Bischof Werner: 'Josefs Leben ist nicht Selbstverwirklichung'
 
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Die Predigt vom Dienstag (19.00 Uhr) in Feldkirch (Tagung der österreichischen Bischofskonferenz)im Wortlaut

KATH.NET dokumentiert den Wortlaut:

Wir brauchen wieder viel mehr Freude und Begeisterung als katholische Christen: großes Vertrauen auf den dreifaltigen Gott – gerade jetzt im „Jahr der Berufung!“

„Fahr hinaus auf den See!“, die Worte des Herrn (Lk 5,4) ruft uns der Papst zu.

Das bedeutet für uns: Habt Vertrauen und Mut - gerade in der jetzigen, oft orientierungslosen Zeit - Christus, unser Heil und unser Erlöser, den Menschen (besonders den Kindern und Jugendlichen) nahe zu bringen: als den Weg, die Wahrheit und das Leben!

Das Fest des Hl.Josef gibt uns wieder erneut Gelegenheit dazu. Er war ein einfacher Handwerker, hat vielen Menschen, ja auch vielen Heiligen den Weg zur persönlichen Heiligung gezeigt und vorgelebt. Sicher nicht als der greise Mann auf vielen Darstellungen, sondern im besten Mannesalter; voller Lebenskraft und tiefem Gottvertrauen. Der Name Josef bedeutet „Gott wird hinzufügen“. Aus dieser Hoffnung dürfen wir alle leben. Jedem, der sich bemüht den Willen Gottes zu erfüllen, dem verleiht Gott neue, ungeahnte Dimensionen.

Die Heilige Schrift preist Josef deswegen als einen „Gerechten“, weil dies soviel wie fromm, untadeliger Diener Gottes, Erfüller des göttlichen Willens und hilfsbereit gegenüber dem Nächsten bedeutet. Und all dies in einem keineswegs bequemen Leben: wir kennen es. Er hat gelernt, mit seinen Talenten und all seinen menschlichen Erfahrungen, sich im göttlichen Plan zu bewegen, in Liebe zu Maria und mit der väterlichen Liebe zu Jesus, in lebendiger Hoffnung auf das große Werk, das Gott in der Welt beginnt und in das er hineingenommen ist: das Werk der Erlösung.

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Meine Lieben! Glaube, Hoffnung und Liebe sind das Rückgrat in jedem christlichen Leben. So ist das Fest des Hl.Josef ein willkommener Anlaß, die Hingabe an die Berufung zu erneuern, die der Herr einem jeden von uns geschenkt hat. Wo Glaube, Hoffnung und Liebe sind, bedeutet Erneuerung, in der Hand Gottes verweilen, trotz aller persönlichen Schwächen und allen Versagens, trotz aller besorgnis-erregenden Zeiterscheinungen; es bedeutet, den Weg der Umkehr und Treue bekräftigen.

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wandelt nicht im Dunkel, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Jo 8,12), so ermutigt uns der Herr.

Betrachten wir zunächst im heurigen Jahr der Berufung den einfachen Mann Josef mit einem hörenden Herzen. Der Evangelist Matthäus schreibt im 2. Kapitel: „Als die Magier wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten“. Josef schläft, aber zugleich ist er fähig, den Engel zu hören, sein Herz ist offen, so dass Gottes Botschaft sofort Eingang findet.

Wir Christen wissen, dass Gott zu seiner Schöpfung, besonders zum Menschen als Kind Gottes Beziehung hat. Er ist unser aller Vater. Er will zu jedem von uns sprechen, ist jedem von uns ganz nahe. Aber wir sind ja meistens vollgestopft mit Geschäften, Sorgen, Erwartungen, Wünschen und Erlebnissen aller Art. Wir sind so voll mit Eindrücken, Bedrängnissen, die der Alltag an uns heranträgt, dass wir bei aller Wachheit des Äußeren, die innere Wachheit verloren haben: Wir hören nicht mehr, oder nur selten im Innersten, Gottes Wort, Gottes Nähe.

Mich erinnert dies an ein ehrliches Bekenntnis des Hl.Augustinus: „Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit, so alt und so neu – spät dich geliebt. Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir...“

Ja, geht’s nicht vielen von uns so? Wir sind Macher geworden, sind beherrschst von unseren Dingen, was man in die Hand nehmen, mit dem man etwas tun kann. Wir sehen im Letzten nur uns selber und hören nicht mehr in die Tiefe der Schöpfung hinein, die auch heute von der Schönheit und von der Güte Gottes spricht. Das wirkt sicht aus, besonders auch im politischen Denken und Handeln.

Erst vor kurzer Zeit hat der Papst seine große Sorge mitgeteilt, dass in der EU-Charta die „christlichen Wurzeln“ Europas einfach gestrichen sind und dass im Namen des Fortschritts vielfach Gottes Wort und Auftrag kaum mehr Beachtung findet. Wir brauchen dringend mehr Politiker und Wissen-schaftler, welche ihren Auftrag als Berufung wahrnahmen und verwirklichen.

Der hörende Josef, wie das „hörende Herz“ des weisen Salomon, zeigen uns eine große Wichtigkeit in unserer Berufung als Christen: innere Sammlung und Bereitschaft, Zurückziehen vom Geschrei der Sinne, dass Gott auch unsere Seele berührt und zu ihr sprechen kann.

„Macht euch die Erde untertan“ bedeutet sicher nicht sie auszubeuten, die Schöpfung und die Geschöpfe zu manipulieren, sondern die Welt menschlicher, fried-voller, ja gottähnlicher zu machen, im Sinne des Heilsplanes Gottes.

Das zweite Lernenswerte vom Hl.Josef ist die stete Bereitschaft, den Willen des Vaters zu tun. „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte“, so hörten wir im heutigen Evangelium. Wie nahe ist diese Grundhaltung, der Grundhaltung Mariens, wenn sie in der entscheidenden Stunde ihres Lebens spricht: „Ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, was du gesagt hast“ (Lk 1,38).

Erinnern wir uns an die Stunde der Berufung des Propheten Jesaja: „Herr, da bin ich! Sende mich!“ (Jes 6,8).

Sein ganzes Leben ist von diesem Ruf bestimmt, den auch Jesus z.B. an Petrus richtet: „Du wirst geführt werden, wohin du nicht willst“ (Jo 21,10).

Josef, der Bereite, hat Gottes Willen zum Maß seines Lebens gemacht. Er war da, um sich führen zu lassen, auch wohin er nicht wollte. Sein ganzes Leben ist eine Abfolge solcher Führungen: es beginnt mit der Einweisung in das Geheimnis der Gottesmutterschaft Mariens und seiner Verantwortung, das Aufbrechen nach Betlehem, die Verweigerung der Aufnahme und die Geburt im Stall („Die Seinen nahmen ihn nicht auf“, Jo 1,11), die Flucht nach Ägypten.

Dort erfährt er das Schicksal des Heimatlosen, des Asylanten, des Fremden, der nicht dazugehört und suchen muß nach einer Stätte für seine Familie. Vor der Rückkehr steht wiederum die bleibende Bedrohung. Und dann kommt jenes schwere Erlebnis, die drei Tage Abwesenheit Jesu (Lk 3,46), die gleichsam schon das Geheimnis der drei Tage zwischen Kreuz und Auferstehung vorausnehmen: der Ernst, die Fremdheit und die Höhe des Messiasgeheimnisses kommt zum Vorschein: „Ich musste im Eigentum meines Vaters sein“ (Lk 2,19).

Welche Zurückweisung des Nährvaters und welche Höhe zugleich!? „Josef, du wirst nicht Vater heißen, du bist nur Hüter, nur Treuhänder dieses Amtes! Aber du bist Beschützer des Erlösers, Diener des Geheimnisses der Menschwerdung und der ganzen Heilsgeschichte.“ Und schließlich stirbt Josef, bevor er die Offenbarung der Sendung Jesu erleben darf. Es bleibt alles – das ganze Leiden, die Hoffnungen – verborgen in der Stille. Josefs Leben ist nicht Selbstverwirklichung, in der der Mensch alles aus sich herausholt, alles aus sich zu machen versucht. Josefs Leben ist die stete Bereitschaft „Geführt zu werden, wohin du nicht willst“.

Aber gerade wo das geschieht, wo Menschen sich den Weisungen Gottes anvertrauen, findet der Mensch zu sich, seinem wahren Wert und seiner Würde.

Ein drittes Lernenswertes vom Hl.Josef ist seine Pilgerschaft. Dieses Unterwegssein erinnert an Abraham, an den Ruf Gottes an den Stammvater: „Zieh fort aus deinem Land, das ich dir zeigen werde und sei ein Fremdling“ (Gen 12,1).

Später sagen die Apostel auch uns: „...ihr seid Fremdlinge, Pilger und Gäste (1 Petr 1; Hebr 13,14), denn unser Zuhause ist der Himmel (Phil 3,20).

Wir hören solche Sätze heute nicht gerne, denn wir denken, das führe uns von unseren Pflichten auf der Erde weg. Wir haben doch für die Gestaltung dieser Erde einen göttlichen Auftrag. Aber bedenken wir eines: Zu oft wird diese Gestaltung der Schöpfung zur Ausbeutung und Zerstörung, wenn das Ziel aus den Augen verloren wird.

Grundsätzlich ist der Mensch so geschaffen, dass das Endliche alles zu wenig ist für ihn, dass er mehr braucht: die unendliche Liebe, die unendliche Schönheit und Wahrheit. Wenn er dies aus den Augen verliert, will er die unendlichen Erfüllungen aus dem Endlichen herausholen. Er will auf Erden den Himmel haben, er erwartet und verlangt alles von ihr, von diesem Leben und von dieser Gesellschaft. Und so zerstört er die Erde, es kommt zu keinem friedvollen Zusammenleben, weil da jeder andere ihm zum Hindernis und zur Bedrohung wird. Nur im Blick auf den Schöpfer bleibt die Schöpfung schön.

Nur wenn wir wieder Pilger auf das Ewige zu sind, bekommt unsere Arbeit Hoffnung, Sinn und Frieden.

Josef, der Arbeiter: er zeigt uns: Arbeit bringt auch Ermüdung, Mühsal und Erschöpfung mit sich, aber sie ist eine wertvolle Gabe Gottes; sie zeugt von der Würde des Menschen und seinem Dienst an der Schöpfung, ja sie ist Teilnahme am Schöpfungswerk Gottes.

Christus selbst hat die Arbeit auf sich genommen, so erscheint sie uns als erlöste und erlösende Wirklich-keit, und dient daher nicht nur zur Persönlichkeit-sentwicklung, Unterhaltssorge und Verbesserung gesellschaftlicher Bedingungen, sondern ist Mittel und Weg der Heiligkeit, als etwas, das geheiligt werden kann und selbst heiligt. So wird sie zu Gebet und Danksagung, auch zum Wohl der Mitmenschen.

Der Hl.Josef zeigt uns dieses „Für den Anderen“ im Geheimnis echter Vaterschaft: Kinder brauchen Mütter, aber auch Väter, welche Zeit für sie haben, sie lieben, Beschützer und Ernährer sind, Vorbilder im Glauben, Vorbeter, welche auch die Wichtigkeit der Heiligung von Sonn- und Feiertagen vorleben, verständnisvolle und treue Ehepartner sind und welche sie behutsam in die Freiheit entlassen. All das aber nicht in großen Worten, sondern in stillen Taten.

So wollen wir heute Gott für den Hl.Josef danken, für seine vorbildliche Berufungsgeschichte. Wir wollen allen Menschen danken, die sich dem Willen Gottes öffnen, seinen Ruf hören und den Weg mit ihm gehen, wohin immer er auch führt.

Wir alle haben eine große gemeinsame Sendung, der wir gemeinsam dienen, jeweils mit der Gabe, die Gott verliehen hat. Und diese Berufung ist nie Selbstzweck, sondern, wie wir es schon am Beispiel des Hl.Josef gehört haben, eine Berufung FÜR Andere.

Dies soll uns alle ermutigen, als Berufene, selber Rufer zu werden, vor allem geistliche Berufe zu entdecken und zu wecken: durch Gebet und ganz persönliches Ansprechen und Einladen. („Kommt und seht!“)

Erbitten wir uns jetzt während des heiligen Messopfers den Mut und die Kraft dazu, erbitten wir ein „hörendes Herz“ und eine freudige, begeisternde Ausstrahlung.

Vertrauen wir auf Abraham: „Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt... und zahlreich werden deine Nachkommen sein“. Auf die heutige Situation in der Kirche umgeschrieben: und zahlreich werden die Berufungen sein.

Heiliger Josef, sei uns weiterhin Fürsprecher und Helfer in unserem Dienst als Berufene und Rufende. AMEN.







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