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'Was Wojtyla nicht leisten konnte, erledigt jetzt ein deutscher Papst'

20. Oktober 2009 in Interview, keine Lesermeinung
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Kath.Net-Exklusiv-Interview mit Andreas Englisch -Vatikankorrespondent der "Bild" - über sein neues Buch "Wenn Gott spricht" und die Prophezeiungen der katholischen Kirche und warum man im Apostolischen Palast jetzt öfter kath.net liest


Rom (kath.net)
Andreas Englisch lebt seit 1987 in Rom als Vatikan-Korrespondent für die „Bild“-Zeitung. Er gehört zu den sechs Journalisten, die Benedikt XVI. auf allen Reisen begleiten dürfen. Englisch ist Autor der Bestseller »Johannes Paul II.« und »Habemus Papam«. Jetzt ist sein neues Buch Wenn Gott spricht erschienen. Kath.Net sprach mit Andreas Englisch über die aktuellen Prophezeiungen der Kirche.

Kath.Net: Ihr neues Buch heißt "Wenn Gott spricht". Was möchten Sie mit dem Buch aufzeigen?

Englisch: Ich arbeite seit 22 Jahren im Vatikan und ich habe mich immer gefragt, ob es tatsächlich sein kann, dass Gott spricht, wie Johannes Paul II. glaubte. Karol Wojtyla hatte nie einen Zweifel daran, dass Gott im Jahr 1917 in Fatima gesprochen hat und das Attentat auf dem Petersplatz exakt 64 Jahre später durch Maria vorhersagte. Ich wollte wissen: Kann das wahr sein oder ist das alles Einbildung. Ich habe Johannes Paul II. immer für glaubwürdig gehalten und wollte einfach wissen, hat Gott in jüngster Zeit gesprochen, waren das anerkannte Marienheiligtum in Kibeho (Ruanda), wo Maria ein Massaker vorhersagte und die viele andere Prophezeiungen um die es in meinem Buch geht tatsächlich Prophezeiungen oder finde ich Spuren von Menschen, die sich einfach etwas eingebildet haben. Ich habe mich vor allem um Prophezeiungen gekümmert, für die es noch lebende Zeugen gibt, von ihnen wollte ich wissen: Erfüllten sich in den vergangen Jahrzehnten tatsächlich Prophezeiungen, ja oder nein.


Kath.Net: Im ersten Teil Ihres Buches beschreiben Sie in erstaunlicher Weise Prophezeiungen rund um das Wirken von Johannes Paul II. und auch von Papst Benedikt (Stichwort Weltjugendtreffen Toronto, Universi Dominici Gregis). Man hat fast das Gefühl, dass Sie jetzt hier "spiritueller" schreiben als das mancher Kirchenmann aus dem Vatikan das jetzt sehen würde. Sehen Sie das auch so? Gab es hier in Ihrem Leben eine Wandlung in den letzten Jahren bzw. haben Sie diese "prophetischen Dinge" auch schon 2004 bzw. 2005 so eingeschätzt?

Englisch: Sie haben recht, da hat sich viel in mir verändert. Vielleicht verkläre ich ja auch die vergangenen zwei Jahrzehnten, aber glauben Sie mir ich bin unendlich dankbar das erlebt zu haben. Ich glaube, dass der Beitrag des Vatikans zum Zusammenbruch der Sowjetunion tatsächlich einer der größten Triumphe der Kirchengeschichte ist und ich war da mitten drin. Ich konnte nicht anders, als mich fragen: Kann das tatsächlich Zufall sein, dass auf einen polnischen Papst ein Deutscher folgt, ein Mann, der in die Armee Hitlers gezwungen worden war und der die Chance bekommt als Deutscher in Auschwitz um Vergebung zu bitten. Das einzige, was Karol Wojtyla nicht leisten konnte, nämlich für das, was Deutsche Polen angetan hatten um Vergebung zu bitten, erledigte jetzt ein deutscher Papst. Kann das wirklich Zufall sein? Papstsekretär Georg Gänswein sagt dazu, dass man darin ein Zeichen der Vorsehung sehen darf.

Kath.Net: In Ihrem Buch beschreiben Sie drei wichtige Ereignisse aus dem Jahre 1981: Das Attentat auf Papst Johannes Paul II. und die Marienerscheinungen von Medjugorje und Ruanda begannen. Man hat den Eindruck, dass Sie sich mit Prophezeiungen im Zusammenhang mit Johannes Paul II. eher leichter tun, mit Marienerscheinungen grundsätzlich schwerer? Stimmt das bzw. was müsste passieren, damit Andreas Englisch die Marienerscheinungen von Medjugorje und Ruanda als authentisch ansieht?

Englisch: Für mich ist der Zweifel ein wichtiger Teil des Glaubens, ich weiß nicht, ob die Muttergottes in Medjugorje oder in Ruanda erschien, aber ich finde es hochspannend der Frage nachzugehen.

Kath.Net: Am Ende des Buches gehen Sie auch auf den Fall "Richard Williamson" ein. Mit einigen Monaten Abstand betrachtet. Wie schlimm war das Ereignis für die katholische Kirche und glauben Sie, dass man im Vatikan aus dem Vorfall gelernt hat?

Englisch: Ich glaube, dass der Vorfall sehr wichtig war, weil er gezeigt hat, wie stabil und gut das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den Juden ist. Aber zweifellos war es ein schwerer Fehler. Ich weiß, dass der innere Zirkel um den Papst drastische Maßnahmen danach ergriffen hat und ich weiß auch sicher, dass man im apostolischen Palast jetzt öfter die Seiten von kath.net anschauen wird.

Kath.Net: Haben Sie schon ein weiteres Buchprojekt in Planung?

Englisch: Ich ruhe jetzt ein wenig aus und will ein bisschen darüber nachdenken, was im nächsten Buch stehen soll, aber meine Lust zu erzählen habe ich nicht verloren.

Das Interview wurde von Roland Noé durchgeführt.

Die Leseprobe der ersten 24 Seite auf kathTube

Andreas Englisch
Wenn Gott spricht
Die Prophezeiungen der katholischen Kirche
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
16 Seiten farbiger Bildteil
€ 20,60

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