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Scharia-Gerichte für die Schweiz?

30. Dezember 2008 in Schweiz, keine Lesermeinung
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Nach Meinung eines Sozialanthropologen sollen nicht mehr alle vor dem Gesetz gleich sein: Je nach Herkunft, Ethnie oder Religion soll anderes Recht gelten und von anderen Gerichten beurteilt werden.


Freiburg (kath.net/RNA) Der Freiburger Professor Christian Giordano verlangt Scharia-Gerichte für Muslime in der Schweiz. Das meldete die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am Sonntag. Vor einem Jahr verlangte der Erzbischof von Canterbury Scharia-Gerichte für britische Muslime.

„Rechtspluralismus: ein Instrument für den Multikulturalismus?“ heisst der Aufsatz, den nun der Freiburger Professor Christian Giordano in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus publiziert hat. Was der Sozialanthropologe darin fordert, ist der Bruch mit der bestehenden Rechtsordnung in den modernen westlichen Staaten.


Nicht mehr alle sollen vor dem Gesetz gleich sein: Je nach Herkunft, Ethnie oder Religion soll künftig anderes Recht gelten und von anderen Gerichten beurteilt werden. Der Staat müsse Schariagerichte und andere religiöse Gerichte für Immigranten in der Schweiz anerkennen, verlangt Giordano. Dabei denke er vor allem an Prozesse in Zivilsachen, aber auch bei Delikten bis zur Körperverletzung.

Unterstützung erhält Giordano laut NZZ vom Präsidenten der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, Farhad Afshar. Der aus dem Iran stammende Soziologe sagt, im islamischen Raum sei es seit Jahrhunderten gebräuchlich, dass Muslime, Christen und Juden unterschiedlichem Recht unterstünden. Die staatliche Ordnung bricht also nicht zusammen, wenn unterschiedliche Rechtssysteme parallel bestehen“, sagt Afshar.

Auf lange Frist werde die Schweiz an Sonderrechten und -gerichten für gewisse Bevölkerungsgruppen ohnehin nicht vorbeikommen. Er ist deshalb für die baldige Übernahme des Scharia-Rechts „mit gewissen Anpassungen an die Schweiz“.

Auch Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachverbände in der Schweiz und zusammen mit Afshar Mitglied des Rates der Religionen, meint laut NZZ am Sonntag, die Anerkennung gewisser Teile der Scharia sei ein vernünftiger Weg. Für „politisch nicht opportun“ hält Maizar dagegen eine Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt: „Wir haben schon die Debatten um Terrorismus, Schwimmunterricht, die Minarette - da können wir nicht noch einen Streitpunkt gebrauchen“, sagt Maizar.


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