16 Februar 2010, 14:52
'Abscheuliches Verbrechen'
 
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Papst fordert energische Schritte im Missbrauchsskandal - Bei entsprechenden Vorfällen in der irischen Kirche handle es sich um "eine schwere Sünde, die Gott verletzt und die Menschenwürde verwundet" - Das Abschlusskommunique im Wortlaut auf kath.net

Vatikanstadt (kath.net/RV)
Benedikt XVI. hat die irischen Bischöfe aufgefordert, mit Entschlossenheit und Mut einen Ausweg aus der Missbrauchskrise zu suchen. Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sei „nicht nur ein abscheuliches Verbrechen, sondern auch eine schwere Sünde, die Gott verletzt und die Menschenwürde verwundet“. Das sagte der Papst bei dem am Dienstag im Vatikan zu Ende gegangenen Krisengipfel vor dem Bischöfen des Landes. Zugleich äusserte er die Hoffnung, dass die Oberhirten Irlands gemeinsam und einig die erforderlichen konkreten Schritte zur Lösung der Krise unternähmen.

Der Missbrauchsskandal habe für die Kirche des Landes eine schwere Krise ausgelöst und das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Amtsträger erschüttert, heisst es in dem am Dienstag im Vatikan veröffentlichten Schlusskommunique. Benedikt XVI. kündigte für die bevorstehende Fastenzeit einen Pastoralbrief an die Katholiken Irlands an.

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kath.net dokumentiert die "Radio-Vatikan"-Übersetzung des Abschlusskommunique zum Treffen der irischen Bischöfe mit Papst Benedikt XVI.

Am 15. und 16. Februar 2010 hat der Heilige Vater die Bischöfe Irlands und wichtige Mitglieder der römischen Kurie getroffen, um die ernste Situation zu besprechen, die in der Kirche Irlands entstanden ist. Gemeinsam haben sie das langjährige Versagen kirchlicher Autoritäten in Irland untersucht, effektiv mit den Fällen sexuellen Missbrauchs junger Menschen durch einige irische Priester und Ordensleute umzugehen. Alle Anwesenden gaben zu, dass diese schwere Krise zum Zusammenbruch des Vertrauens in die Leitung der Kirche geführt und deren Zeugnis für die Frohe Botschaft und ihre Morallehre beschädigt hat.

Das Treffen fand im Geist des Gebetes und kollegialer Brüderlichkeit statt. Unterstützung und Anleitung in ihren Bemühungen, die Situationen in ihren eigenen Bistümern anzugehen, bekamen die Bischöfe durch die offene und ehrliche Atmosphäre des Treffens.
Am Morgen des 15. Februar, nach einer kurzen Einführung durch den Heiligen Vater, bot zunächst jeder der Bischöfe Irlands eigene Beobachtungen und Vorschläge an.

Die Bischöfe sprachen offen über den Schmerz und Zorn, das Gefühl des Verrates, den Skandal und die Scham, die ihnen bei zahlreichen Gelegenheiten von Seiten der Missbrauchten mitgeteilt worden seien. Die Empörung über diese Fälle kam in gleicher Weise von Laien, Priestern und Ordensleuten.
Die Bischöfe beschrieben außerdem die Unterstützung, die zur Zeit tausende ausgebildete und engagierte Freiwillige in den Pfarreien leisteten, um Kindern in allen Bereichen kirchlicher Aktivitäten zu schützen.

Sie betonten, dass – obwohl Fehler in Urteilsfähigkeit und Unterlassungen den Kern der Krise bildeten – nun Maßnahmen ergriffen würden, die die Sicherheit von Kindern und jungen Menschen garantieren. Sie betonten ebenfalls ihre Verbindlichkeit bei der Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen Irlands – im Norden wie im Süden – und dem Nationalen Ausschuss für den Schutz von Kindern in der Katholischen Kirche in Irland, um sicherzustellen, dass die Standards, Richtlinien und Verfahren das beste Umgehen mit der Situation erlaubten.

Von seiner Seite aus hat der Heilige Vater festgestellt, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern und jungen Menschen nicht nur ein verabscheuungswürdiges Verbrechen ist, sondern auch eine schwere Sünde. Sie beleidige Gott und verwunde die Würde der menschlichen Person, die ja nach Gottes Bild geschaffen sei.

Es sei klar, so der Papst, dass die augenblickliche schmerzhafte Situation sich nicht schnell auflösen lassen werde. Trotzdem forderte er die Bischöfe auf, die Probleme der Vergangenheit mit Bestimmtheit und Entschlossenheit anzugehen und der aktuellen Krise mit Ehrlichkeit und Mut zu begegnen. Er gab auch seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Treffen dazu dienen könne, die Bischöfe zu einen und sie in die Lage zu versetzen, mit einer Stimme zu sprechen und so konkrete Schritte zu vereinbaren, die den Missbrauchten Heilung bringen könnten. Auf diese Weise könne der Glaube in Christus erneuert und die geistliche und moralische Glaubwürdigkeit der Kirche wieder hergestellt werden.

Der Heilige Vater sprach ebenfalls die allgemeine Krise des Glaubens an, die die Kirche im Augenblick umtreibt. Er stellte eine Verbindung her zwischen dieser Krise und dem fehlenden Respekt vor der menschlichen Person und der Schwächung des Glaubens als einem bedeutenden Faktor beim Phänomen des sexuellen Missbrauchs.

Er betonte die Notwendigkeit einer tieferen theologischen Reflexion der ganzen Angelegenheit und rief zu einer verbesserten menschlichen, geistlichen, akademischen und pastoralen Vorbereitung derer auf, die auf dem Weg zum Priesterberuf oder zum Ordensleben sind oder bereits geweiht sind oder in Orden leben.

Die Bischöfe hatten die Gelegenheit, den Entwurf des Pastoralschreibens des Heiligen Vaters an die Katholiken Irlands zu diskutieren. Der Heilige Vater wird die Gedanken der Bischöfe aufnehmen und den Brief abschließen, so dass er noch in der kommenden Fastenzeit veröffentlicht werden kann.

Die Unterredungen endeten am späten Dienstagmorgen, dem 16. Februar 2010. Während nun die Bischöfe in ihre Diözesen zurückkehren, ruft der Heilige Vater zum Gebet auf. Möge die Fastenzeit dazu genutzt werden, so der Heilige Vater, das Ausströmen Gottes Gnade und der Geistesgaben Heiligkeit und Stärke für Irlands Kirche zu erflehen.

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