13 Oktober 2010, 13:16
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Die Mystikerin Angela von Foligno (†1309) als Lehrerin auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Heute laufen wir alle Gefahr, so zu leben, als ob es Gott nicht gäbe!“ Mit dieser erneuten eindringlichen Warnung konfrontierte Papst Benedikt XVI. die über 30.000 Pilger und Besucher in freier Rede zum Abschluss seiner Katechese der traditionellen Mittwochsaudienz, in deren Mittelpunkt die Gestalt der seligen Mystikerin Angela von Foligno (* 1248; † 4. Januar 1309 in Foligno) stand. Gott aber besitze tausenderlei Weisen, um in der Seele eines jeden einzelnen Menschen gegenwärtig zu werden, „um zu zeigen, dass es ihn gibt, dass er uns kennt und liebt“. Die selige Angela wolle die Menschen auf die Gegenwart Gottes achten lassen, so dass diese „den Weg mit Gott und zu Gott lernen können“.

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Der Weg Angelas von Foligno habe seinen Anfang in der Ferne von Gott und Christus genommen, so der Papst. Dann sei sie der Gestalt des heiligen Franziskus begegnet, was ihre Seele geweckt habe. Sie habe verstanden, „dass allein mit Gott das Leben zu einem wahren Leben wird“. Wie der heilige Franziskus verehrte sie Christus auf zwei Weisen: Als das göttliche Kind in der Krippe und als Erlöser am Kreuz: „In der Menschwerdung sieht sie die tiefe Herablassung Gottes zu allen Menschen, die Ausdruck seiner unendlichen Liebe ist; im Kreuz Christi wird ihr zudem ihre eigene Schuldhaftigkeit bewusst. Obwohl sie sich voll Liebe fühlt, hat sie nicht die Kraft, Gott zu lieben. Gott allein ist es, der ihr die Liebe schenkt. Diese Erkenntnis verbindet sich mit dem Schmerz, Christus am Kreuz wegen unserer Sünden leiden zu sehen“.

Die Lehre der seligen Angela kann für Benedikt XVI. im Aufruf zusammengefasst werden, sich mit Christus zu identifizieren, sich in ihn hineinzubegeben und sich in der Liebe und in den Leiden Christi zu verwandeln. Angelas Umkehr und Bekehrung habe sich nach einem sorglosen Leben zugetragen und gelange zu ihrer Reife nur in dem Moment, da die Vergebung Gottes in ihrer Seele als unentgeltliches Geschenk der Liebe des Vaters hervortrete.

„Keiner kann Entschuldigungen vorgeben, da jeder Gott lieben kann“, so der Papst die Selige zitierend. Auf dem geistlichen Weg Angelas vollziehe sich der Übergang von der Umkehr zur mystischen Erfahrung, das heißt zum Sagen dessen, was unsagbar ist, durch den Gekreuzigten. Dieser werde zu ihrem „Meister der Vollkommenheit“.

Die gesamte mystische Erfahrung Angelas bestehe in einem Streben nach einer vollkommenen Ähnlichkeit mit dem Gekreuzigten. Sie wolle sie durch immer tiefere und radikalere Läuterungen und Verwandlungen erreichen. Bei diesem „wunderbaren Unternehmen“ bringe Angela sich ganz ein, mit Leib und Seele, ohne sich Bußakte und Qualen zu ersparen, wobei sie sich sogar danach gesehnt habe, „unter all jenen Schmerzen zu sterben, die der gekreuzigte Gott-Mensch erlitten hat, um so völlig in ihn verwandelt zu werden“.

Diese Identifizierung mit Christus bedeute für die Selige auch, das zu leben, was Jesus erlebt hat: „Armut, Verachtung, Schmerz“. Es sei das unbeständige Gleichgewicht zwischen Liebe und Schmerz, das den Weg zu dieser Vollkommenheit auszeichne und es so gestatte, vom „Weg des Kreuzes“ zum „Weg der Liebe“ überzugehen.

„Von der Umkehr hin zur mystischen Einheit mit dem gekreuzigten Christus, mit dem Unaussprechlichen“: das Geheimnis dieses höchsten Weges sei das Gebet, so Benedikt XVI., das Angela von Foligno mit diesen Worten beschrieb:

„Je mehr du beten wirst, umso mehr wirst du erleuchtet werden. Je mehr du erleuchtet sein wirst, desto tiefer und inniger wirst du das Höchste Gut, dass in höchstem Maße gute Sein sehen. Je tiefer und inniger du es sehen wirst, desto mehr wirst di es lieben. Je mehr du es lieben wirst, desto mehr wird es dich erfreuen. Und je mehr es dich erfreuen wird, desto mehr wirst du es begreifen und fähig werden, es zu verstehen. Dann wirst du zur Fülle des Lichts gelangen, da du verstehen wirst, dass du nicht begreifen kannst“.

„Bitten wir Gott“ so Benedikt XVI. seine Katechese abschließend, „dass er uns für die Zeichen seiner Gegenwart aufmerksam macht, dass er uns lehrt, wirklich zu leben.“

Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

„Von Herzen grüße ich alle Pilger deutscher Sprache, heute besonders die Ministranten aus dem Erzbistum Köln, die sich mit Kardinal Meisner nach Rom aufgemacht haben, und ebenso die Messdiener aus Borken in Westfalen. Ich grüße auch die Neupriester aus dem Germanicum mit ihren Gästen und nicht zuletzt die Schwestern der heiligen Elisabeth. Der Aufenthalt in Rom schenke euch geistliche Kraft für euren Alltag. Gott segne euch alle.“

Foto: © www.beataangela.it: Bild eines unbekannten Künstlers in der Sakristei der Kirche San Giacomo von Foligno (Ausschnitt)



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