01 Juli 2010, 10:00
Die ganze Krise der Kirche wurde in Augsburg sichtbar
 
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Aktionsgemeinschaft Katholischer Laien und Priester in der Diözese Trier: Als der von seinen Mitbrüdern völlig verlassene Walter Mixa schon am Boden lag, traten Verantwortliche der Kirche noch nach und übergossen ihn mit Jauche

Trier (kath.net)
Kath.Net dokumentiert eine Stellungnahme der Aktionsgemeinschaft Katholischer Laien und Priester in der Diözese Trier eV. (Mitglied im Forum Deutscher Katholiken) zu den kirchlichen Vorgängen der letzten Monate sowie zur Lage der katholischen Kirche in Deutschland:

Mit dem Bekanntwerden von Fällen des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Personen des geweihten Lebens in der Kirche platzte eine seit langem schwelende Eiterbeule am Leib der Kirche, die den Gesamtleib der Kirche schwer verletzte und brutale Schläge in das Antlitz Christi bedeuteten. Die Klage der Opfer drang und dringt in Gottes Herz. Die Kirche in Deutschland reagierte nach anfänglicher Hilflosigkeit mit tiefer Beschämung und dem festen Willen zur Aufklärung und zur Wiedergutmachung und der nötigen Sorge um die Opfer. Sie folgte hier Papst Benedikt XVI., der schon in seiner Zeit als Kardinal und Chef der römischen Glaubenskongregation eindeutig und unmissverständlich Stellung bezogen hatte und der ganzen Weltkirche strenge Regeln für den Umgang mit diesem schrecklichen Übel verordnet hatte.

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Leider war in den Leitmedien nicht die Tendenz erkennbar, sich des gesamtgesellschaftlichen Problems des Kindesmissbrauchs anzunehmen, sondern man konzentrierte dieses Problem alleine auf die katholische Kirche und missachtete damit Millionen von Opfern, die in der überwiegenden Mehrzahl kleine Mädchen sind. In der Folge taten sich wirkliche Abgründe in der Kirche bei uns auf. Nicht nur die Vertuschung der Fälle durch verantwortliche Amtsträger in den Diözesen und Ordensgemeinschaften wurde deutlich, sondern Kräfte, die schon seit langem eine andere Kirche wollen und die „Los-von-Rom“ Bewegung hin zu einer deutschen nationalen "demokratischen" Funktionärskirche missbrauchten den Missbrauch und glaubten ihre ideologischen Dauerbrenner nun durchsetzen zu können.

Die ganze Krise der Kirche wurde nun in Augsburg sichtbar, wo ein Bischof, Dr. Walter Mixa, im Amt war, der durch seine Theologie und seine Diözesanführung missliebig bis verhasst bei Teilen des Klerus und der Laien war. Sicher hat Walter Mixa schwere Fehler gemacht. Aber wenn er so gewesen wäre wie Mitbrüder und Amtspersonen aus Augsburg, München und der beiden Bischofskonferenzen und auch der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ihn perfide aus dem Halbdunkel heraus beschuldigten, dann müssten sich die in Deutschland verantwortlichen Amtsträger sowie drei Nuntii schon die Frage gefallen lassen, wieso ein solcher Mann Bischof werden konnte und wieso man in Rom ihn nicht verhindert hatte. Als der von seinen Mitbrüdern völlig verlassene Walter Mixa schon am Boden lag, traten Verantwortliche der Kirche noch nach und übergossen ihn mit Jauche.

Ein wohl einmaliger Vorgang in der jüngeren deutschen Kirchengeschichte! Nun klären uns die Leitmedien, die hier fest Beihilfe geleistet hatten, darüber auf, wie Amtsträger in Augsburg, München und der Bischofskonferenz sie mit so genannten Informationen, d.h. mit Verdächtigungen, vagen und weichen Vermutungen statt harter Fakten, mit Verleumdungen und unbewiesenen Behauptungen in einem so genannten Geheimdossier gefüttert hatten unter der Bedingung, dass ihre Namen nicht genannt werden dürften.

Gerechterweise muss man anerkennen, dass wenigstens der Chefredakteur der WELT - Gruppe in dieser Sache auch Selbstkritik an den Medien übt. Diese kann man bis jetzt bei den Vertretern des Episkopats nicht erkennen. Dort herrscht bis jetzt eisernen Schweigen. In Augsburg rief man zur Versöhnung auf, ohne zu bedenken, dass zur Versöhnung auch Wahrheit, Erkenntnis und Liebe gehört. Und zur Liebe gehört wesenhaft Konsequenz. Ohne Konsequenz ist sie nur Gefühlsduselei und Versöhnung versackt an der Oberfläche. Der geschmähte, im Stich gelassene und am Boden zertretene Bischof Walter Mixa jedenfalls bewies mit einem Brief an die Gläubigen in Augsburg Größe und Weitherzigkeit, in dem er auch seine Schwächen eingestand und demütig um Vergebung bat. Dieser Brief zeigt, wer Walter Mixa wirklich ist, nämlich ein durchaus würdiger Nachfolger der Apostel, die sehr wohl wussten, dass auch sie Sünder sind. Die Katholiken Deutschlands haben das Recht, Gleiches von den anderen Bischöfen, die mitwirkten bzw. schwiegen zu verlangen, damit Versöhnung wirklich gelingen kann. Was hier deutlich geworden ist, ist, dass das geistliche Leben bei allzu vielen Amtsträgern aber auch bei Laien fast völlig erloschen ist.

Das ist die eigentliche Krise der Kirche. Eine Kirche, die Gott und dem Mammon dienen will, ist nicht nach Gottes Herzen und dient Gott nicht. Hier hat sich Jesus Christus im Evangelium sehr eindeutig geäußert. Deshalb gehören bei einer Erneuerung der Kirche alle "weltlichen" Themen zur Sprache gebracht: an erster Stelle die Gschäftsunternehmungen der Kirche, ihr Finanzgebaren, ihre überbordende Bürokratie, die den Pfarrern kaum noch Zeit für geistliche Aktivitäten lässt, das Gremien und Konferenzunwesen, das in den Vordergrundstellen von Strukturen, das Betreiben von Politik in der Kirche, die Überinstitutionalisierung der Kirche, die der Papst schon seit über 30 Jahren den Deutschen vor Augen hält. All dieses ist "Welt", das die Kirche von ihrer eigentlichen Aufgabe, der Verkündigung und des Vorlebens der Lehre Christi nach dem Evangelium abhält. Diese hält uns schon der Prophet Jesaja (30,15-17) vor Augen mit all seinen Folgen für das Gottesvolk.

Aber auch die hochbezahlten Experten von außen, die uns dieses empfehlen, wurden und werden nicht gehört. Zu einer Erneuerung der Kirche gehören vor allem auch die Erneuerung der Verkündigung, der Lehre und Katechese. Wenn saarländische Gymnasiasten berichten, dass in 5 Jahren Religionsunterricht der Name Jesus Christus nicht vorkam und Kommunionkinder und Firmlinge über den Islam gute Kenntnisse haben, aber so gut wie nichts über den christlichen, katholischen Glauben wissen, dann macht das einmal mehr die Krise der Kirche überdeutlich und zeigt, dass die Zahl derer, die wirklich katholische Religion unterrichten viel zu gering ist. Hier, meine Herren Bischöfe, liegt Ihre wirkliche Aufgabe, nicht so sehr in Verwaltung, Wirtschaft und Politik. Allzu viele Priester fühlen sich von den Bischöfen im Stich gelassen, weil diese zu wenig Zeit finden, sich um sie und ihre Gemeinden zu kümmern. Und wir die "Laien", was können wir tun? Auch wir sind mitverantwortlich für die Kirche und die Ausbreitung des Evangeliums. Das II. Vaticanum betont das ausdrücklich („die Laien sollen die Welt heiligen“, Lumen gentium). Wir müssen uns im Sinne des Evangeliums einbringen in unseren sich nun stark verändernden und vergrößernden Gemeinden und zwar aus Liebe zum Herrn und der Kirche, dem auf Erden pilgernden Christus, nicht aus egoistischem Streben nach Macht und Ansehen, sondern aus Herzensverbundenheit zu dem, der gesagt hat: "Ich war als Dienender unter euch" und aus Liebe zu den Menschen, für die ER gekommen ist.

Wir rufen alle Katholiken auf, dem Papst zu folgen und sich der Aktion "Ninive" von "Kirche in Not" anzuschließen und ein Jahr lang täglich ein Gebet für die Reinigung und Erneuerung der Kirche zu sprechen, oft vor den Tabernakel zu treten, um anzubeten und daraus Kraft zu erhalten und um Opfer für die Erneuerung der Kirche zu bringen;

d e n n

Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten,
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unseren Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug entschleiert,
Die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen

(Reinhold Schneider)

Dr. phil. Michael Schneider-Flagmeyer und Dr. med. Stefan Schilling






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