20 Oktober 2008, 19:59
Exegeten haben die Bibel 'zum Steinbruch' gemacht
 
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Theologe Klaus Berger zum historisch-kritischen Schriftverständnis: Es gibt keinen sichereren Weg, den Glauben zu verlieren, als das Studium dieser Methode.

Rom (kath.net/idea)
Scharfe Kritik an der Bibelauslegung in den letzten Jahrhunderten hat der katholische Theologieprofessor Klaus Berger (Heidelberg) geübt. „Man hat die Bibel herausgerissen aus ihrem Kontext und sie allerorten zum willfährigen Steinbruch gemacht“, schreibt der 67-Jährige in der Oktober-Ausgabe der katholischen Zeitschrift Vatican-Magazin (Rom). Nach seiner Überzeugung ist das Prinzip der Reformation völlig gescheitert, dass sich die Bibel selbst auslegt und jeder Christ zu ihrem Verstehen den Heiligen Geist hat. Dieses Prinzip habe die Kirche „oder das, was von ihr übrig war, vollends aufgelöst“.

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In der Folge sei es zu immer neuen Kirchenspaltungen gekommen. So seien aus dem Calvinismus in den USA Tausende von Kirchen hervorgegangen, die alle behaupteten, die Bibel hinter sich zu haben. Daraus sei „kein Reichtum, sondern Chaos und babylonische Verwirrung“ hervorgegangen. Berger ist überzeugt, dass die zerstrittenen Kirchen allein mit Hilfe der Bibel nicht wieder zueinander finden. Er fordert, in die Schriftauslegung das kirchliche Lehramt einzubeziehen.

Historische Bibelkritik zerstört Glaubenssubstanz

Besonders heftige Kritik übt Berger an einem historisch-kritischen Schriftverständnis, bei dem Bibelkritik zum Instrument von Kirchenkritik gemacht werde. Es gebe keinen sichereren Weg, den Glauben zu verlieren, als das Studium dieser Methode. Diese Exegese finde immer heraus, „dass angeblich alles das nicht stimmt, was wir glauben“. Mit ihr könne man die ganze Glaubenssubstanz zerstören, „von der Dreifaltigkeit bis zur Marienverehrung, von der Taufe bis zum Fegefeuer, vom Zölibat bis zum Bittgebet“. Wenn sich ein Ausleger am Wunderglauben stoße, erkläre er, dass der von Jesus auferweckte Lazarus gar nicht gelebt habe.

Wer die katholische Marienverehrung als Belastung für die Ökumene betrachte, werde darauf verweisen, dass die Empfängnis durch den Heiligen Geist nur in zwei der vier Evangelien stehe. Allerdings komme das Vaterunser auch nur in zwei Evangelien vor.

Gott nicht auf therapeutische Liebe verkürzen

Laut Berger wird das Gottesbild durch Ausleger besonders stark manipuliert. Angesehene katholische Theologen schreckten nicht davor zurück, alle Gerichtsaussagen in der Verkündigung Jesu für spätere Eintragungen und Verfälschungen zu halten. Dabei bezeichne sich Jesus ausdrücklich nicht als Friedensapostel. „Wer den Gott der Bibel auf das eine Attribut therapeutischer Liebe festlegt, trägt die angeblichen Bedürfnisse einer hedonistischen Wohlfühlgesellschaft gewaltsam in die Bibel ein“, so Berger. Nach seiner Ansicht wird sich die Kirche der Zukunft um charismatische Einzelpersonen, glaubwürdige Klöster und Gemeinden mit intensiven und reichen Gottesdiensten sammeln.

Berger gehört zu den populärsten Autoren theologischer Literatur im deutschsprachigen Raum. Der katholisch getaufte Wissenschaftler bezeichnet sich als „ökumenische Existenz“. Weil die katholische Fakultät in München seine Doktorarbeit nicht akzeptierte, trat er 1968 in die evangelische Kirche ein und erhielt einen Lehrstuhl an der evangelischen Fakultät der Universität Heidelberg. 2006 trat er zur katholischen Kirche über.

Bestellmöglichkeiten der Zeitschrift unter www.vatican-magazin.com - Achtung: Ermäßigung für kath.net-Clubmitglieder - Infos siehe hier.





Foto: (c) kath.net; Klaus Berger wird von Papst Benedikt im Stift Heiligenkreuz begrüßt

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