01 Oktober 2010, 08:15
Stammen Sie ruhig vom Affen ab!
 
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Die Behauptungen der Darwinisten werden nicht dadurch besser, dass sie ständig wiederholt werden - Argumente gegen den Unglauben - Von Oberkirchenrat i.R. Klaus Baschang (Karlsruhe)

München (kath.net/idea)
Seit Charles Darwin (1809–1882) seine Lehre von der Abstammung des Menschen veröffentlicht hat, behaupten viele Atheisten, deshalb könnten sie der Bibel nicht mehr vertrauen. Denn der Mensch sei ja gar kein Geschöpf Gottes, sondern habe sich aus der Tierwelt entwickelt. Im Darwin-Jubiläumsjahr 2009 hat diese Art von Atheismus viel Beachtung erfahren.

Das wird behauptet

Darwin hat nachgewiesen, dass der Mensch vom Affen abstammt. Das ist eine vereinfachte Wiedergabe seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse. Für ihn hatten sie auch persönliche Folgen: Aus dem Christen, der er war, wurde ein Atheist. Jeder weitere Fortschritt in der Biologie gibt ihm gegen den Christenglauben recht: Der Mensch ist das Ergebnis eines biologischen Geschehens, das sich selbst hervorgebracht hat und sich weiterhin auch selbst steuert. Der Unterschied zum Tier betrifft nur den Grad der Entwicklung des Menschen. Dem Wesen nach gibt es keinen Unterschied. Auch religiöse Gefühle und Erlebnisse sind nur biochemische Prozesse. Die Religion hat sich im Ablauf der Entwicklungsgeschichte selbst hervorgebracht. Man muss sie abschaffen, damit die Natur des Menschen endlich frei hervortreten kann.

... und das sind die Argumente dagegen

1. Die Bibel weiß schon auf der ersten Seite im Schöpfungsbericht 1. Mose 1,1-2,4, dass die Menschen und die Tierwelt zusammengehören.

In dieser Hinsicht brachte Darwin gar nichts Neues! Der Erschaffung der Menschen geht die Erschaffung der Tiere in drei Gruppen voraus. Zuerst die Wassertiere und dann die Lufttiere, beide Gruppen am fünften Tag. Die dritte Gruppe, die Landtiere, wird dem sechsten Tag zugeordnet und diesem gleich auch die Menschen. Die Menschen haben keinen eigenen Tag. Sie teilen ihren Schöpfungstag mit den Landtieren. Enger konnte man sich damals die Zusammengehörigkeit von Mensch und Tier gar nicht vorstellen!

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Die Wissenschaft weiß es nicht


2. Die Herkunftsgeschichte des Menschen ist aber biologisch noch keineswegs abschließend geklärt. Es gibt Lücken, es gibt Sprünge, die Wissenschaftler forschen weiter. Der berühmte Neandertaler war eine später ausgestorbene Seitenentwicklung und kein unmittelbarer Vorfahre der Menschen. Immer noch ist ungeklärt, ob sich die Urformen des Menschen in Ostafrika ausgebildet und von dort ausgebreitet haben oder ob es parallele Entwicklungen auf anderen Kontinenten gab. Eine wichtige Frage ist, ob Gott bei der Entstehung des Menschseins irgendwie mitgemischt hat. Hat er auf dem weiten Weg von einem schwach belebten Urschlamm über die ersten mehrzelligen Lebewesen, über Dinosaurier und andere inzwischen ausgestorbene Tierarten hinweg bis zum heutigen Menschen persönlich eingegriffen und in Etappen oder durchgängig unseren aufrechten Gang, das entwickelte Gehirn und eine differenzierte Sprache geschaffen? Ein persönliches Eingreifen Gottes in diese Entwicklung ist keineswegs denknotwendig. Es ist aber auch nicht denknotwendig, eine Beteiligung Gottes zu leugnen. Wer Gott aus der menschlichen Entwicklungsgeschichte herausmogelt, muss zugeben, dass man ihn auch hineinmogeln kann. Die biologische Forschung gibt für beide Positionen keine belastbaren Gründe.

Der neue Trend: „Wir sind Gott“


3. Die Behauptungen der Darwinisten werden nicht dadurch besser, dass sie ständig wiederholt werden. Der neueste Anlass dazu kommt aus Amerika. Dort ist es dem Forscher J. Craig Venter gelungen, im Labor aus toter Materie Leben zu schaffen. „Wir sind Gott“, jubelt die Boulevardpresse und bedient damit die Fantasien der Menschen, die Gott abschaffen und selbst Gott sein wollen. Wer auf dieser Linie Bücher schreibt und TV-Sendungen produziert, kann seines Erfolges sicher sein. Die Wissenschaftler sind nüchterner als die Journalisten. Der Nobelpreisträger David Baltimore hat sofort darauf hingewiesen, dass Craig Venter gar nichts selbst erschaffen hat, sondern nur nachgemacht hat, was er in Gottes Schöpfung vorfand. Denn jetzt sind weitere neue Fragen zur Entstehungsgeschichte des Lebens entstanden: Woher kam die Materie, aus der vor geschätzten vier Milliarden Jahren Leben entstehen konnte? Woher kam die Energie, die dazu nötig war, woher die enormen PC-Kapazitäten, ohne die es heute nicht gegangen wäre? Je weiter die Forschung voranschreitet, desto größer werden die Fragen. „Es ist, als ob wir auf einen Berg steigen, der beständig wächst. ... Je mehr wir wissen, desto mehr erkennen wir, was wir nicht verstehen“, hören wir aus den Labors. Das ist eine wichtige Unterscheidung: wissen, wie das Leben aufgebaut ist und funktioniert, und verstehen, was Sinn und Ziel des Lebens ist. Das ist die Selbstbescheidung moderner Wissenschaft im Unterschied zu dem ideologischen Alleinvertretungsanspruch der Biologie aus dem vorvorigen Jahrhundert. Die Biologie kann mit ihren Datenbanken und Experimenten unendlich viel über den Menschen in Erfahrung bringen, aber nicht zu seinem Wesen vordringen.

Was will die Bibel aussagen?

4. Im Mittelpunkt des biblischen Glaubens steht gar nicht das Interesse an der Herkunft des Menschen. Das Interesse gilt vielmehr seiner Gegenwart, seinen aktuellen Lebensproblemen. Der biblische Glaube will Lebensgewissheit vermitteln. Er stellt sich der Frage, die die Philosophie von ihren Anfängen an beschäftigt hat: Was macht das Wesen des Menschen aus? Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) hat diese Frage so entfaltet: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Seit Kant ist unsere Welt komplizierter geworden. Jetzt ist es noch schwieriger, auf diese Fragen eine Antwort zu finden, auf der sich das Leben gründen kann. Das imponierende biologische Werk von Darwin kann auf diese Fragen nicht antworten. Die Biologie überschreitet damit ihre eigenen Grenzen. Das ist wissenschaftlich unzulässig. Keine Wissenschaft darf behaupten, sie allein könne menschliches Leben umfassend verstehen und seinen Sinn deuten. Der Mensch ist seinem Wesen nach mehr als der Ablauf biologischer Prozesse, die man im naturwissenschaftlichen Labor untersuchen kann. Davon war die abendländische Philosophie immer überzeugt. Wenigstens ihr sollten die modernen Darwinisten Respekt bezeugen und ihre unwissenschaftlichen Überschreitungen der eigenen Grenzen unterlassen, wenn sie schon mit Gott nichts anfangen können.

Das wäre Rassismus ...


5. Es gibt nicht nur einen biologischen Darwinismus, der deutlich auf seine Grenzen hingewiesen werden muss. Es gibt auch einen sozialen Darwinismus. Da wird die Grenze in die Politik hinein überschritten. Man zieht aus den Arbeiten von Darwin eine Konsequenz, die er selber nicht gezogen hatte: In der Entwicklung der Lebewesen kommen die Starken zum Zuge, die Schwachen verschwinden von selbst; die Fitten passen sich den äußeren Verhältnissen an und überleben, die Unfähigen und Unbegabten sterben aus. Diesen Vorgang kann man beschleunigen. Man muss nur aufhören, barmherzig zu den Schwachen zu sein. Hier offenbart sich eine rassistische Tendenz, die in der Biologie verborgen sein kann. Dieser Rassismus hat bekanntlich zu schlimmer Verachtung von Menschen in faschistischen und kommunistischen Diktaturen geführt.

Wenn man Gott vertreibt


6. Die naturwissenschaftlichen Diskussionen über die Entstehung des Menschen werden nicht nur auf der Basis der Evolutionstheorie geführt. Es gibt auch die Forschungsrichtung des Kreationismus, die in den USA ihren Ursprung und auch Anhänger in Deutschland und in der Schweiz hat. Sie zeigt mit den üblichen naturwissenschaftlichen Methoden Lücken und Defizite in der Evolutionstheorie auf. Bibel und Biologie werden näher aneinandergerückt. Es ist wichtig, die Evolutionslehre kritisch zu überprüfen und nicht alles als selbstverständlich stimmig anzusehen. Zum Problem würde der Kreationismus dann, wenn er Gott biologisch beweisen wollte.

7. Man hat gemeint, der Menschheit zu mehr Menschlichkeit verhelfen zu können, wenn man ihr den Gottesglauben austreibt. Das haben Stalin und Lenin versucht, Hitler, Mao und Pol Pot. Aber die staatliche Abschaffung Gottes hat innerhalb eines einzigen Jahrhunderts die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte hervorgebracht. Es ist nicht zu bestreiten, dass auch unter dem Vorzeichen des christlichen Glaubens Menschheitsverbrechen stattgefunden haben. Sie werden aber oft so hervorgehoben, dass darüber die anderen und wesentlich größeren aus dem Blick geraten. „Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität“, sagt Darwins Zeitgenosse Franz Grillparzer (1791-1872). Und Ernst Jünger (1895-1998) sagt: „Die verlassenen Altäre werden von Dämonen bewohnt.“ Dichter verarbeiten nicht die Daten von Menschen, wie es die Aufgabe der Naturwissenschaftler ist. Sie bedenken die Erfahrungen von Menschen. Darum kennen und nennen sie die Gefahren, denen das Menschsein ausgesetzt ist, wenn der Mensch auf das Tierische reduziert wird. Der Gottesglaube ist ja nicht irrational. Er entfaltet einen Horizont des Denkens, der die Existenz des Menschen umfassend übergreift. Die Existenz des Menschen ist endlich. Im Gotteshorizont aber lernt der Mensch, mit seiner Endlichkeit verantwortlich zu leben und zu handeln. Die ganze Dynamik dieser Vorstellung findet sich in Martin Luthers Weihnachtslied „Den aller Welt Kreis nie beschloss, / der liegt in Mariens Schoß; / er ist ein Kindlein worden klein, / der alle Ding erhält allein“ (EG 23,3). Diese Wahrheit läßt sich biologisch und neurobiologisch nicht auflösen, so wichtig diese Wissenschaften auch für die Medizin z. B. sind.

Der Anfang ist Gott


8. Steht nun also am Anfang von allem Gott oder beginnt alles mit Nichts? Dann hätte Nichts aus sich hervorgebracht, was nicht Nichts ist. Das ist denkerischer Unsinn. Steht aber am Anfang unendliche Energie, unüberwindliche Macht, unbeschreibbare Weisheit, dann ist es anders. Dann kann man einen Anfang denken, ehe die Zeit beginnt, ehe die Geschichte der Natur und des Menschen in Gang kommt. Der Anfang ist Gott. Er allein. Aber nicht einsam und nicht anonym. Durch ihn kommt Schöpfung in Gang. Er macht sich erkennbar: in seinem Umgang mit den Menschen, in besonderer Weise in der Geschichte seines Volkes Israel, beginnend mit der Berufung Abrahams, unüberbietbar in Jesus Christus. So gibt er uns seinen Namen bekannt. So kommt auch auf unserer Seite Beziehung zu ihm zustande. Er kann persönlich angerufen werden. Daran liegt ihm, an unserem Glauben, an der Lebensgewissheit und am Trost beim Sterben aus der Kraft des Glaubens. Das ist wichtiger als alles naturwissenschaftliche Informationswissen.

Der Glaube macht lebenstüchtig

9. In der Bibel sagt Gott zu Jeremia „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete“ (Jer. 1,5). Dieser Glaube gibt Jeremia Lebensgewissheit und Mut. Denn er steht vor schwierigen Aufgaben: Er soll Prophet Gottes sein. Natürlich weiß er, dass er sein Leben der Vereinigung von Vater und Mutter verdankt. Aber er belässt sein Selbstverständnis nicht bei der Biologie. Er versteht sich besser, weil er sein Leben auf Gott bezieht. Er kann hoffnungsvoll in die Zukunft ausblicken, weil er seine Herkunft in Gott festmacht. Er kann nach vorne blicken, weil er gelernt hat, über sich selbst hinaus auf Gott zu schauen. Sein Gottesglaube macht ihn also nicht lebensfremd, sondern lebenstüchtig.

Wenn sich ein Affe beleidigt fühlt

10. Der Berliner Philosoph Richard Schröder schreibt: „‚Stammen Sie ruhig vom Affen ab, aber benehmen Sie sich nicht so’, habe ich einmal in einer Zeitung geschrieben. Darauf bekam ich einen empörten Leserbrief: Ich hätte die Affen beleidigt, denn kein Affe könne so grausam sein wie Menschen. Da ist was dran, muss ich zugeben. Andererseits: Ist von Affen zu erwarten, dass sie sich aktiv für die Arterhaltung der Menschen einsetzen, wenn sie vom Aussterben bedroht sein sollten? Es ist weder zu erwarten, dass Affen Menschen in Zoos halten, noch dass einige Affen im Namen der Menschenwürde dagegen protestieren oder wenigstens eine artgerechte Menschenhaltung verlangen. Ich habe jenem Leser geantwortet: Sollte ihm ein Affe begegnen, der sich durch meinen Artikel beleidigt fühlt, möge er ihn doch in meinem Namen um Entschuldigung bitten.“ Schröder zeigt, wie absurd es wird, wenn Menschen ihre Herkunft von Affen ableiten.







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