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Ich will gehn, Herr

24. September 2010 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Priestermangel? In Afrika sind nicht nur in Uganda die Priesterseminare überfüllt - Ein Bericht von Eva-Maria Kolmann / Kirche in Not


Wien (kath.net/KiN)
„Ich bin hier, Herr. Meinst du mich, Herr? Deinen Ruf vernahm ich in der Nacht. Ich will geh’n, Herr“, singen 35 junge Männer in der Aula des Ggaba St. Mary’s National Seminary in der ugandischen Hauptstadt Kampala mit großem Ernst und klangvoller, sonorer Stimme. Sie sehen ihrer Priesterweihe entgegen, gerade haben sie ihre Abschlusszeugnisse in Empfang genommen.

Alle haben sie ihr Studium mit Erfolg abgeschlossen, nun heißt es, Abschied vom Seminar zu nehmen, um bald als Priester dorthin zu gehen, wohin Gott sie senden wird. Bereit dazu sind sie alle.

Viele Familienangehörige sind angereist, um ihren Brüdern, Söhnen und Cousins an diesem großen Tag zu gratulieren. Die Frauen tragen festliche Kleider, die Kinder sind bunt herausgeputzt. Bei jedem Namen, der aufgerufen wird, geht ein schrilles Freudentrillern und lebhafter Applaus durch die Menge. Alle freuen sich.

Der Dekan legt den jungen Männern ans Herz, das Priestertum zu lieben und anderen zu zeigen, wie wunderbar es ist, ein Priester zu sein. Im von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen Priesterjahr hat eine Musikgruppe des Seminars von Ggaba eine CD unter dem Titel „You are a priest forever“ („Du bist Priester in Ewigkeit“) aufgenommen.

Heute werden Songs daraus unter Applaus vorgeführt. Mit nahezu kindlichem Feuereifer haben die Seminaristen die Tänze und den Gesang einstudiert, um mit anderen das Wunder ihrer Berufung zu teilen und zu feiern.

Durch alle Ansprachen und Lieder des großen Tages zieht sich das Motiv der Freude an der Berufung. Mit einem Lächeln sollen die zukünftigen Priester verfügbar sein für Gott und den Dienst an den Gläubigen.


Dabei sollen sie nicht ihrem eigenen Willen folgen, sondern sie sollen gehen, wohin sie gesandt werden, selbst wenn es die am weitesten abgelegenen Dörfer sein sollten, wo es keinen Strom und kein fließendes Wasser gibt und wo die Menschen weder lesen noch schreiben können. Auch dort warten die Gläubigen auf denjenigen, der Christus zu ihnen bringt: den Priester.

Während ihrer Ausbildung haben die Seminaristen bereits ein pastorales Jahr in einer Pfarrgemeinde absolviert, damit sie erfahren, was es bedeutet, den Menschen in ihren Nöten und Freuden ganz nahe zu sein.

1130 junge Männer bereiten sich zur Zeit in den vier nationalen Seminaren des Landes und dem Spätberufenenseminar darauf vor, eines Tages Priester zu werden. Die Seminare sind überfüllt, oft müssen sich bis zu sieben Seminaristen ein Zimmer teilen. Und die Zahl der Berufungen steigt von Jahr zu Jahr.

Es gibt im Westen immer wieder Menschen, die behaupten, dass in der Dritten Welt, besonders in Afrika, viele Jugendliche Priester werden wollen, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Die Wahrheit ist jedoch, dass es viele hochintelligente, gut ausgebildete junge Männer gibt, die auf eine glänzende weltliche Karriere verzichten, um das Evangelium Jesu Christi zu verkünden.

Da ist zum Beispiel Bernard aus Fort Portal in Südwestuganda. Er war einer der besten Schüler des ganzen Landes. Seine Freunde und Verwandten rieten ihm dazu, Jura zu studieren und Rechtsanwalt zu werden. Er hätte zur Elite des Landes gehören und wohlhabend werden können.

Alle sagten ihm, er könne wunderbare Dinge tun. Aber für ihn war es klar: Er wollte Priester werden. So gab er allen, die ihn von seinem Weg abbringen wollten, zur Antwort: „Gott will auch wunderbare Dinge tun!“. Nur seine Mutter unterstützte ihn auf seinem Weg zum Priestertum.

Trotz der auf den ersten Blick hohen Zahl an Berufungen gibt es in Uganda noch immer viel zu wenige Priester. Denn jedes Jahr werden in dem ostafrikanischen Land, wo fast 13 Millionen der mehr als 28 Millionen zählenden Bevölkerung katholisch sind, 400.000 Menschen neu getauft.

Schon heute kommen im landesweiten Durchschnitt 7.000 Gläubige auf einen Priester, aber es gibt sogar Gebiete wie die Diözese Lira in Norduganda, in denen ein einziger Priester 28.000 Gläubige betreuen muss. So kommt es, dass Nachrichten wie „Ugandas Seminare platzen aus allen Nähten“ und „Ugandas Kirche leidet unter Priestermangel“ gleichzeitig wahr sind, obwohl sie widersprüchlich zu sein scheinen.

Wenn es nicht bald noch mehr junge, gut ausgebildete Priester geben wird, werden die sich überall ausbreitenden Sekten und Freikirchen ihre Ernte auch unter den katholischen Gläubigen einfahren. In fast jeder Straße gibt es bereits heute in irgendwelchen Garagen und Buden „Sektenkirchen“ mit Phantasienamen, die den Menschen Wunder versprechen.

Auch der Hexenkult breitet sich wieder stärker aus, nicht selten werden sogar Kinder entführt und geopfert, um Wohlstand zu erreichen. Hier steht die Kirche vor großen Herausforderungen.

Aber nicht nur die angehenden Priester brauchen Unterstützung, sondern ebenso ihre Ausbilder. Auch sie bringen große Opfer. Ein weltlicher Universitätsprofessor verdient in Uganda 1000 Dollar im Monat. Ein Dozent an einem Priesterseminar erhält dagegen nur 150 Dollar.

Um reich zu werden, wird hier niemand Lehrer an einem Priesterseminar. Um nebenbei noch etwas durch Dienst in Pfarreien hinzuzuverdienen, reicht jedoch die Zeit nicht, denn die Pflege und Förderung der Berufungen ist eine Aufgabe, die höchste Aufmerksamkeit und vollkommenen Einsatz erfordert.

Denn es geht nicht nur darum, den jungen Männern das akademische Rüstzeug mitzugeben, das sie brauchen, um den Glauben verkünden zu können, sondern sie müssen auch menschlich und geistlich geformt und unterstützt werden. Daher hilft „Kirche in Not“ den Lehrkräften durch Messstipendien, damit sie sich ganz der Arbeit an den Seminaren widmen können, denn gute Ausbilder, die sich Zeit für die Bedürfnisse der Seminaristen nehmen, sind die Voraussetzung für gute Priester.

Begeistert singen die angehenden Priester in Ggaba das Glaubensbekenntnis in Luganda, einer der in Uganda gesprochenen Sprachen. Eindringlich klingt es und tief. Hier ist die Saat auf guten Boden gefallen, scheint es.

An vielen Orten Ugandas warten die Gläubigen jedoch noch immer auf Priester, deren Leben ein sichtbares Glaubensbekenntnis für sie sein wird. Möge die Antwort vieler junger Ugander auf den Ruf Gottes lauten: „Ich will geh’n, Herr“.

kathTube: Was Europa von Afrika lernen kann - Ein toller Vortrag von Obiore Ike




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