21 Juni 2008, 11:30
Forscher: Angepasstes Christentum ist Wegbereiter des Antichristen
 
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Sprachwissenschaftler: Der Gegenspieler Jesu erklärt den politisch Korrekten zum Vorbild

München (kath.net/idea)
Ein an den Zeitgeist angepasstes Christentum bereitet dem endzeitlichen Gegenspieler Jesu, dem Antichristen, den Weg. Davon ist der Kommunikationsforscher Prof. Norbert Bolz überzeugt. Er lehrt an der Berliner Technischen Universität im Fachbereich Medienwissenschaft und bezeichnet sich als „religiös unmusikalisch“.

In seinem kürzlich erschienenen Buch „Das Wissen der Religion“ (Wilhelm Fink Verlag, München), schreibt er, der Antichrist sei an seiner Rhetorik von Sicherheit und Friede erkennbar und werde den guten, politisch korrekten Menschen zum Vorbild erklären. Bolz nennt drei Beispiele: Das Reden von „sozialer Gerechtigkeit“ sei nichts anderes als die Maske des Neids, „Teamfähigkeit“ die Maske des Hasses auf die Erfolgreichen und der „Dialog der Kulturen“ die Maske der geistigen Kapitulation vor fremden Kulturen. In seinem Buch analysiert Bolz in 15 Beiträgen drei Ersatzreligionen, die den traditionell „gnädigen Gott“ ersetzen.

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Die heile Natur, das wahre Selbst und die gerechte Gesellschaft seien an die Stelle von Gnade, Kreuz und Erlösung getreten. In der „grünen Religion“ werde Gottvater durch Mutter Erde ersetzt. Das Streben nach Selbstverwirklichung werde zum Kult um das moderne Ich. In der Sozialreligion übernehme der Staat eine göttliche Rolle. Dies sei die folgenschwerste Ersatzreligion. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeige, dass Deutschland immer tiefer in einen „Staatsgötzendienst“ hineingeraten sei. Bolz wirft christlichen Theologen vor, die soziale Frage zum Maß aller Dinge zu erklären.

Die Kirchen orientierten sich nur noch daran, was Pastoren für gesellschaftlich zweckmäßig hielten. Die Liebeserklärung an die Menschheit führe dazu, dass Gott verdrängt werde.

„Ich habe keine Angst, unmodern zu sein“

Ein Leben ohne Gott führe aber in eine gnadenlose Knechtschaft des Zeitgeistes und damit unter das Diktat dessen, was als politisch korrekt gelte, so Bolz.

Demgegenüber sei das christliche Angebot das „freiheitlichste, souveränste, intellektuell befriedigendste“. Denn die Unterwerfung unter das Christentum ermögliche es, allem anderen gegenüber souverän zu sein. Dazu sei Glaube nötig. Man könne aber nicht einfach beschließen, ab sofort zu glauben: „Ich begreife nicht das Christentum, sondern der Glaube ergreift mich.“ Wer keinen Zugang zu diesem persönlichen Glauben finde, könne immerhin den „einzigartigen Wert“ der europäischen Kultur begreifen lernen, die von Griechentum und Christentum geprägt sei. Wer diesen Traditionszusammenhang verlasse, begehe „geistigen Selbstmord“, so Bolz, der ursprünglich aus dem linken politischen Lager kommt und nun über sich sagt: „Ich habe keine Angst davor, unmodern zu sein“.

Buchtipp:

Das Wissen der Religion
Betrachtungen eines religiös Unmusikalischen
Wilhelm Fink Verlag,
Kartoniert, 163 Seiten,
13,30 EUR


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