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Wie Erwachsene zum christlichen Glauben finden

20. Oktober 2009 in Chronik, keine Lesermeinung
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Forscher untersuchen Gründe für Hinwendung zu Gott - Die Kirchen haben gute Chancen, mit ihren Angeboten auch Menschen in der Lebensmitte zum Glauben an Jesus Christus zu führen


Stuttgart (kath.net/idea)
Die Kirchen haben gute Chancen, mit ihren Angeboten auch Menschen in der Lebensmitte zum Glauben an Jesus Christus zu führen. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Theologischen Fakultät der Universität in Greifswald hervor, die am 19. Oktober in Stuttgart vorgestellt wurde. Für die Studie „Wie finden Erwachsene zum Glauben?“ hatte das Forscherteam unter Leitung von Prof. Michael Herbst 462 Männer und Frauen in den Landeskirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Mecklenburg, Rheinland, Sachsen und Württemberg befragt. Ausgewählt wurden Personen, die eine einschneidende Veränderung in ihrem Glauben erlebt haben, etwa eine neue Freude am Nachdenken über Gott oder eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Die meisten bezeichneten sich als „ganz normale Kirchenmitglieder“ oder hatten vor ihrer Bekehrung keinen Kontakt zur Kirche. Etwa jeder zweite Befragte war zwischen 33 und 49 Jahren alt. Dass Menschen sich den Glauben nicht nur in früher Jugend oder im Alter aneignen, sondern in nennenswerter Anzahl auch in der Lebensmitte, sei für die Zukunft der Kirche wichtig, heißt es in der Studie. Aus soziologischer Perspektive sei die Kirchenzugehörigkeit stabiler, wenn sie durch eigene Wahl zustande kommt „und nicht einfach dadurch, dass man sich am sozialen Umfeld orientiert oder einfach das weiterführt, was in der Familie und Verwandtschaft üblich ist“.


„Missionarische Geduld“

Die Studie stellt ferner fest, dass nur wenige Befragte ein datierbares Erlebnis für ihre Glaubensentscheidung angeben könnten. Meist habe es mehrere Jahre gedauert, bis die Veränderung zu einem Bekenntnisakt führte, indem sie etwa bei einer Evangelisation ihr Ja zum Glauben öffentlich bekundeten, sich taufen ließen, am Abendmahl teilnahmen oder in der Gemeinde mitarbeiteten. „Wir brauchen offenbar missionarische Geduld“, sagte Herbst vor Journalisten.

Am Anfang stehen persönliche Kontakte

Als Hauptgrund, sich mit dem Glauben zu beschäftigen, nannten die meisten Befragten persönliche Kontakte zu Christen. In der Anfangsphase seien es häufig kirchlich engagierte Freunde oder ehrenamtliche Mitarbeiter. Als es um die Erörterung theologischer Fragen und möglicher Konsequenzen gegangen sei, seien Pfarrerinnen und Pfarrer wichtiger geworden. Auch Gottesdienste spielten eine wichtige Rollet. Glaubenskurse wurden von zwei Drittel der Befragten als bedeutsame Station auf ihrem Glaubensweg angesehen. Ferner nannten sie Erfahrungen mit dem Gebet. Dies müsse durch möglichst viele Angebote zum Gebet unterstützt werden, empfehlen die Forscher: „Gebt den Leuten Chancen, fromm zu sein, wenn niemand zusieht!“
Osten: Bekehrung als Lebenswende
Die Studie zeigt auch regionale Unterschiede: Während im Westen Deutschlands etwa die Hälfte der Befragten ihre geänderte Einstellung zum Glauben darauf zurückführte, dass sie neue Aspekte des Glaubens entdeckten, sind es im weitgehend entkirchlichten Osten nur ein Viertel bis ein Drittel. Dort habe fast die Hälfte die Hinwendung zum Glauben als Bruch mit dem bisherigen Leben empfunden. Eine solche Lebenswende sei im Westen nur bei höchstens 15 Prozent der Fall. Dies zeige, dass auch Menschen, die in einem nichtreligiösen Umfeld aufwuchsen, „nicht zwangsweise in Distanz zum Glauben bleiben müssen“, so Herbst.

Von missionarischen Bewegungen lernen

Nach Ansicht der Forscher können Landeskirchen von den Erfahrungen der pietistischen Gemeinschaftsverbände und missionarischen Bewegungen lernen. Auch wenn nur 23 Prozent der Befragten durch diese Gruppen zum Glauben kamen, sei dieser Anteil wesentlich größer, als es der innerkirchlichen Bedeutung dieser Bewegungen entspreche. Zum Forscherteam gehören außer Herbst der Theologe Johannes Zimmermann als Projektleiter, die für die Befragungen zuständige Sozialwissenschaftlerin Anna-Konstanze Schröder (beide Greifswald) sowie der württembergische Mitarbeiter des EKD-Zentrums „Mission in der Region“ und wissenschaftliche Berater des württembergischen Projekts „Wachsende Kirche“, Pfarrer Heinzpeter Hempelmann (Stuttgart).

Foto: (c) Paul Badde


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