13 Januar 2010, 09:39
Eine Entführung mit Rätseln
 
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Der Jemen: Ein Land am Rande des Zusammenbruchs. Von Christine Schirrmacher.

Sanaa (kath.net/idea) Sechs Menschen im Jemen - über ein halbes Jahr vermisst. Von Anfang an gab ihre Entführung Rätsel auf: Jemenitische Stämme stellten bei Geiselnahmen sonst Forderungen an die eigene Regierung: den Bau einer Straße oder Schule. Die Stämme behandelten ihre "Gäste" stets gut, Opfer waren selten zu beklagen. Hier aber bekannte sich niemand, auch keine jihadistische Gruppe wie al-Qaida, die vermutlich im Internet mit ihrer Tat geprahlt hätte.

Der Jemen ist berühmt für seine schroffen Berge, seine reich verzierten Lehmhochhäuser, einsamen Trutzburgen und herzerwärmend freundlichen Menschen. In den großen Städten ist vieles im Aufbruch, gebildete Frauen haben dort manche Chancen.

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Wasser - Armut - Qat

Aber es gibt auch Schattenseiten: Eines der größten Probleme ist der extreme Wassermangel. Aus den fast 5.000 privaten Tiefbrunnen wird zuviel Grundwasser abgepumpt, vor allem für die wasserbedürftigen Orangen sowie Qat, die Volksdroge des Jemen. 45 Prozent der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Eine medizinische Versorgung ist für viele Menschen unerreichbar, die Mütter- und Kindersterblichkeit hoch. 70-80 Prozent der Frauen sind Analphabetinnen, die Geburtenrate liegt bei 6-7 Kindern pro Frau. Nur eine Frau ist Ministerin, einige wenige sind Anwältinnen und Richterinnen.

Auf jeden Bürger kommen drei Waffen

Der Jemen hat heute 23 Mio. Einwohner - die 60 Mio. Waffen besitzen - der Islam ist Staatsreligion und die Scharia Grundlage der Rechtsprechung. 1990 fand die Wiedervereinigung des sozialistischen Südens und des islamisch-konservativen Nordens statt. Die drei Hauptprobleme heute sind:

1. Der Kampf der 30 Prozent schiitischen Zaiditen im Norden für die Errichtung eines Gottesstaates. Der Norden wird durch den Iran, die Schiiten im Irak sowie die Hisbollah unterstützt.

2. Das Streben der Sunniten im erdölreichen Süden nach Abspaltung.

3. Die Jihadisten stehen im Kampf gegen Präsident Ali Abdullah Saleh und seine westlichen Verbündeten. In den 80er Jahren strömten 50.000 Afghanistanveteranen in den Jemen. Darüberhinaus wurde das Land Sammelbecken für Jihadisten aus dem benachbarten Somalia, dem Sudan, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Pakistan, wo der Verfolgungsdruck derzeit hoch ist.

Anfang 2009 schlossen sich der jemenitische und der saudische Zweig von al-Qaida zusammen. Durch die schwache Zentralregierung und die schwer zugänglichen Bergregionen wurde der Jemen Operations-, Rückzugs- und Rekrutierungsraum für Jihadisten aus zahlreichen Ländern. Staatliche Umerziehungsprogramme erwiesen sich bisher als wenig erfolgreich.

Präsident Saleh erhält durch saudische Gelehrte und Militärhilfe Unterstützung im Kampf gegen den schiitischen Norden und im Kampf gegen den Terror Militär- und Wirtschaftshilfe aus den USA. Die rund 100.000 Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea überfordern zusätzlich das bitterarme Land.

Zukunftsaussichten

Armut, Analphabetismus, die schwache Zentralgewalt, die Stammesloyalität, die über dem Gesetz steht, die Konflikte zwischen Nord und Süd und der Kampf der Jihadisten führten den Jemen an den Rand des Zusammenbruchs. Die düstere Lehre des Jihad bringt viele Menschen gegen den Westen, gegen die USA, gegen Ausländer, gegen die winzige jüdische Minderheit, aber auch gegen die eigene Regierung massiv auf.

Wer als Einheimischer den Islam verlässt, dem droht mindestens die gesellschaftliche Ächtung oder sogar der Tod. Der Jemen - sowie auch alle anderen islamischen Staaten und ihre Menschen dort - brauchen dringend Unterstützung im Gebet - gerade jetzt!

Die Autorin, Prof. Dr. Christine Schirrmacher (siehe Foto), ist Islamwissenschaftlerin in Bonn.







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