. Den Anlass zu dieser Forderung bildeten mehrere Fälle von öffentlicher Holocaustleugnung, zu denen es in den letzten Wochen unter anderem an der Universität Teramo gekommen war, als ein Professor erklärt hatte, es stünden keine Dokumente Hitlers zur Verfügung, aus denen sich ein Befehl zur Vernichtung des jüdischen Volkes ergebe. Der Vorschlag Pacificis fand seinen Widerhall auch in der innenpolitisch aufgewühlten italienischen Szenerie. So hatte der Präsident der ersten Kammer des Parlaments, Gianfranco Fini, der Forderung zugestimmt und versprochen, sich um eine Gesetzesinitiative zu bemühen, um den „unverantwortlichen Propheten der Holocaustleugnung“ entgegenzuwirken.


In ihrer Ausgabe vom heutigen Dienstag äußert sich auch die vatikanische Zeitung „L’Osservatore Romano“ zum Vorschlag eines derartigen Gesetzes. Bereits durch den Titel „Die Geschichte ist nicht per Gesetz wahr“ wird die Haltung des Blattes deutlich, das Zweifel der (jüdischen) intellektuellen Gemeinschaft Italiens hinsichtlich des Gesetzesvorschlags aufnimmt.

Die Holocaustleugnung sei eine sehr schwerwiegende und schändliche Tatsache, doch per Gesetz die Leugner zu bestrafen – „und somit die historische Wahrheit durch eine Rechtsnorm festzulegen“ – sei nicht der rechte Weg, der sich sogar als kontraproduktiv erweisen könnte. „In einer Demokratie ist die Zensur kein richtiges Mittel“, und am Schluss könne es dazu kommen, dass derjenige, der gegen ein derartiges Gesetz verstoße, zum Märtyrer werde. Die Zeitung gibt damit die Meinung des Großteils von Historikern wieder, die in Gegentendenz zur Reaktion aus der Politik ihre Bedenken angemeldet haben.

So habe David Bilussa im Bulletin der Union der jüdischen Gemeinden Italiens erklärt, dass ein Gesetz gegen die Holocaustleugnung weder eine intelligente noch eine weitsichtige Entscheidung wäre. Es helfe weder zur Meinungsbildung noch zur Reifung des bürgerlichen Bewusstseins. Das, was Italien brauche, seien eine Pädagogik und Didaktik der Geschichte, so dass ernsthaft über die historischen Tatsachen nachgedacht werden könne.

Auch die Historikerin Anna Foa vertrete dieselbe Ansicht, wie der „L’Osservatore Romano“ erklärt. Vorrangig müsse verhindert werden, dass den Holocaust verleugnende Thesen in den Medien und in der Lehre verbreitet werden. Wie Bilussa betont Foa die Notwendigkeit eines ernsthaften Studiums. Es müsse ein Klima geschaffen werden, innerhalb dessen sich die Lügen von alleine widerlegen, „in dem das Gedächtnis der Schoah auf Kenntnis und nicht auf Rhetorik gegründet ist“.

Weitere jüdische Intellektuelle betonen, wie der „L’Osservatore Romano“ berichtet, den absoluten Vorrang der Erziehung und eines Erzziehungssystems, das sich selbst vor den „schlechten Lehrern“ schützen könne. Ebenso wird hervorgehoben, dass die Verhinderung der freien Meinungsäußerung nicht Teil der Logik eines liberalen Staates sein könne. Etwas anderes sei es, dass es in der Pflicht der verantwortlichen Leitungsorgane von Schulen und Universitäten stehe, jene zu sanktionieren, die ihre Studenten offensichtlichen Unwahrheiten aussetzten. Wichtiger als Gesetze seien geeignete Instrumente, mit denen die wissenschaftliche Gemeinschaft ihre Mitglieder kontrollieren könne. Ebenso gelte es, dass es für keine bürgerliche Gesellschaft einen Zusammenhalt ohne ein gemeinsam geteiltes Erbe von Werten und ohne eine moralische Sanktionierung derer gebe, die dieses Erbe verletzten.



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Nazi-Zeit

  1. 50 Priester und Laien des NS-Widerstands in Paris seliggesprochen
  2. Aachener Blutzeuge und seine Ehefrau erhalten Stolpersteine
  3. Papst entscheidet: Neun polnische Märtyrer der NS-Zeit werden seliggesprochen
  4. Missionar der Liebe zu Gott und zu jedem Nächsten
  5. Bischof Voderholzer: „Sie traten ein für Wahrheit und Menschlichkeit“
  6. Wann erfuhr der Vatikan von Auschwitz?
  7. Fischer: Neururer-Film ist Beitrag zur Aufklärung über NS-Zeit
  8. Auschwitz und die Päpste: Glaubenszweifel und Vergebungsbitten
  9. Vor 75 Jahren: Pius XII., Stauffenberg und der Ochsensepp
  10. „Herr Hitler, wer hat Sie gewählt?“







Top-15

meist-gelesen

  1. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  2. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  3. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  4. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  5. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  6. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  7. Eine Stadt im völligen Ausnahmezustand: Hohe Sicherheitsstufe für Papstbesuch in Paris
  8. Priester bei Messer-Attacke in polnischem Kloster getötet
  9. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  10. Pater Stanisław Tasiemski OP vor Papstreise: „Wohin gehst du, Frankreich?“
  11. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  12. 'Putin ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr Christen zu töten als der ISIS'
  13. Der evangelischen Theologischen Hochschule Basel soll die Akkreditierung entzogen werden
  14. Über das Dämonische
  15. 'Kirche casht ab' - Immer weniger österreichische Katholiken, immer mehr Millionen!

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz