29 Juni 2008, 08:15
Papst Benedikt XVI.: Eucharistie – Ausdruck der Liebe Gottes
 
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"Die Liturgie gehört nicht uns: Sie ist ein Schatz der Kirche." Ansprache an die Teilnehmer des 49. Internationalen Eucharistischen Kongresses in Québec.

Rom (www.kath.net/ Zenit)
Wir veröffentlichen eine „Radio Vatikan“-Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. zum Abschluss des Internationalen Eucharistischen Kongresses in Québec (Kanada) gehalten hat.

Während der Abschlussmesse wurde der Heilige Vater über eine Satelitenverbindung zugeschaltet. Benedikt XVI. ermutigte die Kongressteilnehmer und die Gläubigen in aller Welt, sich neu auf das eucharistische Geheimnis und seinen Stellenwert zu besinnen und Jesus Christus nie unwürdig zu empfangen.

***

Meine Herren Kardinäle,
Exzellenzen,
liebe Brüder und Schwestern!

Während ihr zum 49. Internationalen Eucharistischen Kongress versammelt seid, bin ich glücklich, mich über Fernsehen mit Ihnen zu verbinden und mich so Ihrem Gebet anzuschließen. Ich möchte gleich zu Anfang Marc Kardinal Quellet, den Erzbischof von Quebec, grüßen und Jozef Kardinal Tomko, den Sondergesandten zum Eucharistischen Kongress, ebenso wie alle Kardinäle und Bischöfe, die dort anwesend sind. Ich richte auch meine herzlichen Grüße an die Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft, die an der Liturgie teilnehmen wollten.

Meine herzlichen Gedanken gehen zu den Priestern, den Diakonen und den anwesenden Gläubigen wie auch alle Katholiken von Quebec, von ganz Kanada, und der anderen Kontinente. Ich vergesse nicht, dass Ihre Stadt den 400. Jahrestag ihrer Gründung feiert. Das ist ein Anlass, dass sich jeder an die Werte erinnert, die die Pioniere und Missionare Eures Landes bewegt haben.

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„Eucharistie, Geschenk Gottes für das Leben der Welt.“ Das ist das Thema dieses neuen internationalen Eucharistischen Kongresses. Die Eucharistie ist unser schönster Schatz. Sie ist das Sakrament schlechthin. Sie führt uns vor allem in das ewige Leben ein. Sie enthält das ganze Geheimnis unseres Heiles. Sie ist die Quelle und die Spitze des Tuns und des Lebens der Kirche, wie das Zweite Vatikanische Konzil in Erinnerung gerufen hat.

Es ist daher besonders wichtig, dass die Hirten und die Gläubigen sich ununterbrochen in dieses große Sakrament vertiefen. Jeder kann auf diese Weise seinen Glauben stärken und jeden Tag besser seine Mission in der Kirche und der Welt erfüllen. Er kann sich daran erinnern, dass es eine Fruchtbarkeit der Eucharistie in seinem persönlichen Leben gibt, wie auch im Leben der Kirche und der Welt.

Der Geist der Wahrheit bezeugt sich in euren Herzen, bezeugt auch ihr vor den Menschen Christus – wie es die Antiphon des Alleluja dieser Messe sagt. Die Teilnahme an der Eucharistie entfernt uns also nicht von unseren Zeitgenossen, im Gegenteil: Weil sie der Ausdruck der Liebe Gottes par excellence ist, erinnert sie uns daran, uns mit unseren Brüdern dafür zu engagieren, uns den gegenwärtigen Herausforderungen zu stellen und aus unserem Planeten einen Ort zu machen, an dem man gut leben kann.

Daher muss man ununterbrochen dafür kämpfen, dass jede Person von ihrer Empfängnis bis zum natürlichen Tod respektiert wird, damit unsere reichen Gesellschaften die Armen aufnehmen und ihnen ihre Würde wiedergeben, damit jede Person sich und ihre Familie ernähren kann, damit der Friede und die Gerechtigkeit auf allen Kontinenten erstrahlen. Das sind einige der Herausforderungen, die unsere Zeitgenossen mobilisieren müssen und für die die Christen ihre Kraft aus dem Mysterium der Eucharistie schöpfen müssen.

„Geheimnis des Glaubens“: Das verkünden wir bei jeder Messe. Ich möchte gerne alle einladen, sich zu verpflichten, dies große Geheimnis zu studieren, besonders durch Lektüre und Erforschung, allein und in Gruppen, des Konzils-Textes über die Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ um so in der Lage zu sein, mutig Zeugnis von dem Geheimnis abzulegen.

So kann jeder dazu kommen, die Bedeutung jedes Aspektes der Eucharistie besser zu verstehen, kann seine Tiefe verstehen und sie mit größerer Intensität leben. Jeder Satz, jede Geste hat ihre eigene Bedeutung und erschließt ein Geheimnis. Ich hoffe sehr, dass dieser Kongress ein Appell für alle Gläubigen ist, sich erneut zu eucharistischer Katechese zu verpflichten.

So sollen alle eine echtes eucharistisches Bewusstsein gewinnen und sollen ihrerseits Kinder und junge Menschen lehren, das zentrale Geheimnis des Glaubens zu erkennen und ihr Leben rund um es aufzubauen.

Ich dränge die Priester speziell dem eucharistischen Ritus die notwendige Verehrung darzubringen. Ich bitte alle Gläubigen die Rolle der Einzelnen, der Priester und der Laien, in der Eucharistiefeier zu respektieren. Die Liturgie gehört nicht uns: Sie ist ein Schatz der Kirche.

Der Empfang der Eucharistie, die Anbetung des allerheiligsten Sakramentes – dadurch vertiefen wir unsere Kommunion, wir bereiten uns darauf vor und verlängern sie –, hat den Sinn, in die Gemeinschaft mit Christus einzutreten und durch ihn mit der ganzen Dreifaltigkeit – damit wir das werden, was wir empfangen, und in Gemeinschaft mit der Kirche leben.

Durch den Empfang des Leibes Christi bekommen wir die Kraft der „Einheit mit Gott und mit einander“. Wir dürfen nie vergessen, dass die Kirche um Christus aufgebaut ist und dass – wie der heilige Augustinus, der heilige Thomas von Aquin und Albert der Große in Gefolge von Apostel Paulus sagten – die Eucharistie das Sakrament der Einheit der Kirche ist, denn wir bilden alle einen einzigen Leib, dessen Haupt der Herr ist.

Wir müssen immer wieder zurückgehen zum letzten Abendmahl am Gründonnerstag, wo wir ein Pfand des Geheimnisses unserer Erlösung am Kreuz erhalten haben. Das Letzte Abendmahl ist der Ort der werdenden Kirche, der Schoß der Kirche aller Zeiten. In der Eucharistie wird das Opfer Christi ständig erneuert, Pfingsten ist ständig erneuert. Möget ihr euch immer mehr bewusst werden, wie wichtig die sonntägliche Eucharistie ist, denn Sonntag, der erste Tag der Woche, ist der Tag an dem wir Christus ehren, der Tag an dem wir die Kraft erhalten, an allen Tagen die Gabe Gottes zu leben.

Ich möchte die Hirten und alle Gläubigen zu einer erneuerten Aufmerksamkeit auf die Vorbereitung zum Empfang der Eucharistie einladen. Trotz unserer Schwäche und unserer Sünden möchte Christus in uns seine Wohnung einrichten, er will uns heilen. Daher müssen wir alles tun, was in unserer Macht steht, damit wir ihn mit einem reinen Herzen aufnehmen, damit wir – durch das Sakrament der Vergebung – die Reinheit wiedergewinnen, die die Sünde verletzt hat, indem wir „unsere Seele und unsere Stimme“ – wie das Konzil sagt – „in Einklang bringen“.

In der Tat: Die Sünde und besonders die schwere Sünde widersetzt sich dem Tun der eucharistischen Gnade in uns. Andererseits: Diejenigen, die aufgrund ihrer Situation nicht kommunizieren können, werden in der Begierde-Kommunion und der Teilnahme an der Eucharistiefeier die Kraft und Heilswirksamkeit finden.

Die Eucharistie hat im Leben der Heiligen einen ganz besonderen Platz. Danken wir Gott für die Geschichte der Heiligkeit von Quebec und von Kanada, die für das missionarische Leben der Kirche vieles beigetragen haben. Euer Land ehrt speziell die kanadischen Heiligen, Jean de Brébeuf, Isaak Jogues und ihre Gefährten, die ihr Leben für Christus gaben und die sich so seinem Opfer am Kreuz verbunden haben.

Sie gehörten zur Generation der Männer und Frauen, die die Kirche Kanadas gegründet und entwickelt haben – zusammen mit Margherita dYouville, Marie de lIncarnation, Marie-Catherine de Saint Augustin, Mgr. Francois de Laval, dem Gründer der ersten Diözese in Nordamerika, Dina Bélanger und Kateri Tekakwitha. Geht in ihre Schule, seid ohne Furcht wie sie.

Gott begleitet und schützt euch. Macht aus jedem Tag eine Gabe zur Ehre Gottes, des Vaters und übernehmt euren Teil im Aufbau der Welt und erinnert euch voll Stolz eures religiösen Erbes und seiner kulturellen und sozialen Ausstrahlung. Sorgt dafür, die moralischen und spirituellen Werte auszustrahlen, die uns vom Herrn überkommen sind.

Die Eucharistie ist nicht nur ein Mahl unter Freunden. Sie ist Geheimnis des Bundes. „Die Gebete und Riten des eucharistischen Opfers lassen ohne Unterlass vor den Augen unserer Seelen rund um das liturgische Jahr die ganze Geschichte des Heils aufleben und durchdringen uns immer mehr mit ihrer Bedeutung“ (Edith Stein).

Wir sind berufen, in dieses Geheimnis des Bundes einzutreten, indem wir jeden Tag mehr unser Leben dem Geschenk der Eucharistie angleichen. Sie hat einen heiligen Charakter, wie das Zweite Vatikanum erinnert. „Infolgedessen ist jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht.“ In gewisser Weise ist sie himmlische Liturgie, eine Vorwegnahme des Mahles im ewigen Reich, die den Tod und die Auferstehung Christi verkündet bis er wiederkommt.

Damit das Volk Gottes nie ohne die Diener ist, die den Leib Christi austeilen, müssen wir den Herrn bitten, der Kirche die Gabe neuer Priester zu schenken. Ich lade euch auch ein, den jungen Burschen den Ruf zum Priestertum weiterzusagen, damit sie dazu Ja sagen, Christus voll Freude und ohne Angst zu antworten. Sie werden nicht enttäuscht sein. Die Familien müssen der erste Ort und die Wiege der Berufungen sein.

Bevor ich ende, habe ich die Freude anzukündigen, wo der nächste internationale Eucharistische Kongress stattfinden wird. Er findet in Dublin, in Irland, im Jahr 2012 statt.

Ich bitte den Herrn, dass er jeden von euch die Tiefe und Weite des Glaubensgeheimnisses entdecken lässt. Christus, gegenwärtig in der Eucharistie und der Heilige Geist, der über Brot und Wein angerufen wird, mögen euch auf eurem täglichen Weg und in eurer Mission begleiten. Seid nach dem Vorbild der Jungfrau Maria verfügbar für das Werk Gottes in euch. Ich vertraue euch der Fürsprache Unserer Lieben Frau, der heiligen Anna, der Patronin von Quebec und aller Heiligen eures Landes an und gebe euch von Herzen den Apostolischen Segen – wie auch allen hier anwesenden Personen, die aus verschiedenen Ländern der Erde gekommen sind.

Liebe Freunde, da dieses bedeutsame Ereignis im Leben der Kirche sich dem Ende zuneigt, lade ich euch alle ein, euch meinem Gebet für den Erfolg des nächsten Eucharistischen Kongresses im Jahr 2012 in Dublin anzuschließen. Ich nehme das zum Anlass, das Volk Irlands herzlich zu grüßen, das sich darauf vorbereitet, diese kirchliche Versammlung zu beherbergen. Ich vertraue darauf, dass sie in ihr zusammen mit allen Teilnehmern an dem Kongress eine Quelle anhaltender geistlicher Erneuerung finden.

[Übersetzung aus dem Französischen und Englischen von Pater Eberhard von Gemmingen SJ, Radio Vatikan]

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